Ein schön liedt von unser lieben frawen kindtbett zu Schwäbischen Gemündt

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Autor: unbekannt
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Titel: Ein schön liedt von unser lieben frawen kindtbett zu Schwäbischen Gemündt
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Herausgeber: Kuno Ulshöfer
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Entstehungsdatum: 1601/03
Erscheinungsdatum: 1979
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Quelle: Kuno Ulshöfer: Ein schön liedt von unser lieben frawen kindtbett zu Schwäbischen Gemündt. In: Jahrbuch für Volksliedforschung 24. (1979), S. 37-47, Text S. 38-41.
Kurzbeschreibung: Historisches Lied mit antikatholischer Tendenz über die Beraubung (1601?) einer reich geschmückten Darstellung von Maria im Kindbett in der Stadtpfarrkirche der katholischen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, niedergeschrieben in Akten (Stadtarchiv Rothenburg A 256) über die "Schneckischen Unruhen" in Schwäbisch Hall Anfang 1603
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
p. 38
p. 39
p. 40
p. 41
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[38]

Ein schön liedt von unser lieben frawen kindtbett zu Schwäbischen Gemündt

1.
Was wöllen wir singen, ich weis nit wie,

von unser frauen, sie ist nit hie,
sie ist in einer reichstatt,
zu Schwäbischen Gemündt
beim pfaffen gesindt,
ein grosse kirch sie hatte,
ja hatte etc.

2.
Da ligt sie in der kindt bett noch,

in einer cammer weit und [1] hoh,
die ist gar wol beschlossen,
viel jar und tag,
die warheit ich sag,
ligt sie da unverdrossen,
gut bossen. etc.

3.
Dann was ihr haben die könig drey,

geschenckt, verehrt, bleibt auch darbei,
viel reicher ist sie worden,
man tregt ihr noch zue,
mit grosser unrueh,
hat sie von munchen orden,
ja orden etc.

4.
Von sammet und seiden ist sie bekleidt,

man singt von ihr ietzt weit und breit,
von ihrem grossen gutte,
gantz gülden ring,
viel köstliches ding,
tregt sie mit guettem muthe,
viel guette. etc.

5.
Man ehret sie bei tag und nacht,

man treibt mit ihr ein grossen bracht,
man thut ihr liechter prennen,
man bettet sie an,
viel weiber und mann
thun täglich zu ihr rennen
und prennen. etc.

6.
Die gantzen statt sie täglich soll

vor allem unglück behütten woll,
kan sich selbst nit behuten,
wie ich ietzt bericht,
ist kein gedicht,
hör wie die pfaffen wüetten,
verbietten etc.

7.
In diesem ersten jar betracht,

was sich zu truog in einer nacht,
gar hart war die fraw entschlaffen,
als ihr zu den ehren
viel opfer weren [39]
von S. Clemens beschaffen,
den pfaffen[2].

8.
Das mercket baldt ein haffner knecht

von Aptsgemündt, lest er sich nit schlecht
eins pfaffen banckert nennen,
der besach den glantz
und waget die schantz,
er ließ ein kertzlein prennen,
ja prennen. etc.

9.
Auf unser frawen kindtbett stieg

und sprach ô liebe fraw still lig,
ich will dein kindlein wiegen,
schlaff immer[3] hinein,
liebs kindtlein klein,
davon will ich nit liegen,
ja liegen etc.

10.
Das gefiel so wol der kindt bett magdt,

das sie auch baldt ein schlefflein wagt,
das spiel hett baldt gewonnen
dieser haffners knecht,
besackt sich baldt recht[4],
ist reich damit entrunnen,
unbesunnen. etc.

11.
So baldt des morgens der tag anbrach,

nun höret zu das niemandt lach,
Baalspfaffen thetten leuthen,
ô marga Gottes,
ô mutter Gottes,
viel wolten ihr haar ausraufen,
entlaufen etc.

12.
Ô weh, ô wech, der grossen noth,

ô mutter Gottes bistu nit todt,
ist dirs so ubel gangen,
auch nacket und [5] bloß,
ô mütterliche schoß,
wie wenig ist blieben hangen,
laß hangen. etc.

13.
Es kam ein pfaff gelaufen dar,

der nachts vor wol besoffen war,
den jammer wolt er schauen,
so baldt ers vernam,
in ein ohnmacht er kam
vor unser lieben frauen,
jungfrauen, etc. [40]

14.
Gantz bitter hub er zu weinen an,

das ihme das wasser abher rann,
viel leuth haben das gesehen,
hertz lieben leuth,
wie stehets so beseit,
ihr hals hat[6] ihr verjehen,
ist geschehen. etc.

15.
Der kirchen dieb hat oben herab

gebrochen und gestigen hinab,
hat auf ihr haupt getretten,
ô heilige fraw,
wie kaum und genau,
hast dich nit können retten,
mit betten. etc.

16.
Auß forcht und schrecken zittert sie,

umb Gottes willen secht doch wie
hat sie ihr farb verlohren,
ô marga Gotts mutter,
ô mutter Gottes,
im kasten auserkoren,
verlohren. etc.

17.
Auß dieser lächerlichen geschicht,

höre Christen mensch ich dich bericht,
wofur du solch papisten
solt sehen an,
baides frauen und mann,
für heiden und philisten
papisten etc.

18.
Gleich wie in der Philister landt

dem Dagan geschah ein grosse schandt,
der hals ist gar abgefallen,
seine handt darzu,
da war kein ruh
bei den Philisten allen,
laß fallen. etc.

19.
Wie gieng es zu in Israel[7],

da baide Götzen Baal und Bel
das volck verführen thetten,
da sandte Gott
in solcher nott
dem blinden volck propheten,
zu trösten[8].

20.
Mit grossen schanden nam ein endt

der pfaffen krieg des teüfels gesindt,
ihr grosse abgöttereyen, [41]
also hoff ich,
gantz sicherlich,
werdt Gott sein gnad verleihen,
gedeihen. etc.

21.
Das die noch in dem papstumb sindt,

von pfaffen gar schendtlich verblendt,
Gott werdt ihn gnadt verleihen,
das sie nit schlecht
erkennen recht
des papsts abgöttereyen,
verspeihen. etc.

22.
Wer ist der uns das erstlich sang,

sag ich dem wer furwar nicht bang,
wann man ihn schon thet kennen,
er lesset sich
bei menninglich
wol ein studenten nennen,
ja nennen. etc.

[9] iSchnekhische Phrases
N.2.i

  1. a) verbessert aus uns
  2. b) etc.-Zeichen fehlt
  3. c) es fehlt ein Abstrich zur Lesung nimmer, bei der Lesung immer ist demzufolge ein Abstrich zuviel vorhanden; immer ist sinngemäß richtig.
  4. d) die Wortfolge recht, baldt ist durch die übergeschriebenen Ziffern 2 über recht und 1 über baldt in baldt recht korrigiert.
  5. e) Text: uns, Verschreibung.
  6. f) Vokal verloren (Wurmfraß)
  7. g) Trema auf dem a
  8. h) fehlt etc.-Zeichen
  9. i)-i) andere Hand