Die Tanzenden

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gottschalck
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Titel: Die Tanzenden
Untertitel:
aus: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen, S. 333-337
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1814
Verlag: Hemmerde und Schwetschke
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Erscheinungsort: Halle
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
siehe auch Volcks-Sagen: Dannstedt und Die Mordgrube zu Freiberg
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Die Tanzenden.

Wie unschuldige Vergnügungen, die man sich zur Unzeit erlaubte, vordem bestraft wurden, mögen uns folgende Sagen erzählen.

Zwischen Halberstadt und Wernigerode liegt das preußische Dorf Dannstedt, ehedem Tanzstedt genannt. Hier tanzten einmal einige betrunkene Männer und Weiber am Weihnachtstage, während des Gottesdienstes, rings um die Kirche. Der Prediger, den ihr ungebührliches Lärmen störte, that sie, nach vergeblicher Warnung, in den Bann. Und, auf sein Gebet, mußten sie ein ganzes Jahr lang unausgesetzt hier forttanzen. Ihre Kleider veralteten nicht, sie aßen, sie tranken, sie schliefen nicht in der ganzen Zeit, tanzten aber um die Kirche herum einen solchen tiefen Graben in die Erde, daß er noch jetzt zu sehen ist.


Eine gleiche Begebenheit ereignete sich zu Kölbick bei Bernburg im Jahre 1021. Der Bericht davon war lange Zeit auf zwei Tafeln in lateinischer und deutscher Sprache in der Kirche des Klosters zu lesen, das sonst hier war. Der deutsche lautet so:

„Nach Christi Gebuhrt im Jahr 1021 bei des Kaisers Heinrichs Zeiten, im andern Jahre Seines Regiments, hat sich begeben, diß Miracul, daß sich hie in dieser Kirchen, die geweihet ist worden in den Ehren Gottes und S. Magnus, etliche Bauers-Leute zusammen gethan, auf das Fest der Heil. Christ-Nacht, und allda gesungen und gesprungen auf dem Kirch-Hofe zu Kolbig, dermaßen, daß der Priester sein Amt nicht vor ihnen hat verbringen können, hat sie aber höchlichen vermahnet, umb Gottes-Willen, von solch Fürnehmen abzustehen, jedoch hat alles nicht seyn wollen, der Bauern aber seind gewesen Funfzehen, zwo Frauen und eine Jungfrau, ist gewesen des Kirchners Schwester. Als nun des Priesters Vermahnen an ihnen nichts verfährt, hat er gesaget, ey, nun gebe Gott und S. Magnus, daß ihr ein gantz Jahr also singen und tantzen müßt. Also hat obgedachter Kirchner seine Schwester vom Tantze wollen reißen bei einem Arm, hat ihm der Arm erschröcklicher Weise von ihrem Leibe gefolget, so haben sie darnach ein gantz Jahr all umbgetantzet, und biß unter ihre Gürtel Kulen in die Erden getantzet, und ihre Kleider seind nicht veraltet, ihre Schuhe nicht zerrißen, Haar und Bart unversehret blieben, auch weder Regen noch Schnee auf sie gefallen. Als das Jahr verschließen, seind kommen hieher gen Cölbig, die heiligen zweene Bischoffe, der von Cölln und Hildesheim, mit andern andächtigen Vätern, und haben Gott mit Ernst angerufen und gebehten, daß Gott der Allmächtige diß Miracul von diesen geplagten armen Menschen wollt gnädig abwenden. Also hat sie Gott durch dieser heiligen Väter Gebeht entlediget von solcher Strafe und erschrecklicher Plage, darnach nach ihrer Entledigung seind sie kommen vor den Hohen Altar, haben nieder gekniet, und alle entschlafen Drey Tage und Drey Nächte, und seind ihrer 4 von ihnen gestorben, die andern sind aufgestanden, und Gott den Allmächtigen gepreiset, und Dancksagung gethan, dem sei Lob Preiß und Ehr in Ewigkeit, Amen.“

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Otmar, S. 29. Becmann, Anhalt’sche Chronik, 3r Th. 4r Bd. 4s Kapitel. Büsching erzählt sie S. 383 vom Dorfe Kolbeck bei Magdeburg. Wahrscheinlich soll dieß das ehemalige Kloster und jetzige Anhalt-Köthensche Vorwerk Kölbick, eine Stunde von Bernburg, seyn; denn bei Magdeburg giebt es kein Dorf Kolbeck.