Friedrich Schiller als Rathsherr und Heirathscandidat in Schweinfurt

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Dr. C. Bayer.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Friedrich Schiller als Rathsherr und Heirathscandidat in Schweinfurt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 878
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[878] Friedrich Schiller als Rathsherr und Heirathscandidat in Schweinfurt. In dem trefflichen und bisher vom deutschen Publicum noch nicht nach Verdienst gewürdigten Briefwechsel Schiller’s mit Körner ist eines Heirathsantrags an Schiller gedacht, von dem bisher in keiner Biographie Erwähnung geschehen. Schiller selbst berichtet in einem Briefe an seinen Freund Körner (Bd. I.. S. 288, d. d. Weimar 25. April 1788) darüber Folgendes:

„Einen Spaß muß ich Dir doch erzählen, wenn es noch nicht geschehen ist. Vor einigen Wochen ist durch die vierte Hand die Anfrage aus der fränkischen Reichsstadt Schweinfurt an mich ergangen, ob ich dort nicht eine Rathsherrnstelle mit leidlichem Gehalte, verbunden mit einer Frau von einigen tausend Thalern, die, setzt man hinzu, an Geistes- und äußerlichen Vorzügen meiner nicht unwerth sei, annehmen wolle. Die Stelle soll mich wöchentlich nur zwei oder drei Stunden kosten und dergleichen Vortheile mehr. Wie ich mich dabei benommen, magst Du Dir leicht denken; doch möchte ich eigentlich wissen, wie man auf mich gefallen ist.

Da die ganze Sache mehr der Gedanke einiger Privatleute ist, und man eigentlich nur sagt, daß, wenn ich mich melden würde, sie mir nicht schwer fallen sollte, so erkläre ich es mir so, daß das Ganze eine Idee der Person sein mag, die ich heirathen sollte. Diese hat vielleicht einige Lectüre, die ihr der Menschencirkel um sie herum verleiden mochte, und da mag sie nun denken, daß sie mit ihrem bischen Geld und der Lockspeise einer Stelle einen Menschen fischen könnte, der auch andere Forderungen befriedigt. Der Zufall hat ihr von meinen Schriften einige vielleicht in die Hände gespielt, an denen sie Geschmack gefunden hat, und für einen Juristen hält sie mich ohne Zweifel. So muß ich mir das Räthsel erklären, und der Meinung ist auch Wieland“ etc.

Durch die thätige Unterstützung des mir befreundeten Herrn Jens Sattler (Fabrikbesitzers in Schweinfurt und Mitglied der k. k. Leop.-Carol. deutschen Akademie der Naturforscher) bin ich in den Stand gesetzt (ohne Verletzung der üblichen Discretion, da die Betheiligten nebst näheren Verwandten längst todt sind), folgendes Authentische mittheilen zu können.

Die Liebende, welche Deutschlands Lieblingsdichter angetragen wurde, war die Tochter eines in Schweinfurt lebenden Bürgermeisters. Der damalige Consulent Elias Stepf machte bei Schiller den „Freiersmann“. Er nahm die Sache sehr ernst, und war keinen Augenblick über das Gelingen seines „vortheilhaften Geschäfts“ in Zweifel. Um so größer war später seine Enttäuschung. Er konnte sich nicht genug wundern, daß Schiller „eine so gute Partie“ ausschlug, ja, er wurde geradezu verstimmt durch Schiller’s lakonische Antwort, aus der nicht zu entnehmen war, ob der Dichter für oder gegen die Sache sei, oder ob er nur Zweifel am Gelingen derselben hege. „Was er (Stepf) dem Dichter versprochen, das würde er ohne Zweifel durchgesetzt haben.“

Interessant ist dieser Elias Stepf, der später als Regierungsrath nach Bamberg versetzt wurde, für die Literatur noch insofern geworden, als ein Sohn von ihm, Heinrich Stepf, nach der Hand durch verschiedene schriftstellerische Arbeiten eine wirkliche und nicht gewöhnliche Begabung für die Poesie bethätigte. Heinrich Stepf war mit Rückert, den er 1811 in Jena kennen lernte, auf das Innigste befreundet und stand mit seinem berühmteren Zeitgenossen in unausgesetztem Briefwechsel bis zu seinem Tode, der leider allzu früh erfolgte.
Dr. C. Bayer.