Eine Sonnenmaschine

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Textdaten
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Autor: C. St.
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Titel: Eine Sonnenmaschine
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 92
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[92] Eine Sonnenmaschine. In einem Garten der Dictatorstadt Tours konnte man vergangenen Sommer eine gar seltsame Riesenblume schauen, die, einer Sonnenblume gleich, dem Laufe des strahlenden Gestirnes am Himmelsgewölbe nachfolgte, um vom Morgen bis zum Abend alle Strahlen in ihrem Busen zu sammeln. Sie schimmerte wie die Blüthe einer weißen Lilie oder besser wie die kegelförmige Hülle des Aronstabes (calla), den wir an unseren Fenstern ziehen, nur daß der Kelch einen regelmäßigen, aus silberplattirtem Kupfer gefertigten Hohlkegel bildete, dessen Oeffnung einen Durchmesser von 2,6 Meter hatte. Wie bei dem Aronstabe erhob sich inmitten des spiegelnden Kegels ein dicker Kolben, und ebenso wie man ihn bei unserer Zimmerblume zuweilen um fünf oder mehr Grade wärmer als die Zimmerluft findet, ward dieser Kolben im Kelche der Metallblume im Sonnenscheine sehr heiß, denn er stellte einen durch die im Spiegelkelche gesammelten Sonnenstrahlen geheizten Dampfkessel vor. Um also nicht länger durch die Blume zu sprechen – es handelt sich hier um eine jener Sonnenkraftmaschinen des Herrn A. Mouchot,[WS 1] von denen wir den Lesern der Gartenlaube bereits früher (Jahrgang 1874, S. 468) eine Beschreibung gemacht haben.

Hier nun einige Andeutungen über die mit diesem Modelle erzielten Wirkungen. Die in dem hohlcylinderförmigen Raume des Dampfkessels enthaltenen zwanzig Liter Wasser brauchten in der Maisonne keine Stunde, um in’s Sieden zu gerathen, und fünfzehn Minuten später war bereits eine Dampfspannung von fünf Atmosphären vorhanden. Dieselbe würde noch höher gestiegen sein, wenn man dem dünnwandigen Kessel hätte mehr zumuthen dürfen. An einem Julimittage verdampfte der Kessel in der Stunde fünf Liter Wasser, was einer Dampferzeugung von hundertvierzig Litern in der Minute entspricht. Man sieht, es würden sich mit dem durch eine bewegliche Röhre aus dem Kelche geleiteten Dampfe ganz ansehnliche Maschinen treiben lassen, aber vielleicht würde es die angemessenste Verwendung sein, wenn man den durch die Sonnenhitze erzielten Wasserdämpfen die im heiteren Süden so viel betriebene Parfüm-Industrie übertrüge, die Sonne, nachdem sie den Duft der Pflanzen erzeugt, auch veranlaßt, ihn für die Toilettenfläschchen der Damen und die Vorrathsgefäße der Apotheker zu sammeln. Es würde eine eigene Poesie darin liegen, auf die Rosenölfläschchen etc. schreiben zu können: „Ohne fremde Mithülfe von der Sonne bereitet und gewonnen“, oder kürzer: „Product der Sonne“.

C. St.




Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Mouchat