Die Stolpener Kirchenglocken

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Die Stolpener Kirchenglocken
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 116–117
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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52. Die Stolpener Kirchenglocken.

Geschichtliches Interesse haben die drei Kirchenglocken zu Stolpen. Sie bedeuten ein Stück Stadtgeschichte. Diese Glocken haben ein ehrwürdiges Alter und tragen lesenswerte Inschriften. Die große Glocke hat folgende Inschrift:

„Goss mich Michael Weinhold in Dressden Anno 1724.

Qui colit Eusebien pariter cum Marte tremendo.
Perpetua Augustus gloria Saxonidum,
Eusebiae Martem junxit fecitque Verendae
Pacis opus, divi quod modo Martis erat.

Friedericus Augustus Rex Poloninarum, Elector Saxoniae.
(Darunter befindet sich das Kgl. Poln. u. Churfl. Sächs. Wappen.)
M. Valentinus Godofredus Herckliz, Superintendens Bischofferdensis.
Johannes Andreas Hagenmüller, Praefektus Stolpensis.
Gott pflegt an diesem Ort offt seinen Weg zu lehren,
Kommt Sonn- u. Werckel-Tags, säumt nicht, seid schnell zu hören.“ –

Der auf der großen Glocke angeführte Vers hat im 18. Jahrhundert durch einen poetisch begabten Mann Stolpens folgende Übersetzung erhalten:

„Augustus, dessen Herz so fromm als tapfer ist,
Der Sachsen höchster Ruhm, den keine Zeit vergißt,
Läßt dies, was ehedem mit Feinden mußte streiten,
In goldner Friedens-Zeit zum Andachts-Tempel läuten“.

Hierzu ist zum bessern Verständnis des Inhaltes dieses Verses folgendes erläuternd zu bemerken:

Bei dem furchtbaren Brande am 4. März 1723 war auch das nahe Schloß nicht verschont geblieben. Mehrere bronzene Kanonenrohre waren durch die furchtbare Glut geschmolzen. Zwei derselben schenkte der vormalige Kurfürst August der Starke der so schwer heimgesuchten Stadt Stolpen zum Guß der neuen Glocken für die Stadtkirche.

Die mittlere Glocke trägt folgende Inschrift:

[117] „Wir sind 1632, den 1. August, das erstemahl geschmolzen, 1646 wieder gegossen und in neuen Thurm gebracht. 1723, den 4. Martii das andermahl im Feuer verdorben. 1724 abermahl gegossen, da der Thurm wüste lag, und an der Kirche gebauet ward. Gott bewahre die Stadt vor Feuer, bis die Erde und die Wercke, so drinnen sind, verbrennen werden.

M. Carl Samuel Senff, Pastor.
M. Carl Friedrich Degenkolb, Archidiakonus.
M. Johann Gottlob Frenckel, Diakonus.
Christoph Jäckel,   } Bürgermeister
Andreas Michael,   }
Ich ruffe, kommt und betet,
Wenn ihr in Tempel tretet.“


Die kleine Glocke zeigt folgende Inschrift:

„Das Feuer machts, daß wir nun stimmen überein,
Lobt Gott mit einem Mund und Hertzen! Das ist fein!
Kommt, bringt das Kind, der Brunn ist offen.
Hier wird der Bund mit Gott getroffen.
Johann George Oehme   } Kirchen-Vorsteher“.
Johann George Göde   }

Fast zwei Jahrhunderte hindurch sind diese Glocken auf dem ehemaligen Turme der Stadtkirche geblieben. Heute befinden sie sich im neuen Turme. Sie haben es erlebt, wie so mancher Kriegssturm unser Vaterland durchbrauste und die Stadt Stolpen so manche Schrecknisse durchmachen mußte. Generation um Generation haben sie kommen und gehen sehen, zur Taufe und an den Altar gerufen, zum Gottesdienst geladen und zum Begräbnis geläutet. Sie legen aber auch ein beredtes und ehrendes Zeugnis ab von der Opferwilligkeit der Bewohner Stolpens, denen damals in jenem furchtbaren Brande am 4. März 1723 Hab und Gut verloren gingen.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Bernhard Störzner: Die Stolpener Kirchenglocken, in: Was die Heimat erzählt. Arwed Strauch, Leipzig 1904, Seite 116–117. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Die_Stolpener_Kirchenglocken&oldid=- (Version vom 18.11.2010)