Die Rheinbrücke zu Köln

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Titel: Die Rheinbrücke zu Köln
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aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 225–226
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Rheinbrücke zu Köln.

Schon seit längerer Zeit war man in Köln mit dem Plan zum Bau einer stehenden Brücke über den Rhein umgegangen. Man übersah nicht die großen Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens, man erkannte aber auch die Vortheile nicht nur für die Bewohner der Stadt selbst, sondern auch für die der Rheinlande, die aus der Vereinigung der rheinischen Landestheile, welche Jahrhunderte lang durch den mächtigen Strom von einander getrennt wurden, nothwendig hervorgehen müssen.

Nach langen Verhandlungen genehmigte endlich der König von Preußen durch Cabinetsordre vom 4. December 1854 den vom Wasserbauinspector Wallbaum entworfenen Plan, demzufolge die Brücke nach dem nordamerikanischen Construktionssystemem von Ithias Town, dem sogenannten Town’schen „Lattice work-system,“ mittels eichener Gitterwände, die auf gemauerten Pfeilern ruhen, ausgeführt wird. Es werden vier doppelte Gitterwände von 26 Fuß Höhe nach der Länge der Brücke aufgestellt und von zwei Land- und drei Strom- oder Mittelpfeilern getragen werden. Zwischen diesen Pfeilern bleiben vier Durchflußöffnungen von je 313 Fuß lichter Weite. Die Mittelpfeiler werden von Tafelbasalt hergestellt. Ihre Fundamente werden 114 Fuß Länge und 31 Fuß Breite, die Pfeiler selbst aber in der Höhe der Brückenbahn eine Länge von 98 Fuß und eine Breite von 20 Fuß erhalten. Aehnlich werden auch die Landpfeiler ausgeführt; sämmtliche Pfeiler aber erhalten zu beiden Seiten der Fahrbahn Thürme, von denen die der Mittelpfeiler in cylindrischer Form bei 15 Fuß Durchmesser, 53 Fuß hoch und die der Landpfeiler in quadratischer Grundform 67 Fuß hoch über die Fahrbahn entworfen sind. Diese Thürme, an Zahl zehn, werden in mittelalterlichem Styl mit Zinnen-Bekrönung, Erkern etc., errichtet und dem ganzen Bauwerk ein höchst freundliches Ansehen geben.

Die Gitterwände bilden die Hauptconstructionstheile in dem hier zur Anwendung kommenden Systeme; in ihnen ruht alle Tragkraft, und von ihrer größern oder geringern Widerstandsfähigkeit hängt daher die Tragfähigkeit der Brücke ab. Ihre Zahl beträgt acht, die vier Doppelwände bilden, und in allen ihren Verbindungen rein aus Schmiedeeisen hergestellt werden. Fahr- und Fußwege werden durch einen 4–5 Zoll starken Bohlenbeleg gebildet.

Um zugleich das neue System in seinen Hauptzügen darzulegen, wollen wir über die Construction dieser Gitter Folgendes bemerken: Die Gitter sollen mit kräftig construirten Rahmen versehen und behufs Herstellung einer tüchtigen Querverbindung der vier Doppelwände, um sie gegen Schwankungen vollkommen zu sichern, in Entfernungen von 18 zu 18 Fuß, sowohl an ihren obern als an ihren untern Theilen durch starke eiserne Gurtungen fest mit einander verbunden werden. Durch die Anordnung dieser Querverbindungen im Terrain mit horizontalen Diagonalverstrebungen werden die Gitterwände zu einem festen unverrückbaren [226] Ganzen so verbunden, daß eine nachtheilige horizontale Ausbiegung fast zu den Unmöglichkeiten gehört. Die acht Gitter werden aus 4 Zoll breiten, durchschnittlich 1/2 Zoll starken schmiedeeisernen Stäben in der Weise zusammengesetzt, daß dieselben unter einem Winkel von 45 Grad sich gegenseitig kreuzen und an den Ueberkreuzungspunkten mittels Nietbolzen ihre feste Verbindung erhalten. Die Entfernung dieser Stäbe soll von Mitte zu Mitte 17 Zoll betragen, wodurch in den Gittern 13 Zoll im Quadrat große Oeffnungen (Maschen) entstehen.

Die Gartenlaube (1855) b 226.jpg

Die neue Rheinbrücke zu Köln nach dem festgestellten Eintwurfe.

Die Länge der Brücke beträgt über die Stromfläche, d. h. zwischen den Ufermauern, 12891/2 Fuß und mit ihrer Verlängerung auf den Werften, ausschließlich der Auffahrten, 1650 Fuß, ihre Breite 60 Fuß, wovon 42 Fuß für drei Fahrwege à 14 Fuß Breite und 10 Fuß für zwei außerhalb der Gitterwände befindliche Fußwege berechnet sind. Die noch übrig bleibenden 8 Fuß werden von den vier Gitterwänden eingenommen, wovon die beiden mittlern die Fahrwege von einander trennen. Der nördlich gelegene dieser Fahrwege erhält ein Schienengeleise zur Verbindung der rechtsrheinischen mit der linksrheinischen Eisenbahn; die beiden andern Wege sind für das gewöhnliche Fuhrwerk bestimmt

Den Gitterwänden, so wie überhaupt dem ganzen den Strom überspannende Brückenkörper zum Schlusse soll die auf den beiden Landpfeilern zu errichtende steinerne Portale im Stützbogenstyl dienen, welche drei Thoröffnungen erhalten.

Auf dem kölner Ufer wird die Brücke, nachdem sie auf dem Werfte zwei zusammen 130 Fuß weite Öffnungen und außerdem noch zwei Durchfahrten zu beiden Seiten der Stadtmauer in der Richtung des Domthores überspannt, bis zum Frankenplatze fortgesetzt, auf welchem in der Nähe des Directionsgebäudes der Köln-Mindener Eisenbahn die Auffahrt zur Brücke beginnt. Auf dem andern Ufer, wo die Brücke gleich unterhalb des Köln-Mindener Bahnhofs beginnt, wird der Schienenweg von der Brücke über einen Viaduct mit geringer Biegung in südöstlicher Richtung zum Anschluß an die Köln-Mindener Eisenbahn weiter geführt, wogegen die für Fuhrwerk und Fußgänger anzulegende Rampe innerhalb der Festungsmauer sich fast in einem rechten Winkel nach Süden wendet. – Nach dem Voranschlage betragen die Baukosten der Brücken mehr als 21/2 Millionen Thaler; es werden dabei 12,273,000 Pfund Schmiedeeisen und 418,000 Pfund Gußeisen zur Verwendung kommen.