Gründung der Kirche im Todtmoos

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Gründung der Kirche im Todtmoos
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 136–139
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originaltitel:
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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[136]
Gründung der Kirche im Todtmoos.

„Im Namen Vaters vnd Suns vnd heiligen Geists Amen. Es ist ze wissen, do man zalt von der purt Cristi tusend zweyhundert funffzig und funff Jar, was ein andechtiger, erwirdiger priester mit namen Dietricus, ein verseher der kilchen zue Rickenbach, die er versach zue den selben zitten. Dem jetzt genempten priester Dieterico hett erschinnen die aller gnadrichesti muetter vnsers herren Jesu Cristi, allwegen ein jungfrow vnd magt Maria, zum dickeren maul (mehrmals) durch eines gantzen jar in sinem schlaff, sprechende: „Dietrice, wilt du selig vnd behalten werden vnd mich haben zue einer fürbitterin zue gott, so stand uff vnd gang hin an die statt oder das ort, das do gnempt wurt der Schönenbühel, der da ist zwischen zweien fliessenden bächen, der ein ist gnempt Twerr (Wehra), der ander Totbach, im schwartzwald, vnd daselbs solt du sitzen und dienen mir vnd gott minem ewigen sun Jesu Cristo. Wirst du das nit thuen, so wirst du vallen in minen Zorn. Du solt wissen für war, daz ich mir die vorgnempt statt vsserwelt hab, darin ze wonen vnd da zue behalten vnd zue erwerben von minem lieben sun Jesu Cristo vill gnad vnd guetthaitten allen andechtigen, demuetigen, christgloubigen menschen, die dahin kument vnd fliessen (beflissen) sind zue disser vorgnempten statt. Denn für war, alle die, die daselben mich mit fliß vnd mit andacht anrueffen sind oder werden, dienen will ich schneltlich zue hilf kumen in allen jren truebselikeitten, jren angsten vnd nötten.“

Vnd do aber der vorgemelt priester eine sölliche gschownus zuem dickern maull sach vnd sollichi worte horte dick vnd vill, vnd jm die obgenempt statt vnerkant were, do begab es sich von der verwilligung Gottes vnd siner lieben muetter Maria, daz ein treyer (Lastträger) kam gangen mit sinem bürdeli von derselben statt, die do wurt tottmos genempt, darum daz da kein tier in dem selben tottmos mag leben, zue dem jetz dick gnempten priester Dietrich vnd vernachtet by jm. Vnder andern wortten fraget der priester von dem knecht, wannen er wäre oder wo er sässe mit wesen? Vnd antwurt im der knecht: „Ich bin vom schwarzwald vnd sitzen oder wonen an einer statt, wird genempt das tottmos vnd hatt also sinen namen darum, daz es ein breitte vnd [137] ein mos so tieff ist vnd so vnglückhafftig, es syg mensch oder roß, ochsen oder tier, die da kument in das mauß (Moos), es muess verderben vn allen zwiffel. Von der selben statt bin ich wonen vnd suech min narung mit surer arbeitt miner henden.“ Do sprach der priester widerum zum knecht: „Kenst du das ort, do da flüst ein bach, ist gnempt twerri?“ Der knecht antwurt: „Ja, ich ken sy vast woll, wann ich mit minem huß gsin bin stetteklich daselben wonen.“ Vnd der priester fraget ferrer: „Magst du mich nit zue der selben statt fueren?“ Do antwurt jm der knecht: „Gevalt es üch, so mag ich üch woll dahin fueren.“

Do es nu am morgen frue ward, der priester mit sinem knechten was gon mit dem obgenambtem treyer, vnd do er kemme zue dem vorgenempten bach, mit namen twerr, vnd gfunden hette die zeichen, die jm die selig muetter gottz vnd junckfraw Maria verkunt vnd vorgseitt hett, do ward er gantz mit jngrund sines hertzen erfröwet, vnd fieng an mit sinen knechten ussrüten das gstüd vnd abhowen die böm, vnd bawt da ein hüsslin, jn dem er saß, zue glicher wiss als jm gheissen was vnd begeret zue bowen ein kilchen jn der Er der jungfrowen Marien, vnd mocht nit erkennen oder wissen den uffgang der sunnen vor der witte vnd grösse des schatten, der do was gon von den bömen, die da stunden, davon er vast was truren. Also an einer nacht sach er die seligen jungfrowen Marien vnd zue jm sprechen: „Gang zue der statt, die da wird gnempt der schönenbühel, da wirst du finden ein bom ston, ist haben das zeichen des heiligen crütz, den bom solt du abhowen, und an welchem ort du wurst sehen vallen den dolden oder die höhe des boms, da solt du bowen ein kilchen vnd setzen den Altar bim dolden des boms.“ Der priester was sich frowen von der erschinung der muetter gotz und thedt nach dem als im gheissen was. Vnd bowt ein hülcene kilchen jn der Er der heiligen jungfrowen Marien, deren er jn der selben statt hatt dienet gar vill mengen tag.

