Ellwieens Schwanenlied. Zu singen im Herbste

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Ludwig Gotthard Kosegarten
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ellwieens Schwanenlied
Untertitel: Zu singen im Herbste
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1796, S. 167 – 170
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1796
Verlag: Michaelis
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Neustrelitz
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[167]
Ellwieens Schwanenlied.

Zu singen im Herbste.


     Wie blickst du aus dem Nebelduft,
O Sonne, bleich und freundlich!
Wie weht die dunstbeladne Luft
So rauh und menschenfeindlich!

5
     Es girrt die sterbende Natur

Ihr Schwanenlied so traurig,
Es stehen Busch und Wald und Flur
So herbstlich und so schaurig.

     Ihr Rosen, die der rauhe Ost

10
In ihrem Knospen pflückte;

Ihr Nelken, die der frühe Frost
Halbaufgeschlossen knickte!

[168]

     Ist euer Loos nicht auch mein Loos?
Seyd ihr nicht, was ich werde?

15
Entkeimt’ ich nicht, wie ihr, dem Schooß

Der mütterlichen Erde?

     Ist nicht mein Halm so jugendlich,
So schlank emporgeschossen?
Hat meiner Blüthen Knospe sich

20
Nicht drängend aufgeschlossen?


     Weckt meiner Augen blaues Licht,
Die Rose meiner Wangen,
Die Frische meiner Lippen nicht
Der Jünglinge Verlangen?

25
     Ach! klagt um eure Schwester, klagt,

Ihr Rosen und ihr Nelken –
Wie bald! – Und hin ist meine Pracht,
Und meine Blüthen welken.

[169]

     Verstreut ist all mein grünes Laub,

30
Geknickt mein schlanker Stengel,

Mein Staub gebettet in den Staub,
Mein Geist verklärt zum Engel!

     Der Wandrer, der in meiner Zier,
In meiner Schönheit Schimmer

35
Mich schaute, kommt und forscht nach mir,

Und sieht mich nimmer, nimmer!

     Es kommt der Jüngling, den ich mir
Erkohren einzig habe –
Ach! fleuch, Geliebter, fleuch von hier,

40
Dein Mädchen schläft im Grabe.


     Ach! traure, Theurer, traure nicht!
Des Grabes Dunkel schwindet,
Und himmlisch und unsterblich Licht
Glänzt dem, der überwindet.

[170]
45
     Triumph! Auf Herbstesdämmerung

Folgt milder Frühlingsschimmer.
Auf Trennung folgt Vereinigung –
Vereinigung auf immer!

KOSEGARTEN.