Ein lebender Frauenschmuck

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Titel: Ein lebender Frauenschmuck
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 866
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[866] Ein lebender Frauenschmuck. (Mit Abbildung.) Im Juni dieses Jahres habe ich von unserm Standquartier im Harz aus in Gesellschaft von Kurgästen einen Ausflug gemacht. Als wir am späten Abend heimkehrten, zogen die Johanniskäfer ihre leuchtenden Bahnen durch die Luft. Eine der jungen Damen sing eittige derselben, um damit ihren Hut zu schmücken, und in der That leuchteten die Käferchen, in dellt Tüllschleier gefangen, wie kleine Ittwelett.

Der Einfall, sich mit strahlenden lebenden Wesen zu schmücken, war uicht nett. Die Datnett im tropischen Amerika, namentlich die Mexikanerinnen tragen scholl seit lauge Leuchtkäfer als Schutuck. Die amerikanischen Leuchtkäser van dem Geschlecht .l.-andante (wörtlich - "Feuerkäger".. leuchten aber viel stärker als unsere Iahanuiskäfer. Der ^o1üwrn^ oder .l.^ter uaetilueu... ist den Spaniern unter dem Namen Eueuyo bekannt : er ist schwarzbraun, 80 bis 50 tum lang und 10 bis 15 mm breit Das Licht sieht lttatt am deutlichsten an zwei rundlichen Stellen des Hals- schildes sowie unter dem Bauch zwischen dem Bruststück und den Hinter-. leibsrtngen erstrahlen. Es ist so stark, daß utau bei ihttt lesen katttt, lvenn utan^ den Leuchtkäfer nahe an die Schrift bringt und ihlt längs der Zeile fortbewegt, namentlich datttt, wenn der Käfer besonder^ erregt ist und in diefent Zustande kräftiger lettchtet.

Die Leuchtkraft des Eueuyo wird in verschiedenen Gegenden zu ver- schi ebenen Zwecken benutzt.

Die Gartenlaube (1890) b 866.jpg

Der Cucuyo-Käfer, ein lebender Frauenschmuck.

„So steckt man,“ heißt es in Brehms Thierleben, "einige in atts. gehöhlte mit keinen Löcheru versehene Flaschenkürbisse, um natürliche .uaternelt dadurch herzustellen. Sehr sinnreich ist die Verwendung ztt ueunen, welche die Damen davon machen , um ihre Neize zu erhöhen.

Ste stecken des Abends die .Käfer itt eitt Säckchen von feinem Tüll, deren mehrere in Nosenfartn am Kleide befestigt werden ; am schönsten aber soll sich dieser Schmuck ausnehmen, wenn er, mit küustlichett aus Kolibri. federn gefertigten Blumen und eiu. zeltten Brillauten verbuudelt, als Kranz im Haare getragen wird. Die Käfer bilden in Veraeruz eben darltltl eittett Handelsartikel."

Diese Mode hat auch itl New,- ^.sprk Eillgaug gefunden. DieMatra. sen in Havanna, Eienfttegos :u:. zah- . lett für eitlen lebenden Käfer gerlt so- gar 1 Peso (- 1 Dollar); gelingt es ihnen dann, denselben lebend nach New.'.nork zu bringen, so erhalten sie van den dortigen Damen 10 bis 20 Dollars. - Alldiese interessante Thatsacheu erinnerte ich mich, als meine Begleiterin sich mit Glüh,- würmchen schmückte. Wie war ich aber überrascht, als einige Tage daraus in eiltetn Postpacket zwei

lebende Eueuyos eintrafen! Lebende amerikanische Leuchtkäfer sind schon öfters nach Europa gebracht worden. In einer Nachricht von Bondaray in den ", ..1,. moire . cke 1'^eack^une cke.. ...eienee.. 1.'66 wird erwähnt, eilte Anzahl dieser Käfer, welche ztt. fällig in altem Holze ttach Parts gelangt waren, hätten itl der Vorstadt St. Antoine gewaltigen Schrecken verursacht. An die Käser, die ich er. hallen habe, knüpfte sich jedoch ein besonderes Interesse. Sie katttelt nicht ans Attterika, sondern van Prag, wo sie meines Wissens zum erstell Male in Europa gezüchtet wurden. Der glückliche Züchter, Herr I. B. Pichl, wird später über die zwei Jahre dauernde Entwickelung des Käfers ge. ^ nauere Nachricht geben. Vor der Hand muß man lebende Er.elttplare ganz zurück. Das einzige, das hier der Erwähnung bedarf, ist Nudalf van ihm beziehen. Sie werden in Glasgefäßen gehalten, getrocknetes Granaus "Im wilden Westen. Eine Küttstlersahrt durch die Prairien ^ Znckerrahr , in '


dettt sie versendet werdend ersetzt Ahlten ihre Heitnath; eitt feuchter Lappen, der im Glase liegt, macht die Lust des Behälters der feuchten trapischeu ähnlich. Der Eueuyo lebt in der Gefangenschaft voll Nasineu, Feigen und zuckerhaltigem Biskuit - leider aber lebt er nur eine kurze Zeit - unter günstigen Umständen etwa 4 Monate.

Es ist ein eigenartiger Netz, diese Käfer daheim beobachten zu können. Nach Sonnenuntergang erstehen sie zu fröhlichem Lebeu ttud beginnen sich zu tummeln, sie leuchten mit den Platten auf der Brust und attl Bauche. Das Licht ist grunlich, sehr wirkungsvoll und die Käfer bewegen sich wie keilte Lokomotiven in der Nacht, wobei die Bruftplatten die Laternen darstellen. Das effektvolle Leuchten, welches der Käfer ans eigenem Antriebe sehen läßt, das bald ^erlöscht, bald zu einem starten Glanze aufflackert, dauert gewöhnlich drei Stunden. Datttt beruhigt sich das Thierchen, beginnt zu fressen und lettchtet nur mit der Brust. Das Licht, welches der Eueuyo ausstrahlt , ist übrigens so starr , daß es auch am Tage wahrgenommen wird, wentl man den Käfer in die Hand nimmt ader auf eitle andere Weise aufmuntert.

I. B. Pichl stellt der enrapäischelt Damenwelt durch seine gelungenen


das Halten und namentlich das Züchten des .Eueuyo wird , sobald Näheres darüber bekannt sein wird, ohne Zweifel viele Liebhaber sinden; denn eine mit Leuchtkäfern besetzte "Latttpyrtere", wie Pichl feilt Glas- gefäß nennt, bildet ant Abend eilten wirtlich ausgesuchten Zimmerschutuck. Anch die Wissenschaft kann den Erfolg des Züchters nur willkommen heißen, da diese Käfer zum Studium der noch so wenig erforschtet.. Phosphoreszenz der Thiere, dank ihrer starten Leuchtkraft und dank der Leichtigkeit, mit welcher sie sich behandeln lassen, ein äußerst günstiges Matertal abgeben.