Falsche Ehre

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Autor: unbekannt
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Titel: Falsche Ehre
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aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 25–27
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[25]
Falsche Ehre.
I.

Es war zu Boulogne im Jahre 1804, als Napoleon der Onkel, der mit den Engländern auf weniger freundschaftlichem Fuße stand denn Napoleon der Neffe, allen Ernstes die Küsten seines stolzen Gegners mit einer Landung zu bedrohen schien. Der Hafen von Boulogne war mit zu einer solchen Expedition tauglichen Schiffen überfüllt, und eine zahlreiche und kriegslustige Armee erwartete sehnsüchtig das Zeichen zur Einschiffung. Daß dieses nie gegeben werden würde, ahnte damals noch Niemand, die Unthätigkeit aber, zu welcher sich die muthigen Krieger verurtheilt sahen, zog den Uebelstand nach sich, daß es unter ihnen selbst mehr als sonst zu Händeln kam. Die in den Kaffee- und Weinhäusern zugebrachte müssige Zeit gab dazu mancherlei Veranlassung.

Unter den Offizieren, welche dergestalt in ein feindliches Verhältniß geriethen, befanden sich auch zwei zur Marine gehörige: Lieutenant Belmont und Fähndrich Trelat. Der Erstere, von sanftem, ruhigem Charakter und schon reifern Alters, hatte mehrere kriegerische Expeditionen mitgemacht und verdankte einzig seinen Talenten und geleisteten Diensten den Grad, den er bekleidete. Der Andere, um mehrere Jahre jünger, war weniger besonnen und dafür um so viel hitziger; auch hatte er seine Beförderung nicht ganz ausschließlich seinen Verdiensten zu verdanken.

Diese beiden Männer von so verschiedenem Charakter, zwischen denen im Dienste nicht einmal eine unmittelbare Berührung stattfand, waren zu bittern Feinden geworden, ohne sich selbst recht des Ursprungs ihres Zwistes bewußt zu sein; ihn fortwährend zu nähren, sorgte aber die Rücksichtslosigkeit Trelat’s durch peinigende Scenen dafür.

Das gehässige Benehmen Trelat’s ging dabei eines Tages im Kaffeehause so weit, daß er seinen ältern Kamerad und Vorgesetzten im Grade nicht nur beleidigte, sondern, mit Hintansetzung aller Schicklichkeit, ihn sogar öffentlich forderte und ihn bei Nichtannahme seiner Forderung als Feigling zu betrachten drohte.

„Man hat mir,“ versetzte der Lieutenant kalt, der dem heißblütigen Fähndrich gegenüber seine Ruhe bewahrte, „die Waffen nicht gegeben, um sie gegen meine Kameraden und Landsleute zu gebrauchen; daß ich aber Muth besitze, wird man wissen, ohne daß ich neue Proben davon ablege. Auch habe ich keine Lust, Ihrer Carrière, Herr Fähndrich, durch einen Degenstich ein frühen Ende zu machen, wo Sie vielleicht bald eine bessere und rühmlichere Gelegenheit zum Tode finden, und eben so wenig bin ich geneigt, mein eigenen Leben in einem persönlichen und durchaus grundlosen Streite auszusetzen, bei welchem weder der Eine noch der Andere von uns Ehre erwerben kann. Mein Blut gehört dem Vaterlande, und nur für dieses werde ich es freiwillig vergießen.“

So vernünftig und würdevoll auch diese Weigerung ausgedrückt war, so konnte sie doch unmöglich von Leuten begriffen werden, welche mit dem traurigen Vorurtheil aufgewachsen waren, daß eine Beleidigung nur durch Blut abgewaschen werden kann. Die Antwort des Lieutenants wurde daher mit mißbilligendem Murmeln aufgenommen und Trelat’s Aufregung zumal erreichte den höchsten Grad.

