Doktor Faust zu Boxberg

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Textdaten
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Autor: Bernhard Baader
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Titel: Doktor Faust zu Boxberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 613–614
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[613]
Odenwäldisches Bauland.
Sagen von Vorberg und der Umgegend.
Doktor Faust zu Boxberg.

Als Doktor Faust in Heilbronn verweilte und sich mit seinen leidigen Künsten in der ganzen Gegend umhertrieb, kam er auch öfters auf die Burg Boxberg, wo er stets gastliche Aufnahme fand. Als er einst an einem kalten Wintertage mit den Herren und Frauen des Schlosses in den Gartengängen an der Ostseite der Burg lustwandelte und die Damen über Frost klagten, ließ er gleich die Sonne warm scheinen, den schneebedeckten Boden grünen, eine Menge Veilchen und schöne Blumen aller Art daraus hervorsproßen. Dann blühten auf sein Geheiß die Bäume und es reiften daran, je nachdem es die Gesellschaft wünschte, Aepfel, Pflaumen, Pfirsiche und anderes edles Obst. Endlich ließ er auch Weinstöcke wachsen und Trauben tragen, worauf er jeden seiner Begleiter einlud, sich eine Traube abzuschneiden, aber nicht eher, als bis er dazu das Zeichen gebe. Als sie bereit waren, zuzuschneiden, nahm er die Verblendung von ihren Augen und Jeder sah nun, daß er das Messer an die Nase seines Nächsten gesetzt habe. Der Theil des Gartens, wo sich dies zugetragen, wird seit jener Zeit „der Veilchengarten“ genannt.[1]

[614] Ein anderes Mal verließ Doktor Faust Mittags um drei Viertel auf zwölf das Boxberger Schloß, um auf den letzten Glockenschlag zwölf Uhr bei einem Gelag in Heilbronn zu seyn. Er setzte sich in seinen mit vier Rappen bespannten Wagen und fuhr wie der Wind davon, so daß er richtig Schlag Zwölf in Heilbronn eintraf. Ein Arbeiter auf dem Felde hatte gesehen, daß gehörnte Geister vor dem Wagen den Weg eben pflasterten und andere hinter ihm die Steine wieder aufrissen und entfernten, um so jede Spur dieses Pflasters wieder zu vertilgen.

(Nach mündlicher Ueberlieferung, mitgetheilt von Baader, in Mone’s „Anzeiger für Kunde teutscher Vorzeit.“ Jahrg. 1838.)

  1. Die Sage von der Gartenbezauberung erzählt man sich auch von Albertus Magnus; die Nasenscene hat Göthe auch in seinem „Faust“ angebracht.