Die Thorsperre in Hamburg (Sievers)

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Textdaten
Autor: Theodor Sievers
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Titel: Die Thorsperre in Hamburg.
Untertitel: Nach Schillers Glocke.
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Entstehungsdatum: [1846]
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Verlag: Verlag der Hamburg-Altonaer Buchhandlung
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Scans auf den commons
Kurzbeschreibung:
1798 wurde in Hamburg die Torsperre eingeführt. Zunächst als Zugewinn persönlicher Freiheit begrüßt, galt sie gegen Mitte des 19. Jh. als überholt. Bei dieser Schrift handelt es sich um ein Spottgedicht, das den Unmut der Bevölkerung über die Torsperre widerspiegelt.
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[1]
Die

Thorsperre in Hamburg.

Gedicht von Th. Sievers.

Nach Schillers Glocke.


Verlag der Hamburg-Altonaer Buchhandlung.

Hamburg.       St. Pauli.


     An dem festen Eisenangel
     Hängt das Thor von Eisenguß,
     Das durch Sperrung manchem Mangel
     Hier in Hamburg helfen muß.

5
          Von der Stirne heiß

          Rinnet oft der Schweiß
     Abends, wenn die großen Schaaren
     Laufen, um die Sperr’ zu sparen.

     Die Republik hier einzusperren

10
Bedarf es wenig Thore nur.

Bezahlt die Sperre meine Herren,
Dann geht durch’s Thor in die Natur;
D’rum laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten
Was durch das Thor für Thoren gehn,

15
Das schlechte Thor muß man verachten

Das seines Gleichen nicht gesehn.

[2]
Das ist’s ja, was das Thor uns bringet,

Daß viele Thoren dadurch geh’n,
Und wenn das Geld im Kasten klinget,

20
So kann der Mensch spazieren geh’n.


     Nehmt vier Schilling aus der Casse,
     Lös’t papierne Karten ein,
     Laufet mit des Volkes Masse
     Dann zu Fuß in’s Thor hinein. –

25
          Thoren die ihr seid,

          Denn man ist bereit
     Für vier Schilling euch zu fahren,
     Und die Sohlen könnt ihr sparen.

     Und was die vielen Omnibusse

30
Der Sperre an Profit entzieh’n,

Das muß der Staat sich am Genusse,
Das muß sich mancher Thor entzieh’n.
Es dauert schon seit langen Tagen,
Und rühret vieler Menschen Ohr

35
Wenn Abends alle Glocken klagen,

Bim, bam, es schließet sich das Thor,
Und wer dann draußen ist geblieben,
Kommt ohne Sperre nicht nach Haus,
Und wer dann drinnen ist geblieben,

40
Der lös’t sich mit vier Schilling aus.


     Schon hör’ ich die Glocken läuten,
     Und das Thor bleibt offen doch?
     Nun, so will ich es euch deuten:

[3]
     Eine Stunde Freiheit noch!
45
          Wohl wohnt Freiheitsglück

          In der Republik,
     Doch in Hamburg’s Stadt und Hafen
     Geht die Freiheit Abends schlafen.

     Und mit der Glocke Feierklange

50
Begrüßet man die Sperre dann,

Wie mit der großen Feuerzange
Die Köchin manchen Freiersmann.
Ihm ruhen noch im Zeitenschooße
Die schwarzen und die heitern Loose;

55
Der heißen Liebe zarte Sorgen,

Sie drücken ihn vielleicht schon morgen, –
Die Liebe fliehet pfeilgeschwind.
Vom Mädchen reißt sich schnell der Knabe,
Er stürmt durch’s Thor so wild hinaus,

60
Denn seine ganze baare Habe

Macht nicht genug zur Sperre aus,
Und gräßlich bei’m Laternenschimmer,
Wie ein Gespenst in dunkler Nacht,
Sieht er am Thor den Mann, der immer

65
Die Hand zur Sperre offen macht.

Da faßt ihn namenloses Grauen,
Er meint, das Thor sei schon gesperrt,
Doch – darf er seinen Augen trauen? –
Ihm wird der Eingang nicht verwehrt!

70
Noch war die Sperr’ nicht eingetreten,

Noch ging man frei hier ein und aus,
Er fürchtete sich zu verspäten,

[4]
Und kam noch glücklich hin nach Haus.

Und hinter diesem läuft so hitzig,

75
In eilig ungewohnter Hast,

Der Handelsjude Levy Itzig,
Ihm läßt die Sperre keine Rast.
O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
Ich komme noch zur rechten Zeit,

80
Das Auge sieht das Thor noch offen,

Es schwelgt das Herz in Seligkeit –
Ach, daß es ewig offen bliebe,
Ich wollt’s, aus Geld- und Freiheitsliebe.

