Etwas von den Orgeln

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Textdaten
Autor: Christoph Ferdinand Moser
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Titel: Etwas von den Orgeln, wie solche mit Vortheil zu gebrauchen, vor Schaden zu bewahren, und auch am besten zu unterhalten sind.
Untertitel:
aus: „3. Zugabe“ zum Taschenbuch für teutsche Schulmeister auf das Jahr 1786, S. 121–126
Herausgeber: Christoph Ferdinand Moser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1786
Verlag:
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Erscheinungsort: Ulm
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Digitalisat bei BBF/DIPF
Kurzbeschreibung: Hinweise zur Orgelpflege für Landorganisten
Siehe auch Themenseite Orgel
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3. Etwas von den Orgeln, wie solche mit Vortheil zu gebrauchen, vor Schaden zu bewahren, und auch am besten zu unterhalten sind.

Zur Wartung und Erhaltung einer Orgel auf dem Lande hat ein Organist folgende Punkte in Acht zu nehmen:

1) Sehe man wohl darauf, daß die Klaviatur beständig in gerade Linie liege, als welche durch die angebrachten Schrauben leicht in Ordnung erhalten werden kann; denn wenn sich solche nach und nach senken, so können sich die Ventile durch die Claves nicht ganz aufziehen, das Pfeifenwerk hat nicht hinlänglichen Wind, und daraus folgt, daß das Werk verstimmt und unrein klingt, welches durch eine gerade Linie verhindert wird.

2) Soll er Acht haben, wenn etwas heult, welches aus verschiedenen Ursachen entstehen kann, nämlich, wenn etwas auf dem Ventile liegt, wenn sich ein Spängen wo verhalten, und darauf gefallen ist, oder wenn eine Fliege, die durch die Balgventile oftmals durchschlupft, zwischen das Ventil gekommen ist, solches kann man durch ein hiezu |[122]gemachtes Krükchen von Drath, oder durch einen Span, der zugespizt ist, leicht herausnehmen. Ist dieses nicht, so liegt es oft auch an einer Welle, die den Wellstift klemmt, welches sonderlich zur Winterzeit gar leicht geschehen kann, wenn das Holz quillt; da darf man nur mit einer Spizzange den Stift herausnehmen und das Loch mit einer Bohrspizze ein wenig aufreiben, so ist dieser Fehler gehoben. Noch eine Ursache ist, wenn zwischen der Claviatur etwas liegt, da es denn vorne sich klemmt, oder anhält, welchem aber sehr leicht abzuhelfen ist, wenn man den Clavem in die Höhe hebt, denn alsdann fällt es selbst ab.

3) Sollten die Spünde, so vor dem Windkasten sind, etwann bei sehr troknem Wetter Wind streichen lassen, so lege man zwischen das Leder, welches an dem Spunde so angeleimt ist, daß man es doch ablösen kann, ohne es los zu machen, (welche Vorsorge allezeit ein Orgelmacher haben soll,) einen Streif Schafleder, oder in Ermangelung dessen doppelt Papier, so ist es wieder stille, und es kann kein Wind durchschleichen.

4) Soll er Acht haben auf die Bälge und Canäle, daß der Schnee im Winter, da solche meistentheils unter den Dächern liegen, abgekehrt werde, und nicht auf solchen aufthaue. Sollten aber die Canäle, wenn sie vorher gequollen, im Sommer an den |[123]Fugen springen; so kann man mit Hülfe eines Tischlers (Schreiners) an die gesprungenen Orte einen Streif Schafleder aufleimen lassen, und der Kirche manchmalen etliche Thaler erhalten, weil bei Entfernung eines Orgelbauers die Reisekosten schon soviel betragen.

5) Sprechen die Bässe nicht an, wenn sich ein Ventil aufzieht, so kommt es daher, daß sich eine Welle geworfen, auch der abstrakte Drath in den Wellarmen sich ausgespielt hat. Da kann man das Spund aus der Windlade nehmen, und sehen, ob sich das Ventil ganz aufzieht, wie die andern, denn es muß sich 1/4 Zoll aufziehen, das ist genug. Ziehet nun der Clavis das Ventil nicht so viel auf, wie die andern, so nimmt man eine Drathzange mit zwei Spizzen, und ändert den Haken an der Abstrakte, daß solche kürzer wird, so viel nämlich, als sonst zum Aufziehen nöthig ist, aber ja nicht weiter, sonst leidet das Säkchen und kann leicht zerreissen.