Do aber der selb erwürdig priester Dietrich jn der vorgnempten statt nit mocht haben notturfft sins libs, do kam er gangen zue dem durchlüchtigen man grauffen von habspurg, mit namen Rudolfum, darnach Römischer Küng. Der hatt [138] vill gmainsamy zue dem dick gnempten priester. Von dem grauffen er milteklich vnd guetteklich emphangen ist, vnd von jm gefrauget vnd gforderet, von was vrsachen er zue jm kummen syge? Do fieng der priester an, dem grauffen sagen die erschinung der heiligen jungfrowen vnd muetter Marien im totmos vnd die zeichen die da gschehen sind, vnd wie er daselben wäre wonen mit grosser pin zittlicher narung vnd andern notturfftigen dingen, und batt den grauffen Rudolfum, daz er von angsicht gottes vnd zue ablaß der selen sines vatters vnd muetter vnd aller siner vorfaren vnd nachkummen, uss siner miltekeit Etwas hillff und guetz mitteilte der vorgnempten stat tottmauß, damit ein priester möchte sich uffenthalten und versehen die kilchen. Do aber der grauff was hören die zeichen vnd wunderlichen ding, die da warend gschehen in dem bow der kilchen im tottmauß, do sprach der grauff zum priester: „Her Dietrich, jr söld wissen, vnd welt ich nit gnad und hilff thuen der kilchen im totmauß durch got vnd siner heiligen muetter Marien, so welt ich doch der selben statt gnad thuen angsehen üwers bittz vnd diensten, die mit von üch zum dickern maull gschehen sind. Denn ich vnd mine knecht hond mengmaull üwers brotts gnossen uff dem gejegt.“ Vnd frauget der grauff den priester: „Was wend jr, daz wir söllent thuen oder geben der kilchen unser lieben frowen im tottmauß?“ Der priester antwurt vnd sprach: „Ich bit üch, daz jr der vorgnempten kilchen gebent, die ich buwen han in der Er der heiligen jungfrowen und muetter Maria, den wald, der do würt gnempt jm gheld, by dem bach gnempt twerr, das ist einenthalb des bachs, als twerr entspringet vnd für sich ußgaut so verr als üwer gwalt ist.“ Darum der grauff Rudolfus der begird des priesters aller gernest vnd gunstlichen was verwilgen vnd gunnen den vorgnempten wald gegen der kilchen in tottmauß, als vorgeschrieben stautt, hautt gaubet ewenenklich gott vnd der seligen jungfrowen Marien vnd der kilchen jn tottmauß zu einer ablaussung siner sel vnd aller siner nachkummen.

Darnach fraget der grauff Rudolff den priester Dietrich, was frucht er möcht haben oder davon kummen von dem vorgseiten wald jn ghelde? Der priester antwurt vnd sprach: [139] „Ich mag kein frucht davon haben denn allein jch will machen ein Rütti da, von deren ich mög haben höw (Heu) minen tierlinen (Thierlein = Vieh).“ Vnd seitt der priester dem grauffen, daz da were ein knecht zue Gerenspach mit sinen kinden vnd mit dem zuenamen der hagenbach, der hette einen ymen (Immen = Bienen) in dem vorgenempten walde, und begeret der priester an den grauffen, daz er bütte demselben hagenbach und allen sinen nachkummen vnd allen dienen, die jn nauchkummenden zitten wurdint wonen jm vorgsprochen wald, daz sy järlichen gebend den zehenden von dem ymen vnd von allen dingen, von dienen sitt und gwon ist, zue geben den zehenden, zue ewigen zitten der kilchen vnser lieben frowen im tottmauß. Vnd da verwilget der grauff Rudolff von habspurg den bitt des priesters, vnd hautt das gestet und gevest mit sim gewalt. Vnd der ding sind zügens (Zeugen): Arnold ein edler man von Minselden, Heinrich Rutthart von herischwand, Conrat Schmit von zell vnd sine sün, Hans und Conrat Berchtold von segerdon, vnd vil ander erber lütt, dien woll ze glouben ist.“

(Aus einer St. Blasischen Pergamenthandschrift, abgedruckt in Jos. Bader’s Fortsetzung von Pahls’ „Herda.“ Neue Folge. 1. Band. Freiburg, 1841. Verlag von Herder.)