Domenico Fontana

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Gustav Heubner
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Domenico Fontana
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, 29, S. 324–325, 336–337
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[324]
Domenico Fontana.
Von Gustav Heubner,
illustrirt von G. Kühn,
I.
Die Gartenlaube (1854) b 324.jpg

Die Straßen Roms durchschreitet im hellen Mondenschein,
Den Kennerblick gerichtet auf der Paläste Reih’n,
Domenico Fontana, der junge Architekt,
Als ihn aus seinen Träumen ein Hülferuf erweckt.

In’s dunkle Gäßchen eilend, woher der Angstschrei schallt,
Sieht er ein holdes Mädchen in eines Mann’s Gewalt;
Der faßt mit frechem Arme sie um den zarten Leib,
Bestürmt mit Buhlerworten das angsterfüllte Weib.

„Zurück von dieser Jungfrau!“ – Der Meister ruft’s empört,
Zieht rasch zum Schirm der Unschuld in edlem Zorn das Schwert,
Und zeichnet blut’ge Lehre dem Buben in’s Gesicht;
Mit Flüchen und mit Heulen entflieht der feige Wicht.

Die Jungfrau schmiegt sich zitternd an ihren Retter an;
Der leitet sanft und sittsam den Hügel sie hinan,
Wo im bescheidnen Häuschen, vom Rebenlaub umrankt,
Ob ihres langen Weilens die treue Mutter bangt.

Geborgen in den Hauses gemüthlich stillem Raum,
Haucht bebend ihre Lippe ein Wort des Dankes kaum;
Doch von dem Blick, der ihrem tiefdunklen Aug’ entsprüht,
Fühlt sich der junge Meister im Innersten durchglüht.

Gar freundlich lädt die Mutter ihn ein zu kurzer Rast,
Und mühet sich geschäftig um den geehrten Gast,
Und bringt aus Küch’ und Keller, was nur vermag das Haus,
Und würzt mit lieber Rede den schnell beschafften Schmaus.

Der Meister muß erzählen, wie Alles sich begab,
Und nimmer läßt die Mutter mit Dankesworten ab.
Maria ruft mit Schaudern den Auftritt sich zurück,
Und senkt vor Schaam erglühend, auf’s Mieder ihren Blick.

Domenico verwendet das Auge nicht von ihr;
Er fühlet sich so heimisch im trauten Kreise hier;
Ihm ist’s, als ob er nimmer von dannen könnte gehn;
Er möcht’ an ihrer Seile sich immer sitzen sehn.

Mit einmal ruft Maria, und wird vor Schrecken bleich:
„O lieber Herr, wie dank’ ich Euch Eures Schwertes Streich! –
„Doch – wenn er Euch erkannte – wenn Jemand Euch erblickt –
„Ich zittre, Herr! – Ihr wäret verfallen dem Edict!“

Draus spricht Fontana lächelnd: „Sei ruhig, holdes Kind!
Ich weiß, wie streng und blutig des Papstes Sprüche sind;
Doch Räubern nur und Mördern, von denen Unheil droht,
Und nicht der Unschuld Hütern verheißen sie den Tod!“ –

Kaum war das Wort gesprochen, da klopft’ es an die Thür:
„Im Namen den Gesetzen! – Einlaß begehren wir!“ –
Die Schaar der Sbirren drängt sich in’s friedliche Gemach,
Und ruft: „Ergreift den Frevler, der frech den Frieden brach!“ –

„Was that ich?“ – fragt Fontana mit würdevollem Ton. –
„Du sprachest dem Gesetze des Papstes Sixtun Hohn!
Wer in der Hauptstadt Straßen die blanke Waffe zückt,
Den trifft die Todesstrafe, – so lautet das Edict!“ –

„Die Unschuld zu beschützen vor frechem Uebermuth,
Dazu zog ich den Degen, darum vergaß ich Blut!
Ich meine, daß wohl nimmer der Papst bestrafen kann,
Was jeder Mann von Ehre an meiner Statt gethan!“ –

Doch ohne Rührung höret die Häscherschaar sein Wort,
Der Frauen jammernd Flehen, – und schleppt den Meister fort;
Der grüßt die holde Jungfrau mit stummberedtem Blick,
Und geht dann stolz entgegen dem finsteren Geschick.

