Ein neues Luftschiff

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Ein neues Luftschiff
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 596
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[596] Ein neues Luftschiff. Nächstens wird ein Amerikaner per Luft eine Reise nach England machen. Derselbe heißt T. S. E. Lowe, ist aus New-Hampshire und hat schon 36 Luftfahrten gemacht. Seit seiner letzten Fahrt, die von Portland aus am 4. Juli dieses Jahres stattfand, beschäftigt er sich eifrigst mit der Construction eines Luftschiffes, welches alles Dagewesene an Größe überbieten soll. Die Dimensionen desselben sind so bedeutend, daß das Oelen des Gashälters eine Strecke von beträchtlicher Ausdehnung in der Nähe von New-York in Anspruch nimmt. Diese Dimensionen sind kürzlich folgende: Größter Durchmesser 130 Fuß; Gewicht mit Ausrüstung 31/2 Tonnen; Tragkraft 221/2 Tonnen; Inhalt des Gashälters 725,000 Kubikfüß. Man hat dem Ballon den Namen „City of New-York“ gegeben und er ist fast fünfmal größer als der größte Ballon, der jemals gebaut wurde. Seiner Form nach gleicht er den gewöhnlichen perpendiculären Gashältern mit Korb und Rettungsboot. Indessen läßt die Anwendung werthvoller Verbesserungen glauben, daß er im Allgemeinen viel besser gebaut sein wird als die früheren. Bei ihm kommt mechanische Kraft mit zur Anwendung; ein Kalkofen soll die Leute, die sich auf dem Schiffe befinden, vor der Kälte schützen; außerdem hat man ein neues Fächersystem ausgedacht und will es bei dem Ballon anwenden; und der Stoff aus dem der Gashälter besteht, ist mit einem Firniß umgeben, dessen Erfindung Mr. Lowe für sich in Anspruch nimmt. Für den Gashälter hat man 600 englische Ellen Zeug verbraucht, und 17 Nähmaschinen benutzte man, um die Stücke zusammenzunähen. Der obere Theil des Gashälters, wo die Gasklappe angebracht werden soll, ist dreimal so stark als das Uebrige, außerdem noch durch schwere braune Leinwand fester gemacht und dreifach genäht. Das Netzwerk, welches den Gashälter umgibt, besteht aus starken Seilen, welche zu diesem Zwecke besonders von Flachs gemacht worden sind. Seine Stärke entspricht einer Widerstandskraft von 160 Tonnen und jedes Tau ist im Stande ein Gewicht von 400–500 Pfund zu tragen. Der Korb, welcher unter dem Ballon angebracht werden soll, hat einen Umfang von 21 Fuß und eine Tiefe von 4 Fuß. Er ist rundum mit Segeltuch umgeben. Darin werden sich die Aeronauten befinden. Der schon erwähnte Kalkofen, der darin sein soll, ist 11/2 Fuß hoch und hat 2 Fuß im Gevierte. Mr. Lowe ist von den Nutzbarkeit desselben so überzeugt, daß er es für möglich hält in Regionen hinaufzusteigen wo das Wasser gefriert, und dennoch meint er nichts von der Kälte für sich selbst und die Passagiere befürchten zu dürfen.

Unter dem Korbe befindet sich ein metallenes Rettungsboot mit einer Ericson’schen Maschine. Ihr hauptsächlichster Zweck besteht in der Controle wodurch die Leitung des Ganzen ermöglicht werden soll. Der Propeller befindet sich im Bug des Rettungsbootes in einem Winkel von 45 Graden. Von einem Rade am Ende laufen 20 Fächer aus, von denen jeder 5 Fuß lang ist und die bis zum Ende allmählich an Weite zunehmen, wo dieselbe 11/2 Fuß beträgt. Mr. Lowe glaubt durch Anwendung dieser Mechanik sein Schiff beliebig steigen und sinken lassen zu können; er meint, mit Hülfe derselben im Stande zu sein, zu steuern und die Rotationsbewegung der Maschine zu verhindern. Die Steige- und Fallkraft der Maschinerie soll ein Gewicht von 300 Pfund erreichen, und die Fächer sind so angebracht, daß sie eine rasche Bewegung auf- und niederwärts gestatten.

Mr. Lowe beabsichtigt, anfänglich bis zu einer Höhe von 3 oder 4 englischen Meilen empor zu steigen; indessen will er nicht immer in dieser Höhe bleiben, sondern er denkt sich in einer Entfernung von der Erde zu halten, die ihm gestattet, zu sehen, was man mit ihr thut und treibt. Er will nach Nordosten steuern und will in England oder auch Frankreich landen. Die Entfernung von New-York bis London glaubt er in 48 Stunden durchmessen zu können. Ist es ihm möglich, das auszuführen, was er verspricht, so wird er mehr geleistet haben, als irgend ein Luftschiffer vor ihm. Mißlingt der Versuch, so handelt es sich um den Verlust von 20,000 Dollars. Die Zeit, wo die Fahrt geschehen soll, ist noch nicht bestimmt. Das Schiff wird indessen in 3 bis 4 Wochen fertig, und Mr. Lowe wird wohl dann nicht mit seinem kühnen Plane auf sich warten lassen.