Die sächsische Arbeitermedaille

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Titel: Die sächsische Arbeitermedaille
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 563
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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[563] Die sächsische Arbeitermedaille. Schon in den vierziger Jahren war es in Sachsen üblich, Arbeitern, die Jahrzehnte hindurch auf der nämlichen Arbeitsstelle beschäftigt gewesen waren, entweder Geldprämien oder silberne Medaillen zu verleihen, und zwar von Staats wegen durch das Ministerium des Innern. Inzwischen hat man dort die Vertheilung von Geldprämien grundsätzlich den Arbeitgebern überlassen und sich seit l875 auf die Verleihung der Arbeitermedaille beschränkt. Diese Medaille hat einen Durchmesser von 52 mm bei 4 mm Stärke am erhöhten Rande und zeigt auf der Schauseite das Bildniß des Königs, auf der Rückseite die Inschrift „Für Treue in der Arbeit“. In der Regel wird sie bei Arbeiteriubiläcn, Fabrikfesten etc. zuerkannt, sie ist eine sehr begehrte Auszeichnung und genießt große Volksthümlichkeit. Vom Ministerium wird sie erst nach genauer Prüfung und nur an solche Arbeiter verliehen, die nach zurückgelegtem 25. Lebensjahre ununterbrochen wenigstens 30 Jahre lang auf der nämlichen Arbeitsstätte oder bei dem nämlichen Arbeitgeber oder bei der nämlichen Familie beschäftigt waren. In jedem einzelnen Verleihungsfalle wird amtlich festgestellt, ob der vorgeschlagene Arbeiter gerichtlich oder polizeilich bestraft worden ist, ob er seine staatsund gemeindebürgerlichen Verpflichtungen regelmäßig erfüllt hat, in welchem Rufe er steht etc., damit nur würdige Leute ausgezeichnet werden. Um die Bedeutung der Medaille nicht durch allzu reichliche Verleihung abzuschwächen und sie nicht zu einem bloßen Dienstzeichen Herabsinken zu lassen, pflegt das Ministerium seit einigen Jahren die Medaille nicht gleichzeitig mehreren Arbeitern derselben Fabrik und bei großen Anlagen nur in beschränkter Zahl zuzubilligen.

Solche Arbeiter gehören in Sachsen keineswegs zu den Seltenheiten. Nach den Berichten der sächsischen Fabrikinspektoren für 1892 waren in den Steinbrüchen von F. Zachmann zu Lüptitz, Heyda und Dornrcichenbach 23 Arbeiter mit länger als je 25 jähriger ununterbrochener Dienstzeit zu finden, in der Wagenfabrik Gebr. Pfitzer zu Oschatz 7 Arbeiter mit je 30jähriger und in der Baumwollspinnerei W. Whitfield u. Co. zu Kolditz der Spinner Ehrenfried Priemer mit 50 jähriger Dienstzeit. Von der Arbeitermedaille gelangten im Jahr 1892 nicht weniger als 215 Stück zur Vertheilung. Amtlich wird dieselbe als Ordensdekoration nicht angesehen; sie bleibt unbeschränktes Eigenthum des Empfängers und wird im Todesfälle auf Wunsch der Erben zum Herstellungspreise von 14 Mark eingelöst.

Arbeitern, die längere Zeit an derselben Stelle treu gearbeitet haben, aber aus irgend einem Grunde die Medaille nicht oder noch nicht erhalten konnten, werden unter Umständen Belobungsdiplome ausgefertigt.

Mit der veränderten Aufschrift „Für langjährige treue Dienste“ wird die Arbeitermedaille vom Ministerium des Innern auch an geeignete Dienstboten verliehen, welche außerdem von den landwirthschaftlichen Kreisvereinen mit kleineren Medaillen oder Kreuzen ausgezeichnet werden.

Von einem Kreise bewährter Arbeiterfreunde soll demnächst die preußische Regierung ersucht werden, nach sächsischem Vorbild auch ihrerseits eine Arbeitermedaille zu schaffen, damit verdiente Arbeiter öffentlich ausgezeichnet, anerkannt und erfreut werden können.