[325]
II.
Die Gartenlaube (1854) b 325.jpg

Im öden Kerker schmachtet Fontana kummervoll,
Des Urtheilspruches wartend, der bald ihn treffen soll.
Ob auch die starke Seele nicht vor dem Tod erbebt,
Er hätte, ach, so gerne, so gerne noch gelebt!

Wie schlägt sein Herz entgegen dem einz’qen Sonnenstrahl,
Der einmal jeden Tag sich zu ihm durch’s Gitter stahl!
Wie dürstet seine Seele nach Leben und nach Licht,
Und nach dem Lorbeer, der sich um Künstlerstirnen flicht!

Wenn schwarz auf seine Zelle sich senkt die frühe Nacht,
Da rollt vor seinem Auge in lichter Farbenpracht
Der wache Traum geschäftig viel bunte Bilder aus
Von einem großen, reichen, beglückten Lebenlauf.

Da sieht er stolze Tempel und Thürme sich erhöh’n,
Die langen Säulenreihen in hehrem Schmuck ersteh’n!
Wie wölbet sich die Kuppel so leicht und kühn empor!
Wie glänzt von Gold und Marmor das reichverzierte Thor!

Und dort im grünen Garten, aus Laub und Blumen schaut
Ein Landhaus, nett und wohnlich, nach seinem Riß gebaut;
Daraus tritt ihm entgegen, so wunderhold und mild,
Ihn freundlich zu begrüßen, ein lieblich Frauenbild.

Nach Tages Last und Mühe heißt sie willkommen ihn;
Er öffnet’ seine Arme, sie an sein Herz zu zieh’n –
Da stößt an kalten Stein sich die ausgestreckte Hand,
Und seine Arme fassen die leere Kerkerwand! –

Doch draußen um die Mauern ein holdes Mädchen schleicht,
Dem Angst und Gram und Thränen die Wangen schnell gebleicht;
Es ist, als ob ein Zauber sie bannt in diesen Kreis,
Wo sie den edlen Retter im Kerker schmachten weiß.

Sie kommt an jedem Tage, sobald der Morgen winkt,
Und wieder, wenn am Abend die Sonne niedersinkt,
Schaut nach dem Gitterfenster mit thränenfeuchtem Blick,
Und fragt den Kerkermeister besorgt um sein Geschick.

Als sie nun eines Tages ihn wiederum befragt,
Da wird mit kalten Worten die Antwort ihr gesagt:
„Das Urtheil ist gesprochen, – den Tod hat’s ihm gebracht;
Am dritten Morgen sagt er dem Leben gute Nacht.“

Da sinkt sie an der Schwelle der Kerkerpforte hin;
Doch plötzlich rafft sie wieder sich auf mit starkem Sinn:
„Drei Tage noch! – Noch schimmert ein Hoffnungsstrahl für mich!
Er rettet meine Ehre, – vielleicht sein Leben ich!“

Zu allen Cardinälen eilt sie in ihrem Schmerz,
Beschwört sie, zu erweichen des Papstes eisern Herz;
Doch ob sie auch voll Mitleid die Schöne weinen sehn,
Nicht Einer wagt’s, den strengen Gebieter anzufleh’n.

Schon bricht der dritte Morgen mit Todesschauern an,
Schon naht die letzte Stunde für den geliebten Mann; –
Da drängt sie sich zum Papste mit angstbeschwingtem Schritt,
Als er, zur Kirche gehend, aus dem Palaste tritt.