     Wieder hör’ ich Glocken läuten,

85
     Wohl! man drängt sich durch das Thor;

     Doch von diesen Massen Leuten
     Bleiben viele, ach! davor.
          Es ist nach der Zeit,
          Wer ihr Herr’n auch seid,

90
     Sena-, Doc- und andre toren,

     Die vier Schilling sind verloren.

     Denn wenn die Sperre eingetreten,
Da hilft kein Winseln und kein Beten,
Da heißt es gleich, mein Freund bezahl’!

95
D’rum prüfe sich, wer ausgegangen,

Ob seine Casse auch wird langen,
Und weh’ ihm! findet er sie kahl.
In der Armuth stillen Hütten
Fehlet oft des Geldes Klang,

100
Eines armen Mannes Bitten
[5]
Machet oft das Herz mir bang.

Und es ist die schönste Feier,
Wenn man einem armen Mann,
Sei’s durch Gulden oder Dreier,

105
Seine Noth erleichtern kann.

Doch Sperre, ihr Leut’,
Die zahlt man nicht gerne,
Hört man das Geläut’
Man läuft schon von ferne

110
Den Athem sich aus;

Will wirken und streben,
Und eilen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Will wetten und wagen,

115
Das Thor zu erjagen.

Doch kömmt man zu spät, trotz all’ dem Laufen,
Da muß man sich doch eine Sperrmarke kaufen,
Muß Sperre zahlen; ein ärgerlich Geld.
Und drinnen waltet

120
Der weise Senator,

Und handelt und wandelt,
Und herrschet weise
Im hamburg’schen Kreise,
Und schützet die Guten,

125
Und strafet die Bösen,

Will zu seiner Ehre
Ermäßigt die Sperre,
Denkt in seinem Sinn:
Das mehrt den Gewinn.

130
Doch giebt es gar Viele, die sind erbgesessen,
[6]
Die sind wie der Teufel auf die Sperre versessen,

Die machen sich selbst und der ganzen Welt weiß,
Die Sperre erhebe die Grundstück’ im Preis.
Sie sagen: die Rundstück’ sei’n kleiner hier immer,

135
Die Grundstücke nimmer.


     D’rum seh’n Alle mit frohem Blick,
Die in Hamburg erbgesess’nen Bürger,
Auf die Sperre als auf ein Glück;
Und sie nennen die endlosen Summen,

140
Die durch Sperre zusammen gekommen,

Unermeßlich und auch unentbehrlich,
Doch glauben sie’s selber wohl schwerlich,
Stopfen nur Andern den Mund.
Fest wie der Erde Grund

145
Gegen des Zeitgeist’s Macht

Bleibt dies Gespenst der Nacht;
Doch mit allen finstern Mächten
Ist kein ew’ger Bund zu flechten,
Und das Gaslicht brennet schon.

150
     Wieder hör ich Glocken läuten,

     Es ist zehn, die Sperre steigt,
     Wie sie emsig vorwärts schreiten,
     Daß das Thor noch werd’ erreicht –
          Sperre ist erhöh’t,

155
          Wer noch draußen steht

     Muß acht Schillinge verlieren,
     Oder draußen auch campiren.

[7]
     Wohlthätig ist des Geldes Macht,

Es bringt uns Freiheit auch zur Nacht;

160
Wenn man nach 10 durch’s Thor noch läuft,

Sich für acht Schilling Freiheit käuft,
So kömmt man billiger doch fort
Als sonst an irgend einem Ort,
Wohin gar Mancher in der Nacht

165
Ward von den Wächtern schon gebracht.

Leicht wird Keiner losgelassen
Den sie einmal attaquirt,
Durch die volkbelebten Gassen
Wird zur Wache er geführt;

170
Doch für fünf Mark vierzehn lassen

Sie ihn dann ganz ungenirt. –
Last und Wonne,
Glück und Leiden,
Schmerz und Freuden,

175
Bringt in bunter Reih’ das Geld

Auf der Welt.
Dieser raffet
Es zusammen,
Jener streut es eifrig aus;

180
Dieser wieder

Wendet es
Weise an.
Jener wieder speculiret
Bis er all’ sein Geld verlieret,

185
Und zuletzt darob falliret;

Denn Concurs anjetzt zu machen
G’hört zu den modernen Sachen.

[8]
Schuster, Schneider, Arbeitsleute,

Handschuhmacher, Zimmerleute,

190
Komödianten,

Musikanten,
Schacherjuden, Jollenführer,
Sieht man jetzt als Banquerottirer.
Durch der Hände lange Kette

195
Um die Wette

Fliegt der Wechsel, prompt zu zahlen,
Wenn der Stichtag angekommen,
Steh’n darauf die großen Summen,
Doch die Zahlung bleibet aus,

200
Es fallirt das Handlungshaus.

Solchem Treiben sollt man wehren
Lieber, als das Thor zu sperren.
Überzählet man die Massen
Banquerotte uns’rer Zeit,

205
Geht’s in die Unendlichkeit;

Sie sind, um sich kurz zu fassen,
Riesengroß.
Hoffnungslos
Zeigt der Gläubiger den Wechsel,

210
Aber keine Handvoll Häcksel

Bietet man für diesen Fetzen.

