Farbenmusik

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Titel: Farbenmusik
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aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 338
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[338] Farbenmusik. Seit jeher hat sich eine Vergleichung der Töne mit den Farben aufgedrängt; die Maler sprachen von Farbentönen wie die Musiker von Klangfarben und beide von Harmonien, Dissonanzen etc. der Farben und Töne. Als Newton das weiße Sonnenlicht durch das Prisma in eine Farbenscala zerlegt hatte, da stellte er, einzig der siebentönigen Tonleiter zu Liebe, sieben Hauptfarben auf; andere Forscher fanden, daß die Vocale ganz deutliche Farben besäßen, das; z. B. i gelb und u blau seien, ja Leonhard Hoffmann in seinem Buche über die Farbenharmonie (1786) verglich das reine Blau dem Tone der Violine, das Grün der Menschenstimme und fand die Klänge der Clarinette gelb, der Trompete hochroth, des Waldhorns purpurn, des Fagotts violet, des Violoncells indigoblau etc. Auf diese Vergleiche gestützt versuchte zuerst der Physiker Bertrand Cassel (1688 bis 1757) ein Farbenclavier zu construiren, in welchem das Erscheinen harmonischer und dissonirender Farben in bestimmter Folge den Eindruck einer Farbenmusik hervorbringen sollte. Diese Idee ist ihrer Zeit sehr viel besprochen worden, aber es scheint nicht, daß sie jemals mit einigem Erfolge ausgeführt worden wäre. Neuerdings hat der englische Physiker Sedley Taylor in Cambridge, von den Versuchen mit dem Telephon ausgehend, einen Apparat erdacht, der das Schauspiel einer Farbenmusik in prachtvollster Weise verwirklicht, und den er Phoneidoskop genannt hat. Das Instrument, welches von der Firma C. Tisley u. Comp. in London bezogen werden kann, besteht einfach aus einer metallenen Röhre von der Gestalt eines L, die auf einem kleinen Gestell befestigt ist. An das wagerechte Rohr ist ein Gummirohr mit Mundstück befestigt, um bequem den Klang der Stimme, einer Stimmgabel oder eines musikalischen Instrumentes in das Rohr einzuleiten. Auf die obere Oeffnung werden kleine Blechscheiben gelegt deren verschieden geformte Oeffnungen durch einen Kameelhaarpinsel und gutes Seifenwasser mit einer Seifenblasenhaut versehen werden. Sobald man nun mittelst des Mundstückes einen musikalischen Ton auf das farbespielende Häutchen leitet und dasselbe gleichsam zum schwingenden Telephonplättchen macht, bilden sich prachtvolle Farbenwirbel mit dazwischen stillstehenden Farbenstreifen ähnlich den Klangfiguren, die aber beständig Färbung, Form und Geschwindigkeit ändern, je nachdem das Häutchen dünner wird, der Ton wechselt oder seine Stärke verändert. Die in das Rohr gesungene Tonleiter bringt eine ganze Folge der herrlichsten kaleidoskopischen Farbenmuster, die sich in unerschöpflicher Fülle immer neu und anders gestalten, bis dazwischen schwarze Streifen und Punkte entstehen, worauf das Häutchen platzt.