Die junge Amerikanerin

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Textdaten
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Autor: Fr. v. Wickte
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Titel: Die junge Amerikanerin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 234–236
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Die junge Amerikanerin im Vergleich zur jungen Deutschen
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Die junge Amerikanerin.
Charakterbild von Fr. v. Wickte.


Unter dem Titel „die amerikanische Hausfrau“ ist den Lesern der Gartenlaube von berufener Seite kürzlich (Nr. 8) ein Charakterbild vorgeführt worden, das in gedrängter Kürze das Leben der Hausfrau schildert. Sei es mir verstattet, mit wenigen Worten die Lebensstufe zu beleuchten, ehe sie diese Stellung als Gattin und Mutter erreicht, und dabei einen etwas genaueren Blick in die Familie des Amerikaners zu thun.

Es ist eine auffallende Erscheinung, daß die Schönheit auf dem amerikanischen Continent demokratisch geworden ist. Das schöne Geschlecht hat dort nicht allein überall dieselben Gefühle, Bedürfnisse und Leidenschaften, dieselbe allgemeine Bildung, welche es in den im ganzen Lande nach einem Muster zugeschnittenen Instituten erwirbt, sondern auch dieselben äußern Reize und besitzt solche in einem viel höhern Grade, als irgend eine andere Nation. Die Gleichheit der Sitten, Gebräuche und gesellschaftlichen Stellung scheinen dies bewirkt zu haben, und ein mit jungen Mädchen angefüllter amerikanischer Salon gleicht in der That einem blühenden Hyacinthenbeet. Grobe, rohe Züge, charakteristische Häßlichkeit oder hervorragende körperliche Entstellung sieht man fast nirgends, und Niemand würde dort sagen können: „le laid c’est le beau“ (das Häßliche ist das Schöne). Indessen liegen diese Reize der äußern Erscheinung mehr in den Gesichtszügen, als in Figur oder Benehmen. Eine classische Figur, ein voller Arm oder wohlproportionirte Glieder sind Seltenheiten; Hunderte von jungen Mädchen kann man ansehen, ehe man eines findet, das auch nur einigermaßen eine erträgliche Taille hätte. Die verweichlichte Lebensweise dieser nichts weniger als spartanischen Republikanerinnen, ihr Abscheu vor körperlicher Bewegung und physischer Anstrengung verhindert entschieden die gehörige Entwickelung des Muskel- und Knochensystems. Bewegung in freier Luft, gymnastische Uebungen und dergleichen gehören nicht zu den Liebhabereien der Amerikanerin, und der seitherige Mangel an Promenaden hat eine Liebhaberei für das Fahren hervorgerufen, eine Art frische Luft in die Lungen zu schaffen, die wenig geeignet ist, den Zweck zu erfüllen und die Blässe, welche die junge Dame auf den reichgepolsterten Schaukelstühlen oder Sophas befällt, zu vertreiben. Die Amerikanerin geht auch nicht ihrer Gesundheit wegen in’s Freie, sondern entweder, um sich zu zerstreuen, oder ein Geschäft zu besorgen. Die Blässe ihres Gesichts ficht sie nicht an; im Gegentheil, wo die Natur sie nicht mit derselben erfreut hat, wendet sie künstliche Mittel an, um dieselbe hervorzurufen, und der Genuß von starkem Essig und dergleichen ist durchaus nichts Ungewöhnliches, um rothe Wangen, die verpönt sind, zu vertreiben. Dies gilt nicht allein von den Hauptstädterinnen, sondern kann bis fernhin in den Prairien unter den Indianern gefunden werden.