„Ich bewillige Ihnen,“ rief er seinem Gegner zu, „vierundzwanzig Stunden Zeit zur Ueberlegung, und wenn Sie mir nach dieser Frist nicht die verlangte Genugthuung gegeben haben, so werde ich Ihnen allüberall, wo ich Sie treffe, den letzten Schimpf zufügen, der einem Manne und zumal einem Militär widerfahren kann.“

Bei diesen Worten überzog sich das Gesicht Belmont’s mit tödtlicher Blässe, seine Lippen zitterten krampfhaft und die Hand an den Degen legend, rief er mit bebender Stimme: „Thun Sie das nicht! Thun Sie das nicht! denn ich würde Sie tödten und wir wären Beide unglücklich. Ich würde Sie tödten!“ wiederholte er, diese Worte dumpf betonend, während seine Augen düster dazu flammten. „Ich würde Jeden tödten, der die Hand gegen mich zu erheben wagen sollte. Sie Alle haben es gehört,“ fuhr Belmont mit wilder Stimme fort, indem er sein Auge langsam und fest über die zahlreichen Zeugen dieser sonderbaren Scene schweifen ließ; „ich schwöre bei Gott, daß, wenn Herr Trelat seine Drohung verwirklicht, ich die meinige verwirkliche, und dann… falle das vergossene Blut auf sein Haupt.“

Mit diesen Worten entfernte sich Belmont, die erstaunten Anwesenden in tiefem und langem Schweigen zurücklassend.

„Dies ist sonderbar,“ hob endlich ein Schiffslieutenant an; „dieser Mann, dessen Kamerad zu sein ich erröthe, entehrt die Offiziersepaulette, und doch wundert mich sein Betragen um so mehr, als ich weiß, daß er das Pistol gleich geschickt handhabt wie den Degen, und es sehr schwer sein würde, ihm mit der Waffe beizukommen.“

„Er trifft eine Schwalbe im Fluge,“ bemerkte ein Anderer.

„Sie können von Glück sagen,“ fügte ein Dritter, sich an Trelat wendend, hinzu, „daß er Ihre Forderung nicht angenommen hat, denn nach Allem was man hört, ist einem solchen Gegner bös Gegenüberstehen.“

„Das ist ganz gleich,“ versetzte der aufgeregte Fähndrich, dessen Eigenliebe durch die letztgemachte Bemerkung erst recht verwundet wurde, und der daher weniger als je zurücktreten zu können [26] glaubte. „Besser ein festes Herz und eine ungeschickte Hand als ein sicheres Auge und eine feige Seele. Und nur ein Feigling kann bei so vielen Vortheilen, die er über mich hat, zurückweichen. Verweigert er, sich mit mir zu schlagen, so muß er aus dem Corps gestoßen werden, dem anzugehören er unwürdig ist, denn Feiglinge dürfen wir unter uns nicht dulden.“

„Was das anbelangt,“ nahm ein Vierter das Wort, „so bin ich nicht ganz derselben Meinung, das heißt, ich bin von seiner Feigheit nicht so ganz überzeugt, wie Sie es scheinen, denn sein ganzes Auftreten verrieth doch den beherzten und entschlossenen Mann.“

„Lieutenant Belmont ist ein tapferer und unerschrockener Seemann,“ ließ sich ein Schiffsaspirant erster Klasse voller Eifer vernehmen, und erzählte als Beleg für seine Behauptung eine Scene, der er während eines Sturmes am Vorgebirge der guten Hoffnung mit beigewohnt, und wo der Kapitän, zur Rettung des von unvermeidlichem Untergange bedrohten Schiffes, einen freiwilligen Mann aufgerufen hatte, um hoch oben am Hauptmast ein Segel loszuhauen. Niemand hatte dem Aufrufe Folge zu leisten gewagt, als plötzlich Lieutenant Belmont, mit einem Beile in der Hand, das Tauwerk hinangeklettert war und mit einem kräftigen Hiebe das Segel heruntergehauen und so das Schiff gerettet hatte.

Die Zuhörer konnten sich nicht enthalten, ihre Bewunderung über diese muthige That auszusprechen.

