Die Stadtkirche zu Stolpen

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Die Stadtkirche zu Stolpen
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 106–108
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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48. Die Stadtkirche zu Stolpen.

Der 17. Oktober 1898 war ein Freudentag für die Kirchgemeinde Stolpen. An diesem Tage wurde die in den Jahren 1897 und 1898 so herrlich restaurierte Stadtkirche eingeweiht. Die Weihrede hielt Herr Sup. Dr. Blochmann aus Pirna, der seiner Ansprache die Worte zu grunde legte: „Nun will ich zu dir kommen und will dich segnen.“ –

Die Stadtkirche zu Stolpen, auch Pfarr- oder Hauptkirche ehemals genannt, [Stolpen hatte früher drei Kirchen] ist zum Teil noch ein Denkmal mittelalterlicher Baukunst. Sie stammt aus dem 15. Jahrhunderte, ist vollständig aus Stolpner Basalt aufgeführt und wurde vom Meißner Bischof Johann VI. von Salhausen im gotischen Stile erbaut. Leider zerstörten Brände im Jahre 1632 und 1723 verschiedene Teile der Kirche. Der älteste und sehenswerteste Teil aber, der Altarplatz und seine Umgebung, ist bis zum heutigen Tage erhalten geblieben. –

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Kirche mit altem Turm vor der Erneuerung.

Die Stadtkirche zu Stolpen ist aus der ehemaligen Kirche des im Hussitenkriege 1429 zerstörten Städtchens Jockrim hervorgegangen und erhielt durch ihren Erbauer, den Bischof Johann VI., ihren jetzigen Standort. –

Im Jahre 1632, am 1. August, wurde diese Kirche zum ersten Male durch Feuer zerstört. Den Wiederaufbau begann man mit der Aufführung des Turmes. Die neuen Glocken, welche in diesen eingehangen wurden, läutete man am 8. Oktober 1646 zum ersten Male. Mit dem eigentlichen Kirchenbau wurde erst im Jahre 1648 begonnen, nachdem die Kriegsunruhen vorüber waren. Schon am 1. August 1649 konnte die Weihe vollzogen werden. Der [107] damalige Superintendent zu Bischofswerda, Herr Lic. Preißker, hielt die Weihepredigt und zwar über Gen. 28, 17. Eine Orgel erhielt die Kirche im Laufe der nächsten Jahre. Sie wurde am 22. Febr. 1652 mit einer Predigt über 1. Tim. 4, 4–5 durch den genannten Sup. Preißker aus Bischofswerda ebenfalls geweiht. Die Weihe des neuen Altares konnte am 4. Juni 1654 vollzogen werden. –

Diese beiden Weihepredigten wurden in Druck gegeben und erschienen unter dem Titel: „Stolpenische Ehren-Crone, d. i. zwo christliche Predigten bey Einweihung der Stadtkirche, und der neuen Orgel zu Stolpen a. 1649 und 1652 gehalten, durch Gothofredum Sigismundum Peißkern, der heiligen Schrifft Lic. Pfarrern und Superint. zu Bischofswerda. Dreßden, 1652, plag. 8½ in 4to.“ –

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Inneres der Kirche vor der Erneuerung.

Die Kirche war schön gemalt. Die verschiedensten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testamente waren bildlich dargestellt und mit passenden Sprüchen gekennzeichnet. Am 4. März 1724, als ein furchtbares Feuer die ganze Stadt in Asche legte, ging auch die Stadtkirche wiederum mit in Flammen auf. Mit der Wiederherstellung derselben wurde alsbald begonnen, und schon am 22. Juni 1727, am 2. Sonntage p. Trin., erfolgte die feierliche Weihe. Mit dem Kirchturmbau begann man erst 1741. Neue Glocken waren aber schon 1724 angeschafft worden und in einem besonderen Gebäude neben der Kirche untergebracht. Vom Turme herab ertönten sie das erste Mal am Sonnabend vor dem ersten Advent bei „Einläutung der Vesper“. [108] Die neue Orgel konnte am 1. Advent des Jahres 1756 eingeweiht werden. – Vor Einführung der Reformation (1. Januar 1559) hatte die Stadtkirche nicht weniger als 5 Altäre. – Der gegenwärtige Altar zeigt in kunstvoller Ausführung die Einsetzung des heiligen Abendmahles und stellt ein Meisterwerk der Bildhauerkunst dar. Denselben ließ im Jahre 1770 der Acciskommissarius A. G. Laurentius errichten. An den Seiten des Altares erheben sich die Gestalten des Jüngers Johannes und des Propheten Moses. – Die Stadtkirche zu Stolpen gehört nach der Renovation gegenwärtig zu den schönsten Gotteshäusern Sachsens.

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Kirche nach der Erneuerung, im Vordergrund Pfarre zu Stolpen.