Die beiden Wächter

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Die beiden Wächter
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 137-138
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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Die beiden Wächter.


Zween Wächter, die schon manche Nacht
Die liebe Stadt getreu bewacht,
Verfolgten sich, aus aller Macht,
Auf allen Bier- und Brandweinbänken,

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Und ruhten nicht, mit pöbelhaften Ränken

Einander bis aufs Blut zu kränken;
Denn keiner brannte von dem Spahn,
Woran der andre sich den Tabak angezündet,
Aus Haß den seinen jemals an.

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Kurz, jeden Schimpf, den nur die Rach erfindet,

Den Feinde noch den Feinden angethan,
Den thaten sie einander an.
Und jeder wollte bloß den andern überleben,
Um noch im Sarg ihm einen Stoß zu geben.

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     Man rieth, und wußte lange nicht,

Warum sie solche Feinde waren;
Doch endlich kam die Sache vor Gericht,
Da mußte sichs denn offenbaren,
Warum sie, seit so vielen Jahren,

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So heidnisch unversöhnlich waren.

Was war der Grund? Der Brodtneid? War ers nicht?
Nein. Dieser sang: Verwahrt das Feuer und das Licht!
Allein so sang der andre nicht.
Er sang: Bewahrt das Feuer und das Licht!

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Aus dieser so verschiednen Art,

An die sich beid im Singen zänkisch banden;
Aus dem verwahrt und dem bewahrt
War Spott, Verachtung, Haß, und Rach, und Wuth entstanden.

 ----

     Die Wächter, hör ich viele schreyn,

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Verfolgten sich um solche Kleinigkeiten?

Das mußten große Narren seyn.
Ihr Herren! stellt die Reden ein,
Ihr könntet sonst unglücklich seyn!
Wißt ihr denn nichts von so viel großen Leuten,

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Die in gelehrten Streitigkeiten

Um Sylben, die gleich viel bedeuten,
Sich mit der größten Wuth entzweyten?