Ein Reisetag im Innern von Afrika

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein Reisetag im Innern von Afrika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 875
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Schilderung eines gewöhnlichen Tages bei einer Expedition von Emin Pascha
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[875] Ein Reisetag im Innern von Afrika. Aus dem Nachruf, den Paul Reichard in Nr. 43 dieses Jahrgangs der „Gartenlaube“ dem Gedächtniß Emin Paschas gewidmet hat, ist unseren Lesern bekannt, daß Emin bei seiner letzten Expedition bis tief ins Innere von Afrika, bis über den Albertsee hinaus, von Dr. Stuhlmann begleitet wurde. Dieser hat nun seine Erlebnisse auf dem denkwürdigen Zuge in einem interessanten Werke geschildert, das den Titel führt: „Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika“ (Berlin, Dietrich Reimer) und das uns ein lebendiges Bild entrollt von den Schwierigkeiten und Entbehrungen, welche der Dunkle Erdtheil dem Reisenden auferlegt. Doch nicht stets drohen Noth und Gefahr, es giebt auch Reisetage, die glücklich verlaufen, Normalreisetage, wenn man sie so nennen darf, die, noch immer beschwerlich genug, doch den phantastischen Reiz von Land und Leuten voll zur Geltung kommen lassen. Einen solchen Reisetag schildert Stuhlmann mit hübschen Farben. Noch ist es Nacht; außer den Wachtposten liegt im Lager alles noch im Schlummer. Da kräht der Hahn, den einer der Träger an einem Bein auf seinem Bündel festgebunden hat, zum ersten Male; durch dieses Signal und die wachsende Kälte des nahenden Morgens geweckt, erheben sich einige schlaftrunkene Gestalten und eilen ans Feuer, das unter ihren Händen bald wieder lustig emporlodert. Und nun erhellt sich auch der Himmel im Osten und plötzlich erklingen langgezogene Trompetentöne: der Hornist bläst die deutsche Infanteriereveille. Alles wird lebendig; die Europäer kommen aus ihren Zelten, die sofort zusammengerollt werden, sie geben die nöthigen Befehle und verzehren dabei im Stehen ihr einfaches Frühstück – Kaffee und einen teigigen Fladen aus Hirsebrei. Inzwischen haben sich die Träger an ihren Lasten aufgestellt, ein schriller Pfiff hat die Soldaten in voller Ausrüstung herbeigerufen. Jetzt ertönt das Zeichen zum Aufbruch, der Leiter der Expedition setzt sich mit der Flagge und einer Abtheilung Soldaten an die Spitze des Zuges, ihm folgen die Träger der Munition und des Gepäcks der Europäer, dann eine zweite Abtheilung Soldaten, die große Masse der Träger und am Schluß wieder Truppen unter dem Befehl eines Offiziers. Im Gänsemarsch wird auf den schmalen Pfaden der größte Theil des für diesen Tag beabsichtigten Weges zurückgelegt, bis in der Karawane durch Ermüdung einzelner Leute Lücken entstehen. Sofort läßt der Anführer den Befehl zum Halten geben, allgemeine Rast beginnt. Die Leute, die sämtlich in der Frühe nüchtern aufgebrochen sind, verzehren, was sie vom vorigen Tag sich aufgehoben haben: etwas Mehlbrei oder gekochte Bohnen, vielleicht auch ein geröstetes Huhn. Dann geht der Marsch weiter, in der alten Ordnung, bis das Ziel erreicht ist, wo der Befehlshaber selbst einen geeigneten Lagerplatz auswählt, womöglich nicht zu nahe an den Dörfern der Eingeborenen.

Nun werden die Lasten aufgestapelt, und zwar so, daß sie nicht unmittelbar den rothen Boden berühren und damit den Termiten eine willkommene Beute werden; rasch sind auch die Zelte der Europäer zusammengesetzt. Soldaten und Träger gehen daran, für ihre Bedürfnisse zu sorgen, sie nehmen Urlaub, um in den benachbarten Dörfern für ihre Tauschwaren Lebensmittel einzukaufen, während die Weiber mit Thontöpfen auf dem Kopfe zum nahen Wasserloch wandern und sich dann an die Bereitung des Essens machen, das meist aus Mehlbrei besteht. Die Europäer haben begonnen, ihre Notizen über den Marsch und die wissenschaftlichen Beobachtungen über Kompaßrichtung, Barometerstand etc. ins Reine zu übertragen; ein Jäger und ein Pflanzensammler sind ausgeschickt worden, um seltene Exemplare der Thier- und Pflanzenwelt für die Sammlungen herbeizubringen. Währenddessen ist das Mahl der Europäer fertig geworden: Ziegenbraten, Suppe, einige Kartoffeln und gekochte Bohnen; Brot giebt es nicht. Eben haben sich die Offiziere zu Tisch gesetzt, da erscheint der Häuptling des nächsten Dorfes mit einem Gastgeschenk, bestehend aus Ziegen, Hühnern und Mehl. Er erhält ein ansehnliches Gegengeschenk und verspricht, für den nächsten Tag zuverlässige Führer zu schicken. Unter all diesen verschiedenen Vorgängen ist es sechs Uhr abends geworden. Das deutsche Signal zum „Sammeln“ wird gegeben und die Soldaten eilen zum Appell herbei. Wenn nicht schon vorher mit ihnen exerciert worden ist, so müssen sie jetzt einige Griffe machen und erhalten dann die Befehle für die Nachtwache und den nächsten Tag. Das Dunkel der Nacht bricht herein; beim Schein einer Stearinkerze sitzen die Europäer im Zelte zusammen, gemüthlich plaudernd, oder sie gehen im Lager umher, um den fröhlichen Tänzen zuzusehen und den Gesängen der Leute zu lauschen. Punkt neun Uhr wird der Zapfenstreich geblasen; prächtig klingen die Töne hinaus in die Stille der klaren Tropennacht. Alles geht zur Ruhe, der Lärm verstummt. Bald hört man nur noch das Schnarchen der Schläfer, das Auf- und Abgehen der Posten und das ferne Gekläff eines Dorfhundes oder das Geheul einer Hyäne. So endet ein Reisetag im Innern von Afrika.