Es ist dies eine auffallende Erscheinung, und es muß unzweifelhaft in den klimatischen Verhältnissen des Landes liegen, daß sich mit der so rasch fortschreitenden Cultur eine Neigung zur Degeneration unter den Bewohnern zeigt, denn die spanischen Bewohner Südamerika’s und besonders der weibliche Theil der Bevölkerung zeigen denselben Contrast gegen die ersten Einwanderer. Es scheint in der That der blutauffrischenden Einwanderung, namentlich der germanischen Racen, vorbehalten zu sein, diese Hindernisse des Wachsthums des amerikanischen Volkes auszugleichen. Allerdings hat in Amerika die Geschichte des Landes auch Vieles mitzureden. Anfangs wanderten nur Männer dorthin aus und jedes Frauenzimmer, das in’s Land kam, ward im Triumph heimgeführt. In diesem Umstande liegt die Hochachtung, mit der heute noch selbst der roheste Mensch dort einem Weibe begegnet und sich darin sogar vor dem Engländer hervorthut. Die Nothwendigkeit weiblichen Umgangs zieht sich wie ein rother Faden durch die ganze Geschichte der amerikanischen Civilisation und geht Hand in Hand mit den ersten Indianerkämpfen. Die „Pioniere“ des Westens wollten Weiber haben und verdienten sich dieselben durch harte Arbeit. Um dieselben aber an sich zu fesseln und für das rauhe Leben in der Wildniß zu entschädigen, gaben sie dem Weibe die Stellung, welche ein vorsorglicher Hausvater einem theuren Stück Geschirr und dergleichen giebt; sie verzärtelten es, kleideten es mit dem fortschreitenden Wohlstand in Sammt und Seide, und indem sie ihren Kindern dies Beispiel gaben, ist diese Behandlungsweise förmlich in das Blut der Männer übergegangen. Der Umgang des Amerikaners mit diesen blassen, schönen, eleganten Damen – denn der Name Mädchen oder Jungfrau ist als ungebildet durchaus verpönt – ist von einer Art, über die man bei uns erstaunen würde. Die junge Amerikanerin ist so vollständig emancipirt, wie es nur möglich ist, und in den meisten Fällen ist den Eltern sogar das Recht der Ueberwachung bestritten; sie bewacht sich selbst, empfängt Besuche junger Herren, ohne ihre Eltern zu consultiren, ladet sie gelegentlich zum Thee ein, selbst wenn Papa und Mama nicht zu Hause sind. Ist eine der Töchter des Hauses eine hervorragende Schönheit, so führt sie das Regiment so vollständig, daß Alles so zu sagen nur in ihrem Namen geschieht. Selbst die Einladungen zu Bällen und Festlichkeiten, obgleich sie im Namen der Eltern geschehen, gehen von ihr aus, denn nur wer ihr gefällt, darf erscheinen, mag er nun mit Papa bekannt sein oder nicht. Beabsichtigen junge Leute irgendwo einen Besuch zu machen, so sprechen sie nicht, wie bei uns: „wir gehen zu Herrn oder Madame N.,“ sondern: „wir besuchen Fräulein N.“ Bei Besuchen sitzt dann dies junge Mädchen auf der Mitte des Sophas, erhebt sich nicht, wenn Herren eintreten, führt mit häufiger [235] Hintansetzung der Mutter die Unterhaltung und Alles muß sich nach der jungen Dame richten.

Die Freiheiten, deren man sich in der Unterhaltung mit jungen Damen bedienen kann, sind sehr groß, nicht minder aber diejenigen, welche sich diese selbst nehmen. Die jungen Mädchen sind im höchsten Grade offenherzig und selbstbewußt, und „züchtige, verschämte Wangen“ sind zu deutsch, um dort gehörig gewürdigt werden zu können. Begegnet ein Mädchen einem Herrn ihrer Bekanntschaft, so sieht es ihm gerade in’s Gesicht, grüßt ihn zuerst, und nur erst, wenn es ihn dazu auffordert, naht er sich zaghaft und spricht. Ueber die kleinen Tändeleien junger Mädchen, das Verhältniß derselben zu ihren „beaux“, mit denen sie häufig wechseln, je nach dem Wetter, welches auch durchaus nicht ein auf zukünftige Vereinigung basirtes zu sein braucht, wollen wir uns nicht weiter auslassen, weil dieser Gegenstand schon zu vielfach behandelt und hinlänglich bekannt ist. Früh hat die junge Amerikanerin gelernt, wie unwiderstehlich ihre Reize sind, und um sich genau davon zu überzeugen, stellt sie Versuche damit an, in denen häufig das Gefühl ganz und gar nicht in Betracht kommt. Dabei hat sie zu guter Zeit vom Baum der Erkenntniß genascht und kennt weder Prüderie noch Sentimentalität. Es scheint fast, als ob Alles bis auf einen gewissen Punkt erlaubt sei; diesen zu vermeiden, verläßt sie ihr Instinct nicht. Vielleicht, weil die Eltern dies wissen, beschränken sie den Verkehr nicht, sondern lassen die Mädchen thun, was ihnen beliebt. Es ist aber wahrhaft erstaunlich, wie lange die junge Amerikanerin mit dem kleinen Gott Amor, dessen spitzigen Pfeil man in andern Ländern so sehr fürchtet, spielen kann; sie saugt, wie die Biene, den letzten Tropfen Honig aus der Blume und läßt das Gift zurück. Wie bei solchem Vorspiel noch später eine ernsthafte Neigung zur Ehe hervorgerufen werden kann, ist in der That erstaunlich, dennoch aber wollen sie Alle heirathen und es giebt weit weniger unglückliche Ehen, als bei uns. Dies hat seinen Grund in der Erziehung, welche es dem Weibe einprägt, in jeder Lage des Lebens ohne Murren mit dem Manne auszuharren; ich könnte trotz des Leichtsinns, den ich auf die amerikanischen Mädchen zu werfen scheine, Hunderte von Beispielen der größten Opferfreudigkeit der Frauen erzählen. Zu den größten Untugenden aber, zu welchen die junge Damenwelt schon von früher Jugend an heranerzogen wird, gehört der Luxus und die Sucht, Alles „elegant, fein und niedlich“ zu haben. Diese Schwäche liegt aber nicht ausschließlich in ihnen, sondern es ist eine Krankheit, welche die ganze Nation befallen hat. Ebenso, wie man von Mädchen und Frauen nur als von Ladies (Damen) reden darf, beanspruchen zehnjährige Knaben die Bezeichnung „ junge Herren“ und treten mitsprechend auf.

