Fridolin

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Fridolin
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aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 164–166
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[164]
Fridolin.

In des Markwalds dunkeln Schatten
Steigt ein Eiland aus dem Rhein,
Wo sich schwarze Tannen bücken
Ueber kahles Felsgestein.

5
Einst mit seinen Kindern hauste

Walter hier, ein edler Mann,
Treulich hing er noch den Göttern
Seiner Heimatberge an.

[165]

Seine Tochter Gela blühte

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Einer Maienrose gleich;

Doch sie trug ein fremd Verlangen
In dem Herzen zart und weich.

Oft, wenn sie vom Rheingestade
Zu dem blauen Himmel sah,

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Mußte sie die Hände falten,

Wußte nicht, wie ihr geschah.

Einstmal, in des Herbstes Tagen,
Unter Bäumen gelb und roth,
Reichte sie den kleinen Schwestern

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Mütterlich das Abendbrot.


Sieh, da kommt ein fremder Priester
Von den Bergen auf sie zu,
Aus dem edeln Antlitz strahlet
Eine wunderbare Ruh’.

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Um ein Obdach will er bitten,

Aber Walter eilt daher,
Sieht ihn an mit finsterm Auge,
Denn die Christen haßt er sehr.

Doch der Sohn der Fremde bietet

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Ihm gar traulich seine Hand:

„Gönne mir für heut ein Lager,
Denn ich komm’ aus fernem Land.

„Wandernd muß ich Ihn verkünden,
Der vom Himmel niederstieg,

35
Der dem Tod den Stachels raubte

Und der Hölle ihren Sieg.

„Nimmer darf und werd’ ich grollen,
Stößest du mich auch von hier;
Schlägst du mir die eine Wange,

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Reich’ ich still die andre dir.


„Dies ist meines Meisters Lehre;
Liebe war sein erst Gebot,

[166]

Liebe war sein schönes Leben,
Liebe war sein schöner Tod.“ –

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Vieles noch aus warmem Herzen

Spricht der fromme Fridolin,
Und es rühren seine Worte
Walters felsenharten Sinn.

Und in Gela’s reine Seele

50
Fällt ein Strahl von Himmelslicht;

„Wahrlich“ – ruft sie – „solche Worte
Kommen von der Erde nicht!

„Jetzo mag ich erst verstehen
Thränen, die ich oft geweint;

55
Immer sehnt’ ich mich nach oben,

Wo der Stern des Morgens scheint!“

Und sie hebt empor die Hände
Und den Blick von Zähren feucht:
„Weihe mich zu deinem Glauben,

60
O, mein Herz, es faßt ihn leicht!“


Und der Priester schöpft vom Quelle
Nah’ bei Wodans Felsaltar,
Läßt das Wasser niederträufeln
Auf der Jungfrau blondes Haar.

65
Und ein fremdes Licht umstrahlet

Plötzlich nun den Gottesmann;
Walter wirft auf’s Knie sich nieder,
Nimmt die Taufe gleichfalls an;

Geht dann hin zu Wodans Eiche,

70
Fällt sie mit dem scharfen Beil,

Baut ein Münster auf der Stelle,
Wo erschienen ihm das Heil.

Herrlich strahlen noch die Thürme
Weithin über’n klaren Rhein,
Und im Grab des Hochaltares[1]
Ruht St. Fridolins Gebein.

Aloys Schreiber.

  1. Zu Säckingen.