Ein Husarenstückchen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein Husarenstückchen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 847
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[837]
Die Gartenlaube (1877) b 837.jpg

Ein Husarenstückchen.
Nach seinem Oelbild auf Holz übertragen von Prof. A. Wagner in München.

[847] Ein Husarenstückchen. (Mit Abbildung auf S. 837.) Ein Theil der Wiener Garnison hatte vor allerhöchsten Herrschaften Revue zu passiren. Zu solch einem Schauspiel glänzendster Art läuft Alt und Jung überall, ebenso da, wo der Liberale über den Militarismus zetert, wie da, wo er selbst im Bürgermilizrock Parade macht. Die Schuljungen bis zum kleinsten riskiren lieber eine Portion Schläge, als daß sie dem Rasseln der Trommeln und dem Schmettern der Trompete von der Schulbank aus zuhörten. „Das Eisen ziehet den Mann an,“ hat schon Vater Homer gesagt; um so weniger widerstehen ihm die leichten Jungen.

Ein solches Wiener Pflänzlein hatte sich auch mit davon gemacht, war aber bald von der Menge abseits und für sich allein so in’s Spielen gerathen, daß es Alles um sich vergaß. Es steckt mit Eifer Holzstückchen in einen Erdhaufen; ob diese einen Wald oder einen Zaun vorstellen sollten, war noch unbestimmt, als plötzlich eine von ihm unerkannte Gefahr dem stillen Kleinen Spiel und Leben zugleich zu enden drohte. Ein Husarenregiment stürmte herein; es ritt in ganzer Schwadronbreite – für den armen Knaben war ebenso wenig Entlaufen, wie für die Reiter das Halt! möglich. Die ersten Pferde, die den Kleinen sahen, würden sicherlich rechts und links ausgewichen sein, aber die hinter ihnen kamen, hätten Alles unter ihre Hufe getreten. Schon hielt man das Kind für verloren. Da sprengte ein Husar mitten aus dem Gliede hervor, und in rasender Carrière des Pferdes bog er sich so tief nieder, daß er den Jungen bei dem Westchen packen und zu sich auf den Sattel nehmen konnte, bis es ihm möglich war, das barfüßige Kerlchen am sichern Rand des Revueterrains abzusetzen.

Die Geschichte ist lange her, aber beim Regiment – damals Würtemberg-Husaren – soll sie und der Name des Mannes, der dieses Husarenstückchen wagte, noch fortleben. Es wird erzählt, daß auch in diesem Fall, wie leider so oft, die Gesetze der Humanität mit denen der Disciplin in Widerspruch gerathen seien, denn dem Husaren sei zwar dafür, daß er mit eigener Lebensgefahr ein Kind gerettet, ein Ehrenzeichen verliehen, aber zugleich dafür, daß er auf eigene Faust, ohne Erlaubniß und Meldung, aus dem Gliede herausgeritten, die für dieses Vergehen bestimmte Strafe dictirt worden. Unser Bild, von Professor Wagner in München, feiert die schöne That, wie sie es verdient.