Eine Reform der Medizintropfen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine Reform der Medizintropfen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 147
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[147] Eine Reform der Medizintropfen. Nur ein Tropfen! So sprechen wir und bezeichnen damit die geringste Menge der Flüssigkeit, die wir abzumessen pflegen. Und doch ist der kleine Tropfen sozusagen ein sehr weiter Begriff, ein höchst schwankendes Maß. Wir brauchen ja nur die von der Natur gelieferten Regentropfen zu beobachten. Da klatschen mitunter Riesentropfen nieder, deren Schlag uns Schmerzen bereitet, oder es rieselt in feinen und feinsten mikroskopisch kleinen Tröpfchen. Trotz alledem gilt uns der Tropfen doch als ein Maß und wir messen mit ihm obendrein nicht etwa nur harmlose Flüssigkeiten, sondern oft recht zweischneidige Arzneien, die, in einer nur etwas zu großen Menge eingenommen, sehr leicht aus einem Heilmittel zu lebensgefährlichem Gifte werden. „Stündlich 10 Tropfen,“ steht es auf dem Rezept. Wir lassen nun die Tropfen aus der Medizinflasche in ein Glas oder auf ein Stück Zucker fallen, aber wie verschieden groß können die Tropfen sich gestalten. Die Größe und das Gewicht derselben hängt zunächst von der Beschaffenheit der Flüssigkeit, die wir abtröpfeln lassen, ferner von der Beschaffenheit des Flaschenhalses und dem Inhalt der Flasche ab. Je weiter der Flaschenhals, desto großer werden die Tropfen und aus einer vollen Flasche erhalten wir viel größere Tropfen als aus einer halbgefüllten oder nahezu entleerten. Am gleichmäßigsten gestalten sich die Tropfen, wenn wir sie durch enge Röhrchen fallen lassen. Alsdann hängt ihre Größe von der Größe der Ausflußöffnung ab. Jüngst wurden in dieser Hinsicht interessante Versuche angestellt. Läßt man Wasser durch verschieden weite Röhrchen abtröpfeln, so erhält man folgende Ergebnisse. Ist die Ausflußöffnung etwa 0,7 mm weit, so wiegen die Wassertropfen je 13 Milligramm, bei einer Röhrenweite von 1,40 mm erhielt man 26 Milligramm schwere Tropfen, während 15 mm weite Ausflußöffnungen Tropfen von 225 Milligramm Gewicht ergaben. Im Interesse des Kranken und des Arztes ist es nun dringend erwünscht, daß man Tropfgläser verwendet, die stets gleich große Tropfen ergeben. Zu diesem Zwecke hat man vorgeschlagen, die Stöpsel der betreffenden Medizingläser mit etwa 7 mm weiten Glasröhrchen zu versehen. Mit deren Hilfe würde man sozusagen Normaltropfen erhalten. Es würden alsdann auf je ein Gramm verschiedener Flüssigkeiten folgende Tropfenmengen kommen: von destilliertem Wasser 10 Tropfen, Karbolwasser 15 Tropfen, rektifiziertem Spiritus 29 Tropfen, Olivenöl 21 Tropfen, Chloroform 26 Tropfen, Aether 41 Tropfen etc. Hoffentlich wird eine derartige wünschenswerte Reform unserer medizinischen Tropffläschchen demnächst erfolgen!