Geizhälse unter den Ameisen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Geizhälse unter den Ameisen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[656] Geizhälse unter den Ameisen. Daß viele Thiere eine große Vorliebe für mancherlei buntfarbige oder glänzende Gegenstände haben, und dieselben lediglich zu ihrem Vergnügen in ihre Wohnungen und Nester zusammentragen, ist bekannt, und wir haben in den Elstern, Dohlen und Raben ganz in unserer Nähe sprechende Beispiele davon. Einige Ameisenarten gehören auch dazu, und zwar wissen gerade sie ihr Augenmerk auf diejenigen Körper zu lenken, welche auch von den Menschen ihrer Seltenheit und Schönheit wegen für besonders kostbar gehalten werden. Schon das classische Alterthum und die alte indische Literatur kennt die Sage von goldhütenden Ameisen, und dieselbe hat, wie aus den Beobachtungen neuerer Reisenden hervorgeht, einen wirklichen Grund. Der bekannte Reisende Möllhausen fand bei den Zuñi-Indianern sehr schöne Granaten als Schmuckgegenstände, und er berichtet, daß sich dieselben in Erdhügeln fänden, die von einer großen Ameisenart zusammengetragen werden. Bei großer Kälte ziehen sich die Thiere tiefer in die Erde zurück, und man kann dann durch Zerstörung jener Haufen die bunten Edelsteine in der Sonne glänzen sehen. Auch Humboldt bestätigt, daß er in den basaltreichen Gegenden des mexicanischen Hochlandes glänzende Körner von Hyalith, einem weißen, durchsichtigen Steine, die von Ameisen in ihren Nestern gesammelt worden waren, aus den Ameisenhaufen aufgelesen habe. Fragt man, zu welchem Zwecke die emsigen Thierchen das für sie doch schwer zu bewältigende Material mühevoll in ihren Kammern bergen, so müssen wir die Antwort schuldig bleiben. Farbe und Glanz der bunten Steine und der glitzernden Goldblättchen können sie ja nicht erfreuen, denn es gehört der Strahl der Sonne dazu, im Finstern erscheint ein Edelstein nicht anders als ein gewöhnlicher Kiesel. Sollten sich die Ameisen als echte Geizhälse am Besitz erfreuen, daß sie dasjenige immer um sich zu haben wünschen, was ihnen Gefallen verursachte, als es ihnen zuerst im Lichte entgegenglänzte? Das würde auf eine Seelenthätigkeit, auf ein Urtheil, auf eine Vorstellung von der Zeit schließen lassen, die uns höchst merkwürdig erscheinen müßte, und die den Versen Goethes eine gewisse wirkliche Bedeutung unterlegen würde, wenn er im Faust den Chor der Ameisen auftreten läßt:

Ihr Zappelfüßigen,
Geschwind nach oben!
Behendest aus und ein!
In solchen Ritzen
Ist jedes Bröselein
Werth zu besitzen.
Das Allermindeste
Müßt ihr entdecken
Auf das Geschwindeste
In allen Ecken.
Allemsig müßt ihr sein,
Ihr Wimmelschaaren;
Nur mit dem Gold herein!
Den Berg laßt fahren.