     Aber nun
Ganz entschlagen
Von der Schulden schwere Plagen,

215
Hört man gar in unsern Tagen:

Banquerotteure

[9]
Rechnen sich zur großen Ehre

Den Betrug.

     Prahlen laut

220
Auf den Bänken

In den Schenken:
Gestern Banquerott gemacht
Kann mir’s heute Keiner wehren,
Von dem was ich mir Schmu gemacht,

225
Nun nach Gefallen hier zu zehren.

Ging auch mein Renome verloren,
So hat’s mir doch was eingebracht.

     Wieder hör’ ich die Glocken läuten,
     Himmel hilf’, das ist schon elf;

230
     Lauft ihr Leute, lauft von Weitem,

     Oder zahlt an Sperre zwölf
          Schilling; heil’ge Zeit!
          Ist das Kleinigkeit?
     Weh’ über euch ihr freien Leute,

235
     Seid ihr nach elf der Sperre Beute.


     Die Nacht bricht ein, es herrschet Stille
In uns’rer sonst so regen Stadt,
Die Lampen brennen öd’ und matt,
Und heimlich zirpet schon die Grille,

240
Und Hamburg lieget schon im Traum.

Nur einen Wand’rer seh’ ich wallen
Der heute ohne Nachtquartier;

[10]
Sein schräger Gang, sein schweres Lallen,

Die sagten seinen Zustand mir.

245
     Aus dem Keller,

Schwer und lang
Ging die Treppe
Er entlang.
Auch der letzte Schilling war vertrunken,

250
Und der Mensch zum Vieh hinabgesunken.


     Ach! der Schlachter ist’s, der dicke,
Der im Mäßigkeitsvereine,
Da er g’rad sich übernommen
Einst als Mitglied aufgenommen.

255
Aber das gegeb’ne Wort

Brach er, und man stieß ihn fort;
Denn im Mäßigkeitsverein’
Muß ein Jeder nüchtern sein.
Trinkt man hier gleich gute Weine,

260
Ist der Kümmel doch verpöhnt,

Und der Mann, den ich hier meine,
War zu sehr daran gewöhnt.
Zwar wollt’ er nach Hause laufen,
Doch zehn Schilling war’n nur sein;

265
Konnt’ sich d’rum durch’s Thor nicht kaufen,

Kauft sich also Branntewein.

     Wieder hör’ ich Glocken läuten,
     Das ist zwölf, ist Mitternacht;
     Wo die Geister schaurig schreiten

270
[11]
     Aus des Grabes dunkler Nacht.

          Hört den Geisterchor!
          Von dem Kirchhofsthor
     Zieht wie Sturm und Ungewitter
     Er vor unser Eisengitter.

275
     Eilig fördern ihre Schritte

Diese Mitternachtsgestalten,
Unhörbar sind ihre Tritte.
In des Leichentuches Falten
Eng gehüllet,

280
Hört man grausig Todesröcheln,

Hört man schaurig
Noch ein dumpfes Schwindsuchtsröcheln.
Alle sind
Hingeopfert

285
Von der Sperre.

Sie beschafften
Ihre Arbeit
In der Stadt,
Wohnten aber vor dem Thore

290
Unsrer Stadt.

Hörten sie die Glocken läuten,
Eilten sie im raschen Laufe,
Um der Sperre zu entkommen;
Doch das Stadtthor schloß sich knarrend.

295
Schweiß bedecket

Standen Alle
In der Kälte, leicht bedecket
Vor dem Thor’,

[12]
Und der Sperre arme Opfer,
300
Raffte Manchen bald die Schwindsucht.


     O du Sperre! alt gewöhnte,
Aber auch schon lang verpöhnte,
Die du Tod und Unheil bringest,
Die du furchtbar Geld verschlingest,

305
Willst du unsrem Staat, dem freien,

Lange noch zum Spott gedeihen?
Willst du, trotz dem vielen Schreiben,
Länger noch ein Schandfleck bleiben?
Denn ich glaube doch, daß Sperre

310
In dem Freistaat Unsinn wäre!


     Tausend fleiß’ge Hände regen,
Helfen sich in munterm Bund,
Und in feurigem Bewegen
Werden alle Kräfte kund.

315
Jeder will den Kampf beginnen

In der Freiheit heil’gem Schutz,
Und die Sperre muß zerrinnen,
Trotz dem fahlen Eigennutz.
Freiheit ist des Bürgers Zierde,

320
Freiheit ist der Mühe Lohn,

Freiheit ist uns größ’re Würde
Als Ordensband und Herrscherthron.

