Ein Todtenbaum (Badisches Sagen-Buch)

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Textdaten
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Autor: August Schnezler
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Titel: Ein Todtenbaum
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 355–356
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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[355]
Ein Todtenbaum.[1]
(1122.)

Wo aus schwarzen Tannenwäldern himmelhohe Klippen ragen,
Donnernd des Gebirge Gewässer an die Felsenrippen schlagen,
Kommt ein Männerzug geschritten auf des Pfaden schmalem Saum,
Feierlich in ihrer Mitten tragend einen Todtenbaum.

5
Und der Zug, aus finsterm Walde immer weiter aufwerts geht er,

Bis von mondbeglänzter Halde ragt das Kloster zu Sanct Peter;
Vor dem hohen Thore stellen sie die schwere Bürde ab:
„Mönche, kommt aus euren Zellen! Euer Fürst begehrt ein Grab!“

Aus dem besten Schlafe ringen sich die Brüder nur verdrossen;

10
Ahnungslos, was Jene bringen, wird die Pforte nun erschlossen,
[356]

Und im hellen Mondlicht schauen sie, fast dünkt es ihnen Traum,
In der Männer Kreis den rauhen Stamm von einem hohlen Baum.

„Sagt, was führt euch her? Was bringt ihr da für einen Baum getragen?“ –
„Dieser Stamm birgt einen andern, der auch nimmer aus wird schlagen!

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Hier in eurer Todten Mitte stellt ihn jetzt in fromme Hut –

Herzog Berthold ist’s der Dritte, der in diesem Baumsarg ruht!

„Ueberm Rhein, bei Molsheim ist er gestern in der Schlacht gefallen,[2]
Durch die bischöflichen Knechte, und es war sein letztes Lallen:
Schafft, o Freunde, meine Leiche in Sanct Peters Gotteshaus,

20
Daß ich dort im Friedensreiche ruh’ bei meinem Vater aus.


„So empfangt die euch vertraute, des geliebten Fürsten Hülle,
Der die „freie Burg“[3] erbaute und begabt’ mit Segensfülle;
Laßt uns nun vereint ihn senken in den gottgeweihten Raum,
Aber gebt zum Angedenken uns zurück den Todtenbaum!“

A. Schlzr.

  1. [356] Im Jahre 1121 war es in der Nähe von Straßburg zu unruhigen Auftritten gekommen. In dem Gebiete des Grafen Hugo von Dagsburg hatten sich die Einwohner gegen diesen aufgelehnt. Da er sich allein nicht mächtig genug fühlte, sie wieder zum Gehorsam zurückzuführen, rief er den Herzog Berthold III. von Zähringen zu Hülfe, denselben Fürsten, der die Stadt Freiburg gegründet hat. Berthold zog nach Molsheim und wollte sich daselbst mit seinen Leuten einquartieren; als aber die Bürger dies zu verhindern suchten, kam es zu einem Kampfe, in welchem der Herzog das Leben einbüßte. Nach einigen Berichten soll Bischof Cuno von Straßburg zu diesem Ereignisse mitgewirkt haben.
    (Siehe Strobel’s „Geschichte des Elsaßes.“ 1. Bd. S. 353.)
  2. Specklin spricht von einer förmlichen Schlacht, welche zwischen den fürstlichen und bischöflichen Truppen soll geliefert worden seyn: „Do wurde“ – fährt er fort – „hertzog Bertolff von Zeringen und graf Hugo und wol 1000 man erschlagen. Den hertzogen fuerte man in einem ausgeholten baum, und an beden enden zugespund und verbicht, zur Begrebnusz nach St. Peter uff dem Schwartzwalde.“
  3. Freiburg im Jahr 1120.
    (Siehe H. Schreiber’s „Urkundenbuch der Stadt Freiburg i. B.“ Th. I. S. 3 ff.)