6) Sollte an dem Subbaß, wenn sich ein Dekel gesenkt, der Ton daher nicht mehr rein ansprechen, so darf man solchen, wenn er sich gesenkt hat, nur herausheben, und wenn er sehr getroknet ist, ein wenig Leder darzwischen legen, und wieder hineinschlagen, und stimmen, welches leicht mit Beihülfe des Getakt 8 Fuß geschehen kann. Ist aber etwas in das Labium zwischen den Kern gekommen, so kann man mit |[124]einem dünnen Blech solches herausschieben und heben, und alsdann spricht der Ton rein an.

7) Bei den Getakten im Manual gehet es ebenfalls so, daß sich bisweilen ein Dekkel senkt. Diesen kann man mit leichter Mühe heben, und in den gehörigen Ton stimmen, wenn nur das Prinzipal darzu gezogen wird. Die offenen Pfeifen verstimmen sich wenig. Im Herbst fällt manchmalen ein Umstand vor, daß sich nämlich die Fliegen in die kleinen Pfeifen verkriechen und im Winter darinn sterben; eine solche Fliege macht die Pfeife ganz falsch, diesem aber kann ein wachsamer Organist leicht abhelfen.

8) Auch soll man Acht haben, daß das Gewicht auf den Bälgen durch Kinder, welche oft auf den Thürmen das Läuten verrichten müssen, nicht ungleich gemacht werde, weil alsdann ein Balg stark, der andere aber schwach bläßt. Man hat daher auf die Verwahrung zu dringen, daß solche durch die Vorsteher besorgt und verschlossen werden.

9) Sind Rohrwerke in einer Orgel, als etwa ein Posaunenbaß oder Trombone 8 Fuß, so ist folgendes in Acht zu nehmen: Erstlich daß solche Bässe alle Sonntage gestimmt werden. Denn wenn es kalt Wetter wird, so wird die messingne Zunge hart, mithin auch höher am Ton, folglich muß solche tiefer gestimmt werden. Spricht der Ton nicht gehörig an, so sehe man, |[125]ob etwas zwischen der Zunge und dem Mundstükke liegt, ob etwann ein Körnlein Sand von oben hineingefallen. Oft fallen auch junge Vögel, Fledermäuse u. s. f. in die Corpora; weil sie gespizt unten zu gehen, so kann nichts zurükke kommen. Daher will nöthig sein, dahin zu sehen, daß diese gehörig rein und ordentlich gehalten werden. Bei trokkenem Wetter fällt auch wohl ein Keil, womit die Zunge bevestigt ist, heraus, und hinunter in den Stiefel; solchen muß man also heraus nehmen, und am gehörigen Ort wieder hineinschlagen. Mehr daran zu thun, ist nicht zu rathen; an der Zunge ist nichts zu bessern, ohne gehöriges Werkzeug. Ein gut gearbeiteter Posaunenbaß, der der beste unter allen Bässen ist, kann 20 Jahre ohne Reparatur stehen.

10) Das Stimmen an dem Kronwerk, sonderlich in dem kleinen Pfeifwerk, lasse man ganz weg, denn ohne Uebung und Werkzeuge verderbt man mehr, als man gut macht; es dardurch zu lernen, ist nicht möglich. Ein gutes Werk kann 6 bis 8 Jahre stehen, ohne gestimmt zu werden, je nachdem es trokken steht.

11) Endlich soll man auch niemanden über seine Orgel lassen, weder zum Spielen noch zum Besehen, es seie denn, daß man den Mann kenne, denn oft spielen solche Leute mit so viel Lermen, als wenn sie die Orgel zerreissen wollten; oder wenn sie solche besehen, |[126]nehmen sie Pfeifen heraus, verbiegen selbige und sezzen sie unrecht hinein, und so sind sie verstimmet, welches in getakten Pfeifen leicht geschehen kann, und allezeit schädlich ist.

12) Ziehe man die Register nicht mit solcher Gewalt heraus, als wollte man solche zerreissen, da die von guten Meistern sich allezeit willig abziehen lassen.

13) Auch dem Balgtreter soll man anbefehlen, daß er die Bälge sanft niedertrete und auch den Fuß langsam aufhebe, daß kein Stossen dardurch entstehe, welches den Bälgen höchst schädlich ist.

Wenn man obige Besorgung in Acht nimmt, wird sich jedes Orgelwerk allezeit in gutem Stande erhalten. S. J. Ch. Heppens Encyclopädisches Jahrbuch für Liebhaber der Haushaltungskunst vom Jahr 1782, S. 19–21.