Erinnerungen aus meinem Leben/Der Bischof und die Jugend

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aus: Erinnerungen aus meinem Leben
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von: Willibrord Benzler
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Der Bischof und die Jugend

Das Herz des Bischofs Willibrord schlug warm für das Wohl seiner Untergebenen, ganz besonders warm für das Wohl der seiner Sorge unterstellten katholischen Jugend.

Er wachte sorgsam über die Erhaltung des konfessionellen Charakters der Volksschule. Mit unerschrockenem Mute trat er, auch öffentlich in der ersten Kammer, für die Rechte der katholischen Volksschule ein, wenn man sie antasten wollte.

Schwere Sorgen bereitete dem Bischof die Zukunft der katholischen Schulen in Lothringen nach dem Kriege. Er fürchtete, es könne gehen wie in Frankreich, und manche Anzeichen schienen diese Befürchtungen zu rechtfertigen. Deshalb empfahl er »die Organisation zur Verteidigung der christlichen Schule«, eine Vereinigung der Familienväter zur Wahrung ihrer Rechte auf die katholische Erziehung ihrer Kinder. In seinem Abschiedshirtenschreiben gab er seinen Diözesanen noch einmal entsprechende Mahnungen: »Tretet mutvoll ein für die Verteidigung Eurer religiösen Einrichtungen, wenn dieselben jemals bedroht werden sollten; vor allem gestattet niemals, daß die Schulen, in denen Eure Kinder erzogen werden, ihren katholischen Charakter verlieren.«

Bischof Willibrord verkehrte gern mit den Kindern. Seine kindliche Seele fühlte sich dabei so wohl. Es war ihm auch nicht schwer, in seinen Firmungsansprachen einen Ton zu finden, wie er dem Verständnis der Kinder angepaßt war. In den schweren Zeiten des Krieges nahm er mit seinen Sorgen mehrmals seine Zuflucht vertrauensvoll zum Gebete der Kinder. In dem schon erwähnten Fastenhirtenbrief von 1915, der über den heiligen Kreuzweg handelt, wandte sich der Oberhirte mit folgenden Worten an seine geliebten Kinder: »Mein letztes Wort soll an Euch, meine lieben Kinder, gerichtet sein. Ihr seid noch zu klein, um schon den ganzen Ernst der schweren Zeit zu verstehen, in der wir jetzt leben; [172] Ihr wisset noch nicht, eine wie furchtbare Heimsuchung der Krieg ist. Vielleicht empfindet Ihr es aber doch schon, besonders wenn einige Eurer Angehörigen, etwa Euer Vater oder Euer Bruder, mit in den Krieg ziehen mußten, wenn Ihr sehet, wie die Mutter nicht mehr so fröhlich ist wie sonst, wenn sie sich abhärmt und Tränen in ihren Augen glänzen. O liebe Kinder, Ihr könnt die Mutter trösten, dem Vater beistehen und auch den Verstorbenen zu Hilfe kommen. Gehet in die Kirche und nachdem Ihr den Heiland im Tabernakel angebetet habt, besuchet andächtig die Stationen des heiligen Kreuzwegs, welche Euch das Leiden des Heilandes vor Augen führen; suchet im Herzen nachzuempfinden, was Jesus für uns gelitten hat; danket ihm herzlich für seine Liebe, bittet ihn um Verzeihung für Eure Fehler und Sünden, und erneuert den festen Vorsatz, ihn nie mehr durch eine Sünde zu betrüben. Ein solches Gebet, liebe Kinder, ist dem göttlichen Erlöser überaus angenehm und wohlgefällig; und wenn Ihr ihn bei seinem bitteren Leiden anfleht, er möge Eure lieben Eltern segnen, Eure Angehörigen in seinen besonderen Schutz nehmen, und uns allen recht bald die Wohltat eines glücklichen Friedens wiederschenken, gewiß, der Herr wird Euer Gebet nicht unerhört lassen«.

Im gleichen Jahre 1915 richtete er am 11. Juni sogar einen eigenen Hirtenbrief an die Kinder seiner Diözese. Mit ergreifenden Worten ermahnt er sie zum andächtigen Besuche der heiligen Messe und zum öfteren Empfange der heiligen Kommunion; in der schweren Heimsuchung sollen sie Gottes Segen auf die Heimat herabziehen. Auch aus diesem oberhirtlichen Schreiben möge hier ein Abschnitt wiedergegeben werden:

»So kommt denn recht fleißig zur heiligen Messe, wohnt derselben mit Andacht bei und empfanget während derselben oft die heilige Kommunion. Bereitet Euch jedesmal sorgfältig vor auf den Empfang dieses hochheiligen Sakramentes. Erwecket vor allem einen lebendigen Akt des Glaubens. Saget Euch, daß Jesus, der menschgewordene Gottessohn, zu Euch kommt; Er, der als Gott dieselbe [173] Macht und Herrlichkeit besitzt wie der Vater und der Heilige Geist, der als Mensch für uns in der Krippe lag, in Nazareth gehorsam war, der uns das Evangelium verkündet und es durch so viele Wunder bestätigt hat, der für uns am Kreuze gestorben ist, glorreich von den Toten erstand, und jetzt zur Rechten des Vaters sitzt, von wo er dereinst wiederkommen wird, die ganze Welt, auch Euch, liebe Kinder, zu richten. Verdemütigt Euch vor diesem großen und heiligen Gott wegen Eurer Unwürdigkeit und bereut herzlich alle Eure Sünden. Geht dann aber auch mit großem Vertrauen zum lieben Heiland, der Euch so huldvoll zu sich einladet, opfert Euch ganz ihm auf und sagt ihm so recht von Herzensgrund, daß Ihr ihn liebet und ihn immer lieben wollet. Und wenn Ihr dann Euren Herrn und Erlöser empfangen habet, dann lasset wieder Euer Herz sprechen; betet ihn an, danket ihm, bittet ihn besonders um die Gnade, ihn nie durch eine schwere Sünde zu betrüben«.

»Bittet aber nicht nur für Euch, sondern auch für andere, für Eure Eltern und Verwandte, Seelsorger und Lehrer und in der jetzigen schweren Zeit ganz besonders für die großen Anliegen des Vaterlandes und der heiligen Kirche. Die Augenblicke nach der heiligen Kommunion sind überaus kostbar; Ihr müßt sie gut benützen. Wenn Ihr so kommuniziert, liebe Kinder, und oft kommuniziert, dann werdet Ihr bald an Euch selbst erfahren, wie gut der Herr ist und wie sehr er Euch liebt. Fürchtet ja nicht, Ihr müßtet um oft zu kommunizieren, ein trauriges Gesicht machen und den Kopf hängen lassen. Im Gegenteil, froh und fröhlich sollt Ihr sein; ja der liebe Heiland wird seine eigene Freude Euch ins Herz legen, eine Freude, der gegenüber alle irdische Freude nur Bitterkeit ist. So sprechet denn freudigen Herzens mit dem Psalmisten: »Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend, meine Kindheit erfreut!«

Gewiß hat jener Pfarrer vielen anderen Seelsorgern aus der Seele gesprochen, der nach Empfang dieses Hirtenschreibens dem Bischof im Namen der Kinder dankte und hinzufügte: »Wie schön, wie praktisch ist der Brief von Anfang bis zu Ende!«