„O, ich könnte Ihnen noch lange von seinen wackern und edeln Thaten erzählen,“ fuhr der Aspirant fort. „So fiel ein anderes Mal ein Matrose in’s Meer; Belmont stürzt sich ihm schnell nach und trotz der hochgehenden Wogen und dem schnellen Laufe des Schiffs hält er mit seinem nervigen Arm den Mann, der ohne seinen großmüthigen Beistand ertrunken wäre, während einer Viertelstunde empor, bis Beide vom Schiff aus gerettet wurden.

„Das ist wacker, sehr wacker!“ riefen die Offiziere von Neuem.

„Sie sehen daraus,“ schloß der Erzähler, „daß Belmont nicht den Tod fürchtet, und daß er folglich auch kein Feigling ist.“

„Am Unangenehmsten ist,“ meinte einer der Marineoffiziere, „daß der Auftritt in Gegenwart von Offizieren vorgefallen ist, die nicht zu unserm Corps gehören. Wären wir unter uns gewesen, so könnte sich die Sache beilegen lassen, allein so ist es nicht wohl möglich. Welche Meinung würde man von uns haben?!“

„Das wollen wir gleich sehen,“ versetzte der Aspirant, indem er eine Gruppe von Infanterieoffizieren, die sich in einiger Entfernung unterhielt, scharf musterte und dazu mit lauter Stimme rief: „Es giebt keine Feiglinge in der Marine, und ich bin bereit gegen Jeden, der das Gegentheil zu behaupten wagt, dafür einzustehen.“

„Warum aber,“ meinte Trelat, der diese unmittelbare Herausforderung unbeantwortet bleiben sah und das unterbrochene Gespräch wieder anknüpfen wollte, „warum aber hat Belmont mein Cartel abgelehnt?“

„Das begreife auch ich nicht,“ gab der Lobredner des Lieutenants zur Antwort. „Ich gestehe, daß sein Benehmen sonderbar ist; es muß jedoch ein Geheimniß darunter stecken, das ich nicht zu erklären weiß, das uns aber vielleicht die Zukunft enthüllen wird.“

„Ja, es ist dies auffallend, unerklärlich!“ wiederholte man von allen Seiten, und wenige Augenblicke darnach trennte sich die Gesellschaft.

Trelat kehrte nachdenkend in seine Wohnung zurück und war, vielleicht zum ersten Male in seinem Leben, mit sich selbst unzufrieden; er bedauerte den Vorfall mit Lieutenant Belmont.


II.

Mit dem ersten Grauen des folgenden Morgens wurde die Stadt, die Flotte und beide Lager plötzlich durch einen vom Hafendamm aus gelösten Kanonenschuß geweckt. Man signalisirte eine Abtheilung von Handelsschiffen, welche unter dem Schutze der Nacht den Hafen zu gewinnen versucht hatten, und denen jetzt eine feindliche Fregatte und mehrere andere kleinere Schiffe den Weg versperrten. Der Admiral befahl sogleich einer Division der Flotille, dem bedrohten Convoi in Masse zu Hülfe zu eilen, und gleich darauf sah man eine der Kanonierschaluppen, welche hart am Eingang der Rhede vor Anker lag, ihre Ankertaue abhauen, alle Segel einsetzen und auf die feindliche Fregatte lossteuern, um allein den Kampf zu beginnen, obwohl der Admiral dies ausdrücklich verboten. Der die Schaluppe befehligende Offizier täuschte sich nicht über seine Lage, und verhehlte sich weder das Verwegene seines Unternehmens, noch den voraussichtlichen Ausgang des ungleichen Kampfes, in welchen er sich einließ. Keine Illusion war in dieser Beziehung zulässig, allein er war entschlossen, die sich selbst gestellte Aufgabe auszuführen, nämlich die Fregatte zu beunruhigen, wenn möglich aufzuhalten und sich nöthigenfalls in den Grund bohren zu lassen, um das Convoi zu retten. Der über solche Kühnheit erstaunten Mannschaft gab er seinen Entschluß gleich dadurch zu erkennen, daß er seine Flagge am Maste festnageln ließ.