Amerikaner brüsten sich oft damit, daß ihre Damen eine solche hervorragende Stellung einnehmen, allein sie sagen uns nicht, daß dieser Ruhm auf Kosten der Gemüthlichkeit des ganzen Landes errungen wird. Die Frauen üben eine Herrschaft aus, der sich Niemand entziehen kann, und mischen sich in Alles; ein Entrinnen ist da ganz unmöglich und wer Protection will, kann solche nur durch ihre Vermittlung erringen. Daß sie in gesellschaftlichen Kreisen die Männer in Schatten stellen und wie Paradiesvögel vor denselben herum paradiren, kann uns nicht mehr wundern, doch der Einfluß, den sie außerhalb ihres natürlichen Kreises ausüben, setzt uns in Erstaunen. Zum großen Unglück sind sie sehr neugierig und drängen sich zu den Sitzungen von allen wissenschaftlichen Gesellschaften, in denen sie nur dafür Sorge tragen, die Verhandlungen abzuflachen, und die Gründlichkeit der Arbeiten verhindern. Bei den mannigfachen populären öffentlichen Vorlesungen geben sie den Ton an, und der Redner, welcher den Damen nicht. gefällt, wird nie sein Glück im Lande machen, wohl aber im gegentheiligen Falle die Basis zu einer Zukunft legen, die ihm Ruhm, Ehre und Geld genug einträgt. Alle öffentlichen Museen, Bibliotheken, Observatorien und andere wissenschaftliche Institute, Plätze, in denen man bei uns nur die Gelehrten sucht, schwärmen voller Damen, die sehen und gesehen sein wollen; sie sind der Schrecken aller Literaturfreunde und Gelehrten und dennoch werden sie nicht verdrängt, ja ihnen zu Gefallen müssen alle solche öffentlichen Locale ein elegantes Kleid tragen und für Curiosa und Sehenswürdigkeiten muß in ihrem Interesse jährlich eine große Summe Geldes verschwendet werden. Natürlich bringen die jungen Damen ihre beaux mit an diese Orte und tändeln mit ihnen, als ob sie im Parlour ihres Hauses oder in Gesellschaft wären. Die Observatorien nehmen sie mit Sturm ein, und der höfliche Astronom, der durch sie an Beobachtungen verhindert wird, muß ihnen, er mag wollen oder nicht, Jupiters Satelliten und Saturns Ringe zeigen. Selbst in der Gegenwart so erhabener Weltkörper jedoch, die sie mit heiliger Scheu erfüllen sollten, vergessen sie keinen Augenblicks ihre Albernheiten.

Zu bedauern ist es, daß diese lieblichen Geschöpfe sich der Literatur so sehr als schaffende Kräfte befreunden; schaarenweise belagern sie auch hier die Bureaus der Verleger und Redacteure, und diese amerikanische Crinolinliteraturcohorte, welche stets wieder frisches Wasser auf die alten Theeblätter gießt, überschwemmt den Büchermarkt mit einem fabelhaften Quantum des ungenießbarsten Gebräus. Auch als Straßenprediger sehen wir einzelne in Thätigkeit; jedenfalls ist es nicht Mangel an Theilnahme an den Intriguen der religiösen Secten, wenn dies nicht häufiger der Fall ist. Ebenso wie Bibliothekare, Astronomen und Redacteure werden die Senatoren und Congreßmitglieder, ja selbst der Präsident von den Schönen bedrängt. Zu allen Zeiten kann man das Sitzungsgebäude in Washington von ihnen belagert sehen und die Galerien beider Häuser ächzen unter der theuren Last, wenn irgend ein Gegenstand von Interesse auf der Tagesordnung steht. Ich glaube nun zwar nicht, daß unter den Damen viele sind, deren Stellung oder geistige Ueberlegenheit sie in den Stand setzen würde, eine Coterie zu bilden und einen Einfluß auf den Gang der politischen Verhältnisse auszuüben, wie es in europäischen Residenzen der Fall ist. Indessen sind die Besucher nicht umsonst in die Hauptstadt gekommen, und manche schöne junge Wittwe oder Mutter mit schönen Töchtern wählt den Zeitpunkt, wo der Congreß seine Sitzungen hält, um Ansprüche an Onkel Sam’s Geldkiste durch dessen Mitglieder zum Austrag zu bringen. Wie oft mag es namentlich jetzt vorkommen, daß die Volksrepräsentanten in ihren Mußestunden von den schönen Wittwen und Töchtern gefallener oder verwundeter Krieger heimgesucht sind, um ihre Pensionsansprüche zu ordnen, oder von schönen Rebellenkindern um Erlangung eines Pardons für Vater, Bruder oder Gatten angegangen werden! Welche Intriguen werden dabei gespielt, welche Combinationen gemacht, um den Zweck zu erreichen! Und da giebt es keinen andern Ausweg für den armen Mann, als sich der Unterstützung seiner Freunde zu versichern und zuzusagen. Ebenso wenig müßig sind die jungen Damen, wenn in der diplomatischen Laufbahn Vacanzen eintreten; sie wagen Alles, um an der Seite ihrer Gatten und Väter an einem europäischen Hofe zu glänzen.