Sie wirft sich vor ihm nieder: „Du stehst an Gottes Statt, –
An Gottes, dessen Gnade und Huld kein Ende hat!
Laß Du auch Gnade walten, und gieb nicht Dem den Tod,
Der nur die Unschuld schirmte, die frecher Sinn bedroht!“ –

Doch streng und unerschüttert, mit kaltem, stolzem Blick
Weißt Sixtus ohne Schonung die Flehende zurück,
Und ruft vor allem Volke mit hartem, scharfem Wort:
„Ha! nicht umsonst warf Sixtus Montalto’s Krücken fort!“[1]

[326]

„Die Straßen Rom’s zu sichern vor Frevel, Mord und Brand,
„Und Ordnung, Ruh’ und Frieden zu schaffen rings im Land:
„Ward das Gesetz gegeben, das wilde Rauflust schreckt,
„Und streng und unerbittlich an Jedem wird’s vollstreckt!

„Wohl führ’ ich den Stab Wehe; doch sagen mag die Welt:
„Sonst war es schlimm und traurig um Gottes Stadt bestellt;
„Doch seit der fünfte Sixtus bestieg St. Peters Stuhl,
„Seitdem war Roma nicht mehr der alte Lasterpfuhl!“

Er spricht’s, und geht vorüber, und läßt auf ihren Knie’n
Im Staub die Arme liegen, der Trost und Hoffnung flieh’n.
Sie windet sich die Hände in ihrem Jammer wund,
Der Papst geht, Gott zu preisen mit salbungsvollem Mund!

Doch bald, als ob ein rascher Gedanke ihn erweckt,
Zu ihr sich kehrend, fragt er: „Der Mann ist Architekt? –
„Wohlan! – Sein Schicksal geb’ ich in seine eigne Macht;
„Er werde nach der Messe in mein Gemach gebracht!“

Verwundert steht Fontana vor Sixtus Angesicht;
Der führt ihn an das Fenster, und zeigt hinaus, und spricht:
„Siehst Du dort auf dem Platze, in dem Gestrüpp und Laub,
„Den Obelisken liegen, bedeckt mit Schutt und Staub. –

Der Riesenstein Aegyptens, dies Wunderwerk der Welt,
„Das einst im großen Circus Augustus aufgestellt,
„Das, hingestürzt zum Boden, durch der Vandalen Wuth,
„Seit mehr denn tausend Jahren tiefeingesunken ruht?

„Versuch’s, und richte wieder die Säule hoch empor,
„Daß sie den Platz mir schmücke dort vor St. Peters Thor!
„Vollbringst Du das, so will ich vom Tode Dich befrei’n,
„Und sollst mein erster Meister in Roma’s Mauern sein!“

Der Meister hört’s mit Staunen, und wiegt voll Ernst sein Haupt;
Allein nach kurzem Sinnen erwiedert er: „Wer glaubt,
„Kann Berge wohl versetzen, – warum nicht diesen Stein?
„Mit Gottes Hülfe wag’ ich’s, dem Werke mich zu weih’n!“ –

Und in dem Vatikane, von Hütern Wohl bewacht,
Sitzt er im lichten Zimmer von Morgen bis zur Nacht,
Und sinnt, und mißt, und rechnet, und zeichnet, und versucht,
Wie er bewält’gen möge der Säule schwere Wucht.

[336]
III.

Was wogt des Volkes Menge hin durch das weite Rom?
Was sammeln sich die Schaaren dort vor St. Peters Dom? –
Heut’ wird die Riesensäule vom Meister aufgestellt,
Dem, wenn das Werk mißlänge, das Haupt vom Rumpfe fällt.

Schon liegt, durch hundert Rosse an seinen Platz bewegt,
Von tausendjähr’gem Staube mit Sorgfalt rein gefegt,
Lang hingestreckt, erglänzend im hellen Sonnenschein,
Am Fuß des Postamentes der ungeheure Stein.

Und neben ihm erhebt sich ein wundersamer Bau
Von Balken, Wellen, Rädern, mit manchem starken Tau.
Gar künstlich hat der Meister sich das Gerüst erdacht.
Die Masse zu bezwingen durch seines Geistes Macht.