     Freiheit, Friede,
Weilet, weilet

325
Freundlich in Hammonia!
[13]
Möge bald der Tag erscheinen

Wo die Thore offen stehen.
Keine Sperre
Halte vom Spazierengehen

330
Uns zurück,

Treib’ uns eilig nicht nach Hause
Aus der göttlichen Natur.

     Nun, die Nacht ist schon geschieden,
     Und der junge Tag begrüßt

335
     Unsre Stadt in stillem Frieden,

     Und das Thor, das sich noch schließt.
          Ja, das Thor ist zu;
          Geht die Sonn’ zur Ruh’
     Und bei ihrem Auferstehen,

340
     Muß sie’s noch geschlossen sehen.


     Vor’m Thore sammelt sich die Menge
Und harret dort der rechten Zeit,
Und eilet dann in das Gedränge
Wenn man sie endlich nun befreit.

345
Die Milchleut’ nehmen von dem Wagen

Die Eimer mit der Milch herab,
Um sie hernach durch’s Thor zu tragen,
Und leer folgt dann der Wagen nach.
Doch haben sie das Thor im Rücken,

350
So hängen sie sie wieder auf,

Und fahren fort mit frohen Blicken,
Und bieten ihre Milch zu Kauf.

[14]
     Ihr fragt, wozu ein solch’ Betragen?

Wozu es nützt, wozu es sei?

355
Merkt auf, ich will’s euch gerne sagen,

‘s ist kein Geheimniß just’ dabei.
Ein jeder Wagen, der beladen,
Der zahlt am Thor ein Brückengeld,
D’rum wird die Milch durch’s Thor getragen,

360
Und so erspart das Brückengeld.


     Noch bleibt das Thor für sie verschlossen,
Die lange Weile plagt sie gar,
Da machen sie dann ihre Possen,
Und liegen sich zuletzt im Haar.

365
Der Milchmann scherzt mit Anneliesen,

Doch das verdrießt den Bräutigam,
Der heut’ mit Eiern und Radiesen
Zum Gelderlös’ nach Hamburg kam.
Sie streiten sich, gleich gift’gen Hähnen,

370
Die Eier treten sie entzwei,

Annliese steht in heißen Thränen
Und händeringend stumm dabei.
Gefährlich ist’s den Leu zu wecken,
Abscheulich ist der Sperre Wucht,

375
Jedoch das schrecklichste der Schrecken,

Das ist und bleibt die Eifersucht.
Sie bringt dem Weibe bitt’re Leiden,
Den Mann hat sie zum Zwist bethört,
Und manche häuslich stille Freuden

380
Hat schon die Eifersucht zerstört.


[15]
     Endlich hat die Stund’ geschlagen,

     Endlich öffnet sich das Thor;
     Jetzt herein, zu Fuß, zu Wagen,
     Wie’s ein Jeder sich erkor.

385
          Gehet frank und frei

          Dem Büreau vorbei,
     Keiner wird es jetzt noch wagen
     Euch nach Karten nur zu fragen.

     Herein, herein

390
Ihr Leut’, euch dem Geschäft zu weih’n,

Euch des Gewinn’s am heut’gen Tag zu freu’n,
Um fleißig, regsam und vergnügt zu sein,
Und kehrt zur Gattin Mittags froh nach Hause,
Und labt euch dort am würzig kräft’gen Schmause.

395
     Und wünscht und hoffet nun mit mir:

Bald sei die Sperre fort von hier!
Sie soll uns nicht die alten trüben Zeiten,
Ein Überbleibsel aus der Knechtschaftszeit,
Sie soll uns nicht der Knechtschaft Spuren deuten,

400
Sie sei alsbald dem Untergang geweiht.

Bald sei sie nirgend mehr zu finden
Als in der Chronik ganz allein,
Und alle Knechtschaft möge schwinden,
Frei soll Hammonia stehts sein.

405
Schifffahrt, Handel möge blühen,

Und des Schicksals herber Schlag
Mög’ Dir stets vorüberziehen,
Fern dir sein das Ungemach.

[16]
An des Elbstroms Ufer walle
410
Freiheit, Friede, Wohlergeh’n,

Mögen auch die Neider alle
Hämisch auf dich niederseh’n;
Und wie alles Leid vergehet,
Zeige dann die Sperre auch,

415
Daß auch sie nicht mehr bestehe

Als veralteter Gebrauch.

     Darum wachet, kämpfet, streitet,
     Wahret eure Freiheit euch;
     Was der Freiheit widerstreitet

420
     Das bekämpfet muthig gleich.

          Hebt im raschen Lauf
          Nun die Sperre auf,
     Und seid noch nach tausend Jahren
     Frei, wie eure Väter waren.