Ein andres Lied von den sieben Brüdern

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Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Ein andres Lied von den sieben Brüdern
Untertitel: Im Ton des Georg Wagner
aus: Die Lieder der hutterischen Brüder : Gesangbuch, S. 52–53
Herausgeber: Hutterische Brüder in Amerika
Auflage:
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Mennonitisches Verlagshaus
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Erscheinungsort: Scottdale/Pa.
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Lied über das Schwäbisch Gmünder Täufergericht 1529
Siehe auch Schwäbisch Gmünd

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[52]

Ein andres Lied von den sieben Brüdern.

Im Ton des Georg Wagner.[1]

1.
Wer Christo hier will folgen nach,
Der acht’ nit auf der Welte Schmach,
Sein Kreuz muß er hie tragen.
Kein andrer Weg gen Himmel nit ist,
Hört ich von Jugend auf sagen.

2.
Dasselb tat Bruder Martin auch,
Ging mit sechs Brüdern in den Tod,
Mit dem Schwert tät man sie richten.
Man führt sie unter das Rathaus,
Las ihn viel der Artikel.

3.
Den ersten Artikel, den man ihn las,
Merkt auf, wie Bruder Eßlinger sprach:
Die ihr uns heut’ tut richten.
Kommt ihr vor Gottes Angesicht,
Gott wird euch auch wohl richten.

4.
Den andern Artikel, den man ihn las,
Merkt auf, wie Bruder Bamberger sprach:
Wie ihr uns heut erkennet.
Kommt ihr für Gottes Angesicht,
Gott wird euch auch wohl kennen.

5.
Den dritten Artikel, den man ihn las,
Merkt auf, wie Bruder Bamberger sprach,
Die ihr eure Händ tut waschen.
Ihr waschet eure Händ in unsrem Blut,
Daß dies die Wahrheit seie.

6.
Den fünften Artikel man ihn las,
Merkt auf, wie Bruder Wolf Eßlinger sprach,
Merkt auf ihr Heiden alle.
Steht ihr von euren Sünden ab,
Tät Gott ein Wohlgefallen.

7.
Werd ihr von euren Sünden abstan,
So wird’s euch Gott genießen lan
Und nimmer daran gedenken,
Zu einer Abwaschung eurer Sünd,
Wird er’s euch alles schenken.

8.
Man führt’s all sieben also mit Gleit,
Als wollt man führen in ein Reis,
Mit Trommeln und großem Schalle.
Merkt auf, wie Bruder Wolf Eßlinger sprach,
Tut uns kein Wohlgefallen.

9.
Und da man’s über die Brück aus führt,
Dem Bruder Martin der Strick entfiel.
Laß mich gehn, mein lieber Bruder,
Denn so mich Gott ermahnen tut,
Will ich ihm selbst nachfolgen.

10.
Will ihm nachfolgen bis an mein End,
Verleih uns Gott ein selig End,
Wenn sich [53] Leib und Seel tut scheiden.
Ich befehl mich in sein Barmherzigkeit,
Gott wird sein Schäflein wohl geleiten.

11.
Und da man’s auf den Wasen bracht,
Wie der Miller Knab zu ihn’ sprach,
Steht ab von euren Sünden.
Kein andrer Weg gen Himmel nicht ist,
Ich kann kein andren finden.

12.
Denn durch den Herren Jesum Christ,
Der an dem Kreuz gestorben ist,
Er hat uns auserkoren.
Auf daß sein bittres Leiden so gut
an uns nicht werd’ verloren.

13.
Und da man’s in den Ringe bracht,
Der Obrist zu dem Knaben sprach,
Steh ab und widerriefe,
Ich will dich führen mit mir heim,
Will fristen dein junges Leben.

14.
Er sprach, das wöll Gott nimmermehr,
O Gott meinen Geist befehl ich dir,
Mein Geist will ich dir auflegen,
Auf daß seines Sohns Leidens gut,
An uns nicht werd’ verloren. Amen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Georg Wagner, als Anhänger des Protestantismus hingerichtet in München 1527, siehe Ludwig KellerWagner, Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40. Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 499 f., Gameo.org, englisch