Die letzten Elf von unserm Regiment

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Textdaten
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Autor: Miles O’Reilly
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Titel: Die letzten Elf von unserm Regiment
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 21, S. 324–325
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: Friedrich Gerstäcker
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[324]
Die letzten Elf von unserm Regiment.[1]
Von Miles O’Reilly, amerikanischem Soldaten.
Aus dem Englischen von Friedrich Gerstäcker.

Drei Jahre sind es heut’ gerad’,
Da kamen zusammen wir
In diesem Saale, im vollen Staat
Siebenunddreißig Officier’;

5
Und tausend Mann, eine wack’re Schaar,

Die führten wir zum Strauß.
Aus diesem Saal, ’s ist nun drei Jahr,
Da rückten wir fröhlich aus.

O welch ein großer Tag war der,

10
Der uns dem Schwert getraut,

Wie funkelte so hell und hehr
Die scharfgeschliffne Braut!

Wie funkelten uns zu Stolz und Lust
In der Sonne Glanz und Strahl

15
Die tausend Klingen von Eisen just

Und die siebenunddreißig von Stahl!

Von den tausend Bajonetten nun
Zweihundert halten noch Stand,
Denn Hunderte in den Sümpfen ruhn,

20
Und Hundert’ in Maryland,


Und andere Hundert – treu und brav,
Die schleppen – verkrüppelt und wund,
Durchs Leben sich noch, und neiden den Schlaf
Der Todten im blutigen Grund.

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Und die Klingen? Heut Abend im nämlichen Saal

Da kam aus dem Schlachtgewühl
Der Rest zusammen – noch elf an der Zahl,
Für siebenunddreißig Stühl’.

Zwei hinkten an Krücken nur fürbaß,

30
Zwei hatten je eine Hand,

Aber hoch erhob die eine das Glas
Zum Toast: „Unser Banner und Land!“

[325]
Die Gartenlaube (1865) b 325.jpg

Die letzten Elf.

Und mit Tränen füllte sich jeder Blick,
Zu viel Stühle standen ja leer –

35
Die Teller schoben sie Alle zurück,

Nur die Gläser langten sie her,

Und schweigend schenkten sie wieder ein
Und hoben den Trank zum Mund:
„Den Todten“ brachten sie still den Wein,

40
Den Schläfern im blutigen Grund.





  1. Die siebenunddreißig Officiere des 103. Regiments des nordamerikanischen Unionsheeres vereinigten sich vor dem Ausrücken zu einem Festmahle. Nach dreijährigem Kriege trafen sie wieder zusammen, in dem nämlichen Saale; für alle siebenunddreißig waren Gedecke gelegt – aber es sind nur noch elf Cameraden, die übrig geblieben! Ueber alle Worte ergreifend muß die Scene dieser Feier gewesen sein, denn sie begeisterte einen gemeinen Soldaten, einen Irländer von Geburt, seinen Gefühlen in dem vorstehenden Gedichte Luft zu machen, das zwar in Form und Ausdruck nichts weniger als vollendet, doch von überwältigender Wirkung ist und besser als manche lange Schilderung das Furchtbare dieses Bruderkriegs veranschaulicht.
    Die Redaction