An ihrem Posten wartet, der Männer große Zahl,
Des Steines Wucht zu heben auf sein Piedestal.
Bewähren soll sich’s heute an diesem Säulenschaft,
Wie Großes mag vollbringen vereinte Manneskraft.

Im weiten Kreise stehet das Volk und harrt gespannt,
Die neugiervollen Blicke nach dem Gerüst gewandt, –
Und in der kalten Menge Ein Herz, das angstvoll schlägt,
Ein Mädchenherz, drin schwankend sich Furcht und Hoffnung regt.

Der Papst steht auf dem Altan, von seinem Hof umringt,
Zu schauen, wie der Meister das große Werk vollbringt;
Der aber tritt jetzt unten aus des Palastes Thor,
Von Wachen rings umgeben, mit stillem Ernst hervor.

Er sinkt auf seine Kniee, den Herrn in Himmelshöh’n
Um Segen und Gelingen in Demuth anzufleh’n,
Und in dem Augenblicke ist jedes Haupt entblößt,
Und neigt sich im Gebete vor Dem, der uns erlöst.

Der Meister hat gebetet, – und reich an Kraft und Muth,
Mit fester, starker Stimme, mit ruhig kaltem Blut
Ertheilt er die Befehle voll Klugheit und Geschick,
Das Ganze überschauend mit klarem, sichrem Blick.

Sein Geist wirkt allbelebend bis zu dem letzten Mann;
Wie regen sich die Hände! Wie spannt der Arm sich an!
Es wächst zur Riesenstärke die klug geeinte Kraft –
Und seht! Da regt, da hebt sich der schwere Säulenschaft!

Und immer höher richtet die Spitze sich empor,
Und staunend sieht ihn steigen des Volkes dichter Chor;
Und langsam sich bewegend, hebt er sich fort und fort,
Und endlich steht er senkrecht auf seinem Fuße dort.

Der Meister blickt zum Himmel, und preist sein gutes Glück;
Doch weiß er: noch das Schwerste der Arbeit blieb zurück!
Denn jetzt gilt’s, ihn gerade und lothrecht, wie er steht,
Frei in der Luft zu heben mit künstlichem Geräth.

Die rüstigen Arbeiter, sie trocknen sich den Schweiß,
Den ihrer Stirn einpreßte der angestrengte Fleiß.
Der Meister gönnet ihnen gern eine Stunde Ruh’;
Dann greifen tausend Hände auf’s Neue wacker zu.

Da straffen sich die Seile in nerv’ger Männerfaust;
Das künstliche Getriebe der Räder schwirrt und saust;
Es drehen sich die Wellen, vom Eisenzahn gepackt,
Und Alles rührt und regt sich in Einem sichern Takt.

Von Ketten und von Tauen umschlungen und gefaßt,
Steigt langsam in die Höhe die ungeheure Last;
Ob von dem schweren Drucke auch das Gerüst erkracht,
Die Balken halten wieder, aus Eichenholz gemacht!

Emporgebracht bis über des Würfels höchsten Rand,
Auf dem sie bald soll finden den felsenfesten Stand,
Wird seitwärts nun die Säule durch’s Kunstgezeug gelenkt,
Daß sie dann auf die Basis sich ruhig niedersenkt.

Schon schwebt sie majestätisch fast über’m Postament,
Schon sieht Fontana freudig die Arbeit nah am End’,
Und mit gespannten Mienen steht rings das Volk und schaut;
Es wird im weiten Kreise kein Zug des Athems laut. –

Da wird des Meisters Antlitz mit einmal todtenbleich,
Er bebt am ganzen Leibe, und winkt, und ruft zugleich
Mit angstgepreßter Stimme: „Halt, Leute! Haltet an!“ –
Und schwankt, und stützt im Wanken sich auf den nächsten Mann.

