Freiherr von Fahnenberg

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Textdaten
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Autor: Franz Julius Borgias Schneller
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Titel: Freiherr von Fahnenberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 385–386
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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Freiherr von Fahnenberg.

Freiburg blickt mit Dank auf das Geschlecht der Fahnenberg. Als Marschall Billars die Stadt belagerte und die Franzosen zum Sturme heranrückten, zog sich der Oestereichische Feldherr v. Harsch in die Schlösser und überließ die Einwohner einer greulichen Verwirrung, ohne eine Unterhandlung zur Abwehrung des Sturmes zu pflegen. Auch die bei Sickingen versammelten hohen Herrn zerstreuten sich, ohne Maßregeln zur Rettung zu treffen. Die Bürger flohen heim Donner der Schwergeschütze schaarenweise aus ihren Häusern in die Kirche, um da beim Klange der heiligen Glocken an den Altären Schutz zu suchen. Sogar im gewaltigen Münster war kaum noch ein Raum am Hochaltar für den Priester und die Leviten übrig. Nur ein einziger Mann, der Stadtschreiber Doctor Franz Ferdinand Mayer, verlor in dieser allgemeinen Bestürzung die Besonnenheit nicht. Da er sah, daß von Seiten der Behörde, weder von Feldhauptmann noch von den Landeständen, ein Beschluß zur Rettung vor der Verwüstung erwartet werden könne, nahm er noch einen muthigen Bürger, nämlich den Bildhauer Norbert Wüst zu sich, und eilte mit ihm in den Rathshof, um zwei dort befindliche (kurz zuvor, trotz vielseitigen Abrathens, verfertigte) weiße Fahnen zu ergreifen. Da die wackern Männer nicht durch das stark verrammelte Thor dringen konnten, stellten sie sich mit den hoch geschwungenen Fahnen auf den Riß der Mauer, [386] hielten unerschrocken das Kleingewehrfeuer der Belagerer aus, drangen bis zum Feldherrn der Feinde, und erwirkten durch ihre Beredtsamkeit, das Mayer als Geisel behalten und Wüst als Bote zurück zu den Behörden gesandt wurde, damit die Freiherren von Sickingen, Kageneck und Wittenbach sich in’s Hauptlager aufmachten und durch einen Fußfall Gnade und Schonung für die Stadt erflehten, was ihnen auch gewährt wurde. Wer vermöchte den Jubel der Einwohner zu schildern, da sie sich nun wirklich von den Greueln der Verwüstung und Plünderung gerettet sahen? Tausend Segenswünsche begrüßten den zurückkehrenden, heldenmüthigen Doctor und Stadtschreiber, welcher um dieser schönen That willen sogleich mit dem Rechte eines Ehrenbürgers von Freiburg beschenkt, später in den Ritterstand erhoben und Stammvater der noch jetzt blühenden Familie der Freiherren von Fahnenberg wurde.

Julius Schneller.
(Siehe „Freiburger Wochenblätter“ 1836.)