Die St. Victors-Kirche zu Xanten

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Textdaten
Autor: Georg Bärsch
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Titel: Die St. Victors-Kirche zu Xanten
Untertitel:
aus: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Neue Folge. Organ des Germanischen Museums. Dritter Band, Jahrgang 1856. S. 335ff
Herausgeber: Friedrich Fleischer
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag:
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Friedrich Gorissen: Florilegium Xantense. ISBN 3792708086 S. 201–202
Kurzbeschreibung: Kurze Beschreibung des Xantener Viktordoms mit Aufruf zur Spende zur Restauration desselben
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[201] Die Stadt Xanten, unterhalb Wesel, am linken Ufer des Rheines gelegen, ist wahrscheinlich auf den Trümmern einer römischen Colonie, Colonia Trajana, nach und nach erbaut worden. Auch auf dem Fürstenberge über Xanten befanden sich römische Gebäude, auf deren Trümmer der h. Norbert (v. Gennep, Erzbischof von Magdeburg; † 1134) eine Capelle baute, in welche Abt Gottfried von Siegburg (1259) die Nonnen des abgebrannten Klosters Horst versetzte. Im Niederländischen Kriege wurde das Nonnenkloster auf dem Fürstenberge im Jahre 1586 zerstört und die Nonnen übersiedelten nach Xanten. Im 17. Jahrhundert wurden die Reste der Gebäude des Nonnenklosters auf dem Fürstenberge zum Abbruch verkauft. Damals wurden auch zwei Thürme aus Tufstein, wahrscheinlich ein Römerwerk, abgebrochen. Jetzt befindet sich auf dem Fürstenberge ein schönes, dem Herrn von Hochwächter gehöriges Landgut. Auch steht hier noch eine, im 17. Jahrhundert erbaute Capelle, welche zur Kirche St. Victor in Xanten gehört. Diese Kirche war sehr alt, im 13. Jahrhundert aber ganz verfallen, und wurde, wahrscheinlich gegen das Jahr 1263, von Grund auf neu gebaut. Seit der Zeit ist die Kirche, ursprünglich im älteren romanischen Style erbaut, vielfältig verändert worden. Jetzt erscheinen sie im gothischen Style; nur die beiden Thürme sind im romanischen Style erbaut. Die größte Länge der Kirche beträgt 238 Fuß, die größte Breite 123 Fuß; die beiden Seitenschiffe sind bis zu den Dächern 43 Fuß hoch, das Hauptschiff hat eine Höhe von 76 Fuß bis zum Dache. Die Kirche hat fünf Schiffe, deren Gesammtbreite 115 Fuß beträgt. Besonders schön ist das Portal am Anfange des Seitenschiffs, 49 Fuß hoch, 12 Fuß breit.

Die beiden äußeren Seitenschiffe haben schöne gothische Fenster. Mehrere dieser Fenster sind mit Glasmalereien geziert, von welchen sich wenigstens noch ein Theil erhalten hat. Außer dem Hochaltare befinden sich 23 Altäre in der Kirche, mit vielen Gemälden, worunter mehrere sehr werthvolle von Johann von Calcar und andern berühmten Meistern, einige sogar von Rubens.

Auch an schönem Holzschnitzwerk ist die Kirche reich. Nicht blos durch den Zahn der Zeit, sondern auch durch Vernachlässigung hat die Kirche sehr gelitten. Die französische Regierung beabsichtigte sogar die Kirche abbrechen zu lassen und die Steine zu dem beabsichtigten Bau von Festungswerken zu benutzen. Das unterblieb aber zum Glück, nicht aus Achtung für Alterthum und Kunst, sondern weil man bei der Berechnung fand, daß die Kosten des Abbrechens höher zu stehen kommen würden, als die Beschaffung von frischem Material. So wurde denn diese alte, merkwürdige und schöne Kirche, eine Zierde des deutschen Vaterlandes, gerettet. Unserer Zeit, welche den Weiterbau des herrlichen Doms in Cöln bewirkt, welche die ehrwürdigen Kaisergräber in Speyer wiederhergestellt hat, wird es vorbehalten sein, auch den schönen Dom in Xanten wiederherzustellen. Schon ist ein Comité für diesen Zweck zusammengetreten, auch ein Kostenanschlag angefertigt, welcher die zur Restauration der Kirche nothwendig erforderliche Summe zu sechzigtausend Thaler berechnet. Unser kunstsinniger König, welcher erst vor kurzem (28. September) bei der Einweihung der Basilika zu Trier (jetzt die Kirche ‚zum Erlöser‘ genannt), die er in ihrer ursprünglichen Form mit einem Kostenaufwande von 480,000 Thalern wiederherstellen lassen, zugegen war, hat bereits die Hälfte der zur Restauration des Domes in Xanten veranschlagte Summe, mit 30,000 Thalern, bewilligt. Die Kirche selbst gibt aus ihrem Vermögen die bedeutende Summe von 10,000 Thalern her. Die nun noch fehlenden 20,000 Thaler hofft man durch eine Collecte in der preußischen Monarchie und durch Sammlungen im ganzen deutschen Vaterlande zusammenzubringen. Dann gedenkt man die Restauration zu beginnen und in einem Zeitraume von fünf Jahren zu vollenden. Der verehrliche Vorstand des germanischen Museums, der für die Erhaltung der Denkmäler deutscher Kunst so rühmlichst bemüht ist, wird gewiß gern bereit sein, Beiträge für die Restauration [202] des alten Domes in Xanten anzunehmen.

Zu dieser Bitte findet sich der Unterzeichnete ganz besonders durch einen Besuch jener Kirche im Juni dieses Jahres veranlaßt.

Coblenz, im September 1856.

Dr. G. Bärsch


Obiger Aufforderung gerne Folge leistend, wird das germanische Museum mit größter Bereitwilligkeit alle ihm zukommenden Geldbeträge für die Restauration des alten Domes in Xanten an das dortige Comité übermitteln.

Der Vorstand des germanischen Museums.