Ein guter Gedanke

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Titel: Ein guter Gedanke
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[208] Ein guter Gedanke. Man macht uns Deutschen häufig den Vorwurf, wir hätten zu wenig Nationalstolz, und in der That ist dies begründet, wie man leicht bemerkt, wenn man das Benehmen der Engländer und Franzosen mit dem unsrigen vergleicht. Aber wie gerade die bedeutendsten Vorzüge, die der einzelne Mensch besitzt, der Art sind, daß sie ihm zum größeren Theile vom Geschicke ohne eigenes Dazuthun verliehen wurden, während er selbst nur zum kleineren Theile bei der weiteren Ausbildung thätig mitwirkte, so ist es auch mit dem Nationalgefühle ganzer Nationen; die Engländer und Franzosen haben diese schöne Eigenschaft auch sich nicht allein zu verdanken, – im Gegentheil, die Verhältnisse waren es, durch die sie bei ihnen geschaffen und lebendig erhalten wurde. Unstreitig sind nämlich Familie, Schule und Kirche die drei wichtigsten Factoren zur Erweckung einer Idee im Volke; bei der einen Nation und je nach ihrem Bildungsgrade wirkt der eine dieser Factoren mehr, der andere weniger stark ein. Dadurch nun, daß sich in England und Frankreich schon vor mehreren Jahrhunderten nationale Kirchen bildeten, nämlich die anglicanische und gallicanische, hatte dort die religiöse Einwirkung einen nationalen Charakter angenommen, was um so mehr zu beachten ist, weil in jenen Zeitperioden die Kirche selbst der dominirende unter den genannten drei Factoren war. Wie standen die Dinge aber bei uns? Wer der Reformation huldigte, stand den Katholiken schroff gegenüber, und umgekehrt; zu nationalen Zwecken wurde die Kirche fast nie benutzt, wohl aber vielfach, um Haß gegen die Mitbrüder desselben herrlichen Vaterlandes hervorzurufen, und doch konnte uns nur aus der Versöhnlichkeit Heil erblühen, da unsere Lage in der Mitte von Europa und die überall offenen Grenzen sämmtlichen Nachbarn den Eintritt leicht machten. Es muß daher einen jeden Deutschen freuen, wenn er hört, daß endlich einmal die Kirche zur Weckung des patriotischen Gefühles mit beitrage, wie das bei einer Stiftung der Fall ist, welche der Koblenzer Kaufmann, Herr Jacob Brien, gemacht hat, um in Caub alljährlich des Ueberganges Blücher’s über den Rhein zu gedenken. Möge der glückliche Gedanke des Herrn Brien recht Viele zu ähnlichem Vorgehen bewegen. Orte, welche sich zur Feier eignen, giebt es ja genug in Deutschland und besonders im Rheinlande – hat doch eine mehr als tausendjährige gemeinschaftliche Geschichte dafür gesorgt, daß manche Ortsnamen einem jeden Deutschen wohlklingend geworden sind!