Es war ein eben so großartiges als trauriges Schauspiel, diese armselige Schaluppe zu sehen, wie sie sich mit ihrem furchtbaren Gegner zu messen versuchte, wie ihr Kommandant mit eben so viel Geschick und Kaltblütigkeit als Glück den Zusammenstoß mit diesem Koloß vermied, der ihn beim geringsten Anprall unfehlbar zertrümmert haben würde, und eben deshalb verschmähte, von seiner Artillerie einem so schwachen Gegner gegenüber Gebrauch zu machen. Die englische Fregatte suchte einfach die französische Schaluppe über den Haufen zu fahren, während die auf ihr befindlichen dreihundert Matrosen den Nationalgesang anstimmten: „Rule Britannia, rule the waves!“ worunter sich der Ruf mischte: „Nieder mit Eurer Flagge, französische Hunde!“ Die Franzosen antworteten hierauf nur mit dem Rufe: „Tod den Engländern! Tod den Engländern!“

Mittlerweile feuerte die Schaluppe einen glücklichen Schuß ab, der einige Mann auf dem Vorderdeck der Fregatte tödtete, worauf diese mit einigen Kugeln antwortete, in der Hoffnung, daß dieses hinreichend sein würde, das französische Fahrzeug zum Beilegen zu zwingen. Allein die Engländer hatten die Zeche ohne den Wirth gemacht, die dreifarbige Flagge wehte nach wie vor hoch und stolz in der Luft. Der englische Kapitän, Wuth und Rache schnaubend, ließ jetzt sein volles Feuer auf die verwegene Schaluppe spielen, die wie in einen Vulkan eingehüllt, unter Blitzen und Flammen begraben erschien.

Eine zahllose Menge von Zuschauern war an den Meeresstrand herbeigeeilt, um diesem gewaltigen Schauspiel beizuwohnen. Furcht, Mitleid, Stolz, tausend verschiedene Gefühle spiegelten sich wechselsweise in allen Gesichtern ab, und während der Donner der Geschütze dumpf widerhallend von Woge zu Woge bis an die Küste getragen wurde, schlugen die Herzen von Tausenden von Franzosen in fieberhafter Spannung. Bei jeder Ladung der Fregatte bebte die bestürzte Menge ängstlich zusammen, so sehr fürchtete man und hatte die schmerzliche Gewißheit, die kleine Schaluppe auf immer unter dem Feuer des Engländers verschwinden zu sehen.

Von Zeit zu Zeit donnerte vom Ufer aus zur Ermuthigung ein: „Es lebe der Kaiser! Es lebe Frankreich!“ zum Himmel, das jedoch nicht bis zu der Schaluppe drang, die aber immer wieder aus Rauch und Flammen empor tauchte, hoch oben die stolz flatternde Flagge.

Bald aber machte die Furcht dem Staunen Platz, als plötzlich die Fregatte ihr Feuer einstellte, obwohl die Schaluppe sich nicht ergeben hatte, da sie auf ihren Gegner fortfuhr zu feuern, und zwar in einer Stellung, wo sie von dessen furchtbaren Ladungen nicht getroffen werden konnte. Das Räthsel war bald gelöst. Die Fregatte konnte wegen gänzlicher Windstille nicht mehr manövriren, dafür setzte sie nun aber alle Boote mit den besten Leuten aus, um das ärmliche Fahrzeug, das ihr zu widerstehen wagte, zu entern und so dem Kampfe mit einem Schlage ein Ende zu machen. Doch auch jetzt noch täuschten sich die Engländer in ihrer Erwartung, da sie es mit einem Gegner zu thun hatten, der eher unterzugehen als die Flagge zu streichen geschworen hatte.

Dreimal versuchten die englischen Boote die Schaluppe zu entern, allein dreimal wurden sie zurückgeschlagen und das mörderische Feuer der Franzosen zwang sie zuletzt, mit dem Verlust der Hälfte ihrer Mannschaft, an Bord der Fregatte zurückzukehren. Wenige Augenblicke darnach begann die Kanonade mit erneuerter Heftigkeit.