Im Volksgedränge aber ertönt ein Schmerzensschrei;
Aus eines Mädchens Munde ruft’s: „Wasser schnell herbei! –
Der Meister fällt in Ohnmacht! Es ist um ihn gescheh’n! –
Um Gottes willen Wasser! – O eilt, ihm beizustehn!“ –

Kaum schlägt das Wörtlein „Wasser“ dem Meister an das Ohr,
Da fährt wie aus dem Traume urplötzlich er empor,
Und mit gewalt’ger Stimme noch einmal ruft auch er:
„Ja, Wasser! Wasser! Wasser! In Eile Wasser her! –

Die Taue sah ich rauchen, – ’s war noch um einen Zug,
So brannten sie, – und machten mein Werk zu Lug und Trug!
Ich sah’s, und in Verzweiflung schwand mir Verstand und Sinn,
Und schier ohnmächtig wär’ ich gestürzt zu Boden hin!

Ein Wort hat mich gerettet! – O Heil Dem, der es sprach!
Das Wort, es tönet ewig in meinem Herzen nach!
Die Stimme, die es sagte, sie klang mir so vertraut,
Wie Glück und Heil und Segen, – wie der Geliebten Laut!“ –

Er spricht’s, und prüft die Taue, und findet sie noch fest;
Man bringt die vollen Eimer; das Tauwerk wird genäßt;
Und fröhlich ruft der Meister: „Nun zieht mir wacker an! –
Frisch! – Kräftig! – Einen Ruck noch, – und Alles ist gethan!“ –

Die Säule senkt allmälig sich auf den Unterbau,
Und fügt sich in den Kranz ein, so sicher, so genau,
Daß keines Zolles Breite daran verloren geht; –
Das Werk, es ist vollendet! Der Obelisk, er steht!

Da braust in lautem Jubel empor des Volkes Kreis,
Es künden tausend Stimmen Fontana’s Ruhm und Preis;
Doch heimwärts eilt Maria, im stillen Kämmerlein
Dem Herrn aus frommem Herzen ihr Dankgebet zu weih’n.

Das Volk umringt den Meister, erdrückt ihn jauchzend fast,
Und führt ihn im Triumphe zum päpstlichen Palast;
Es öffnen sich die Pforten zum hohen Prunkgemach,
Und stürmisch drängt die Menge sich, Beifall rufend, nach.

In Demuth beugt Fontana sein Knie vor Sixtus’ Thron;
Der hebt ihn auf voll Güte, und spricht: „Mein lieber Sohn!
Du hast ein Recht erworben durch Deine edle Kunst
Auf Freiheit und auf Leben, – und meine höchste Gunst!

Du sollst mein Rom mir schmücken mit Werken, groß und schön,
Und als das Erste laß mir den Aquaduct erstehn,
Den der bedürft’gen Stadt ich im Geiste längst versprach;
Der heiße: „Glücklich Wasser[2]bis auf den spät’sten Tag!“ –

Der Meister geht, und eilends führt ihn sein erster Gang
Zum weinumlaubten Häuschen dort an des Hügels Hang.
Maria grüßt erröthend; sein schönster Traum wird wahr:
Beseligt tritt er morgen mit ihr zum Brautaltar.

[337]
Die Gartenlaube (1854) b 337.jpg

  1. Sixtus V., einer der bedeutendsten Päpste, besonders als Regent und Staatsmann, hieß mit seinem Familiennamen Felix Peretti. Er erbob sich durch sein Genie vom Hirtenknaben, der Schweine hütete, bis zum Oberhirten der katholischen Kirche. Als Cardinal nannte er sich nach seinem Geburtsorte, Montalto, brachte es dadurch, daß er sich hinfällig und gebrechlich stellte, dahin, von seinen Collegen, welche nach einem beliebten Grundsatze gern schwache und ihrem Einflusse zugängliche Männer wählten, mit der dreifachen Krone bekleidet zu werden. Nach seiner Ernennung warf er aber noch in der Wahlkapelle die Krücken weg, richtete sich zum Staunen aller mit Kraft und Würde empor, und regierte mit kraftvoller Energie, ein Schrecken für das rauflustige und räuberische Gesindel, an dem das verwilderte Rom reich war. Er starb am 24. August 1590.
  2. Fontana erbaute später die berühmte Wasserleitung „Aqua felice“ genannt.