Ein Duell in Australien

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Titel: Ein Duell in Australien
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 138
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[138] Ein Duell in Australien. In den ungeheuren, uncultivirten Strecken Australiens treiben sich ziemlich viel „Busch-Landstreicher“ herum, die den Leuten Gold und Leben abnehmen und der berittenen Polizei durch ihre Raub- und Mordthaten, ihren wilden Muth, ihre Schnelligkeit und Kühnheit viel zu schaffen machen. Vorigen Herbst ward der tapferste Polizeiritter George Flower gegen den berüchtigsten Buschmann Milligson ausgeschickt. Er fand ihn mitten in der Wildniß und nahte sich ihm als College. (Flower galt als todt, da er von andern Buschmännern mit sammt dem Pferde zu einem großen See gejagt, verschwunden war.) Aus ihrem Gespräche wurde Folgendes:

Flower. Aber wenn nun ein Policeman zu Pferde Euch hier allein träfe und Euch aufforderte, Euch zu ergeben, würdet Ihr ohne Weiteres Euer Blaserohr nehmen und ihn herunterholen, ohne ihm Gelegenheit zu geben, sich mit Euch zu messen?

Milligson. Gewiß nicht. Würde ihm sagen: Steh’! Wollen sehen, wer Recht hat!

Fl. Milligson, sprecht Ihr die Wahrheit?

M. Wozu soll ich aufschneiden?

Fl. Nun denn, ich setze den Fall, George Flower lebte noch und stünde Euch hier so gegenüber, wie ich jetzt –

M. Würde ihm sagen: Einer von uns. Steh’, wollen sehen, wer?

Fl. Würdet ihm einen ordentlichen Zweikampf gönnen, wie?

M. Na, würd’ ihm sagen: geh’ fünfundzwanzig Schritt zurück, ich thu’s auch.

Fl. Und Ihr meint, Flower würde es thun?

M. Das mein’ ich, denn Flower war ein Mann.

Fl. Ich glaub’ Euch Alles. Nun denn, hört: ich bin George Flower.

Milligson schrak auf, sein Carabiner sank ihm aus der Hand.

„Nimm auf Dein Rohr,“ sagte Flower. „Es sei wie wir’s abgemacht. Ich hätte Euch niederschießen können, wie einen Hund, aber Ihr seid ein ganzer Kerl, ein Mann, ein Verbrecher, aber sonst brav und nobel. Eure Hand, und dann fünfundzwanzig Schritt zurück Jeder.“

Milligson ergriff die Hand und seufzte schwer.

„Ergebt Euch nicht!“ sagte Flower, fürchtend, daß er schwach sein könnte.

„Ergeben?“ antwortete er mit Hohn, „niemals! Ich habe einen braven Gegner und deshalb noch eine gute Chance. Ich schieße so gut wie Ihr!“

Beide gingen mit langsamen Schritten Jeder fünfundzwanzig Schritt zurück und untersuchten ihre Karabiner. Aus der abgemessenen Entfernung rief Milligson noch: „Flower, denn nur Flower könnt Ihr sein, noch eine Bitte! Wenn Ihr mich gut trefft, begrabt mich nicht. Ich fürchte den Tod nicht, aber ich hasse das Einscharren. Laßt mich liegen in Luft und Licht, Sonne und Wetter, daß ich mit Adlern und Schakalen, die mich fressen, herumfliege und meine Gebeine die Sonne und den Mond sehen können.“

„Merkwürdig“, rief ihm Flower hinüber, „auch ich habe stets das Begraben gefürchtet. Deshalb Eure Bitte die meinige, wenn ich falle.“

„Verlaßt Euch drauf!“ Und mit diesen Worten lief Milligson noch einmal heran, schüttelte Flower leidenschaftlich die Hände, lief dann zurück, nahm das Gewehr und rief: „Ich bin bereit. Treffen wir uns nach diesem Treffen in einer andern Welt, gleichviel, ob Hölle oder Himmel, wir werden uns vor einander nicht zu schämen brauchen.“

In Beider Augen standen Thränen, als sie sich musterten und Keiner zuerst schießen wollte. Endlich schoß Milligson und schnitt Flower die eine Hälfte des Backenbartes ab. Er hatte nach dem Gehirn gezielt. Flower’s Schuß ging dem Buschmanne gerade durch Brust und Lunge, so daß er lautlos hinfiel und sein Hund heulend das Blut leckte. Flower lief auf ihn zu, um seine letzten Worte zu hören, aber er war athem- und leblos. Jämmerlich heulte der treue Hund über dem Leichname des Verbrechers, und der berühmte Polizeiritter lief jetzt wie ein Feiger, nur um diese Töne des treuen Thieres los zu werden.