In derselben Zeit waren die übrigen französischen Kanonierschaluppen nicht müssig geblieben. Die Einen hatten die kleinern englischen Schiffe angegriffen, das Einlaufen des Convoi beschützt; die Andern eilten zum Beistand ihrer Kameraden herbei. Die [27] Letztern kamen indeß zu spät an, denn als der Pulverdampf sich ein letztes Mal verzogen hatte, zeigte sich die englische Fregatte so übel zugerichtet, daß sie ihren ärmlichen Gegner, den sie anfangs so sehr verachtet hatte, weder nehmen, noch in Grund bohren, ja nicht einmal verfolgen konnte. Von den Küstenbatterien bedroht, welche schon zu feuern anfingen, mußte sie sich noch glücklich genug schätzen, das Weite gewinnen zu können. An ihrem Bord war jetzt Alles still und düster, die Siegesgesänge hatten aufgehört; dagegen ließ sich von der französischen Küste her ein lang anhaltendes Triumphgeschrei vernehmen.

Das Verdeck mit Blut überschwemmt und von Todten und Verwundeten bedeckt, die Segel zerfetzt, die Planken durchlöchert, so kehrte, von einem andern Schiffe in’s Schlepptau genommen, die tapfere Schaluppe in den Hafen zurück, wo sie von den Salven aller Batterien, dem Jubel der Bevölkerung, der Armee und der Flotte begrüßt wurde. Alle Fahrzeuge waren wie zu einem großen Feste beflaggt und bewimpelt. Alles gab sich der Freude hin. Jeder wollte dem muthigen Kommandanten der Schaluppe die Hand drücken und sein Lob erschallte von allen Seiten.

Es war ein förmlicher Triumphzug. Der leicht blessirte Kommandant schritt langsam durch die auf- und abwogende Menge, welche untereinander wetteiferte, ihm ihre Bewunderung zu bezeigen. Plötzlich machte der Zug Halt, ein Adjutant des Kaisers erschien, näherte sich dem wackern Offizier und sagte: „Der Admiral, gegen dessen Befehl Sie gehandelt baben, indem Sie die feindliche Fregatte allein angriffen, befiehlt Ihnen, sich in Haft zu begeben.“

Ein dumpfes mißfälliges Murmeln ließ sich bei diesen Worten in der Menge vernehmen.

„Se. Majestät jedoch, der Zeuge Ihres tapfern Benehmens gewesen,“ fuhr der Adjutant mit erhobener Stimme fort, „hat mir befohlen, Ihnen Ihre Ernennung zum Fregattenkapitän und Ritter der Ehrenlegion anzukündigen. Empfangen Sie hier, Herr Kapitän, das Kreuz von mir im Namen Seiner Majestät des Kaisers.“

Bei diesen Worten erhob sich stürmischer Beifall und das Jubelgeschrei: „Es lebe der Kaiser! Es lebe der tapfere Kapitän!“ wollte kein Ende nehmen. In diesem Augenblicke stürzte entblößten Hauptes und Thränen in den Augen ein Offizier herbei, ergriff mit Wärme die Hand des neuen Ritters der Ehrenlegion und rief in gepreßtem Tone:

„Ich habe Sie verkannt, Belmont, mein tapferer Kamerad, mein Waffenbruder! habe Sie beleidigt! Können Sie mir verzeihen?“

„Ich habe nichts zu verzeihen, Trelat,“ versetzte der Held erweicht, „und fühle mich glücklich, Ihre Achtung erworben zu haben, wie ich hoffe, eines Tages Ihre Freundschaft zu erwerben. Ihr Platz ist hier,“ fügte Belmont auf sein Herz zeigend hinzu, und die beiden kurz vorher noch bitter verfeindeten Offiziere sanken einander in die Arme. Es war eine Freundschaft für das übrige Leben geschlossen.


Einige Tage später führte Belmont den neuen Freund im Kreise seiner Familie ein, die aus seiner betagten Mutter, seiner Frau und sechs Kindern bestand. „Sie werden nun einräumen,“ wandte er sich an Trelat, „daß wenn man eine solche Familie hat und deren einzige Stütze ist, man sich nicht entschließen kann, sein Leben anders auf’s Spiel zu setzen, als zum Nutzen und Ruhme des Vaterlandes allein.“