Dieb und Dirne

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Robert Eysler
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dieb und Dirne
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 178–179
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[178]

Dieb und Dirne.

Ein dürres Weib, gewohnt ihr Leben
Im Elend und im Schmutz zu waten,
Verkauft sich an der Grossstadt Grenze
An trunkne Männer und Soldaten.

5
Der Bursche, den sie halb aus Liebe

Und halb zum Schutz sich musste wählen,
Geht abends heimlich mit dem Messer
Zur Stadt zu rauben und zu stehlen.

Die Angst, Begierde und das Elend

10
Sind riesenhaft die drei Gewalten,

Die trotz des Zanks und trotz der Prügel
Die beiden stets zusammenhalten.

Der Abschaum der Kultur, der schönen,
Die man verficht mit kühner Stirne,

15
Geniessen sie des Lebens Fusel,

Am Abgrund wandelnd – Dieb und Dirne

- – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Auf weichen, weissen Kissen dehnt sich
Ein Weibchen noch im Morgenkleide
Und zeigt kokett das schlanke Beinchen

20
Im Strumpf aus glänzend schwarzer Seide.


Der Mann ist fort, auch der Geliebte,
Den solche Frauen haben müssen;
Sie aber schwelgt im Geist schon wieder
In unerhörten Hochgenüssen.

[179]
25
Sie nimmt Besuche an, und lächelnd

Gewährt sie auch die tollsten Sachen,
Nur darf man später nicht vergessen,
Ein reich’ Geschenk dafür zu machen.

Der Gatte muss den Luxus schaffen,

30
Bedürfnis ist er ihnen beiden,

D’rum muss er wuchern, unterschlagen
Und muss die rechten Wege meiden.

Die Frau betrügt ihn täglich, stündlich,
Wie er die Leute muss betrügen,

35
Und so „geniessen“ sie das Leben

Stets lächelnd mit verzerrten Zügen.

Die Angst, Begierde und die Habsucht
Sind riesenhaft die drei Gewalten,
Die trotz des Zanks und trotz der Lügen

40
Die beiden „treu" zusammenhalten.


Dasselbe wie dort in der Gosse,
Trotz Seidenkleid und Glühlichtbirne,
Der Rahmen anders, doch im Innern
Das gleiche Pärchen – Dieb und Dirne.

Robert Eysler.