So begegnet man den jungen Damen – denn von alten kann nie die Rede sein, wenn es sich um Einfluß handelt – in Amerika auf Weg und Steg. Selbst in den Hotels und an der Tafel ist ihr Einfluß derselbe wie überall. Der Reisende, der in Gesellschaft einer Dame ein Hotel betritt, namentlich einer hübschen jungen Dame, darf stets versichert sein, selbst wenn das Haus überfüllt ist, daß es ihm an nichts mangelt.

Auf den Dampfschiffen und Eisenbahnen haben die Damen nicht minder Anspruch auf Berücksichtigung und üben hier das Recht der Expropriation mit ebenso unerbittlicher Strenge wie in Theater und Concertsälen. Der „Herr der Schöpfung“ ist nirgends vor ihnen sicher; vertieft er sich etwa bei einer musikalischen oder theatralischen Vorstellung so sehr, daß er seine Umgebung vergißt, und hat er nur einigermaßen einen guten Platz errungen, so darf er sich darauf gefaßt machen, binnen Kurzem eine fremde Hand auf seiner Schulter zu spüren und sich mit der ominösen Flüsterei „eine Dame!“ zur Wirklichkeit zurückgerufen zu sehen. Wehe ihm, wenn er alsdann nicht eilends aufspringt und sich wie Staub von der Crinoline bei Seite fegen läßt!

Dies Alles und vielleicht noch mehr würde aber zu ertragen sein, wenn die junge Damenwelt mit der Autorität, die sie ausübt, die Anmuth und Grazie unserer deutschen verbände und die Dienstleistungen ihrer Sclaven nicht als bloße Pflichterfüllung aufnehmen wollte. Man mag sich die Knochen ausrenken, um den einer Dame entfallenen Gegenstand aufzunehmen, oder ihr seinen Rock zu Füßen legen, um ihr das Ueberschreiten einer Pfütze zu ermöglichen, nur in seltenen Fällen wird man auch nur mit einem Lächeln belohnt. Dies raubt dem zarten Geschlechte den natürlichen Reiz und die sanfte, unwiderstehliche Gewalt, durch welche es die Herzen der Männer fesselt. Bei uns beugt sich der starke Mann vor dem schwächern Weibe, und dieses, da es weiß, wie nöthig ihm sein Schutz ist, versteht den Mann durch Liebreiz und Erkenntlichkeit [236] zu belohnen. Anders aber in Amerika: Fridolin muß sich schinden wie ein Negersclave. Allein er wird dessen doch auch hin und wieder müde, es gehört nicht zu den Seltenheiten mehr, den chevaleresken Yankee gegen den Usurpator rebelliren zu hören, jedoch nur wenn kein Frauenzimmer in der Nähe ist.

Trotz alledem und alledem aber wird die Amerikanerin eine gute Frau und Mutter, doch müssen wir ihr selbst nicht zu viel Lob deshalb spenden, denn trotz der moralischen Corruption der gesellschaftlichen Zustände, namentlich in den großen Städten, ist es der Charakter des Mannes, der sie dazu macht. Brother Jonathan ist ein Hausthier und thut Alles für seinen Comfort, selbst seiner Frau erlaubt er, um diesen zu genießen, extravagant zu sein und zu faulenzen. Ich habe in Washington Senatoren zu Markte geben sehen, um sich ihre Fleisch- und Gemüseration in’s Haus zu holen, während Frau Senator die zarten Glieder auf weichem Flaum streckte. Und die Frau des Farmers und Arbeiters macht es in ihrer Art ebenso. Eine hervorragende Tugend, die ich in den Amerikanerinnen kennen und schätzen gelernt habe, ist ihre Pflichttreue; diese bringt die Familie, trotz der häufig darin herrschenden vollständigen Herzlosigkeit, über so manche Klippe.