Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten:Seite 40

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Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten
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das längste Gedächtniss in einer so rasch wechselnden Bevölkerung hatten, waren sie am geeignetsten, ungehörigen Kandidaten alte Sündenregister vorzuhalten und dadurch aus der Arena zu vertreiben, wie die Stimmen der Menge auf würdige Männer zu lenken. Die Zeitungen sind dadurch im Laufe der Jahre eine Macht geworden, mit welcher kein Einzelner, sondern eben nur wieder eine Zeitung den Kampf aufnehmen kann, und so dreht sich denn auch das deutsche Leben um Zeitungskämpfe, um Gründung neuer Zeitungen gegen die Ausschreitungen oder die Mängel der alten. In gewissem Sinne ist die Geschichte der deutschen Zeitungen die Geschichte des Deutschthums, ein Satz, den wir im Sep­tember 1868 an der in der „Illinois Staatszeitung“ veröffent­lichten Geschichte derselben praktisch erläutert haben. Mit dem Einfluss und Reichthum der erwähnten Zeitung steigt auch der politische Einfluss des Deutschthums und umge­kehrt mit der Zunahme der deutschen Bevölkerung wächst die Macht der Zeitung, welche von der Zahl der Stimmen abhängt, die sie beherrscht. Bei der Hast des Lebens, bei dem Mangel öffentlicher Bibliotheken (erst nach dem grossen Feuer von 1871 hat Chicago eine öffentliche Bibliothek mit Lesezimmer erhalten, das sich freilich bereits mit irgend einem Göttinger oder sonstigem Universitäts-Museum (Lesezimmer) messen kann) ist die Zeitung für den Chicagoer Alles, und man kann aus der Lektüre der Zeitungen mit ziemlicher Ge­nauigkeit wissen, was in den Köpfen vorgeht, die ihren geistigen Inhalt und Stempel fast ausschliesslich aus ihnen beziehen. Für das Wachsthum deutschen Einflusses war der Umstand günstig, dass nach dem Entstehen der republikani­schen Partei die deutschen Stimmgeber die Ausschlag gebende