Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode

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Textdaten
Autor: Schöpwinkel
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Titel: Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode.
Untertitel: Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Jahrgang 1878, Nr. 40, S. 313-316
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Herausgeber: Dr. Christlieb Gotthold Hottinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Dr. Hottinger's Volksblatt
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Erscheinungsort: Straßburg
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[313]

Graf Otto
zu Stolberg-Wernigerode,
stellvertretender deutsch. Reichskanzler,
geboren den 30. Oktober 1837.
Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode.

Wie zu allen Zeiten der hohe Adel Deutschlands leuchtende Vorbilder für seine Mitwelt gestellt hat und in dieser Beziehung den edlen Geschlechtern andrer Länder kühn an die Seite gesetzt werden kann, so ist derselbe in ganz besonderm Grade in neuerer Zeit wiederum dieser seiner hohen Ehre und Aufgabe sich bewußt geworden und in solchem Pflichtgefühl willig und bereit gewesen, im Dienste des Staatswesens, dem er angehört, insbesondere des Heerwesens, seine Kräfte dem allgemeinen Besten zu widmen. Verhältnißmäßig weniger war dies zwar in öffentlichen Staatsämtern der Fall, obwohl es auch da nicht an einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten aus seinen Reihen gefehlt hat. Die neueste Zeit aber bekundet in dieser Beziehung gegen früher einen Fortschritt. Nicht wenige hochgestellte Herren sehen wir aus ihrer Zurückhaltung heraustreten und mit Hintansetzung ihrer eignen Interessen dem gemeinsamen Vaterlande, sei es in der Diplomatie oder in der Leitung der öffentlichen Staatsgeschäfte, ihre ersprießlichen Dienste leisten. Unter diesen nimmt Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode eine der hervorragendsten Stellen ein.

Als ein Glied des alten, in die fernste Zeit zurückreichenden, reichsunmittelbaren Harzgrafen-Geschlechts wurde Graf Otto am 30. Oktober 1837 zu Gedern, dem Vorort der dem gräflichen Hause angehörenden Herrschaft gleichen Namens im Großherzogthum Hessen, geboren, wo sein Vater, der Erbgraf Hermann zu Stolberg-Wernigerode, derzeit die Verwaltung der letzteren übernommen hatte, um hier im Vogelsberge und der Wetterau in nimmermüder Thätigkeit die Verhältnisse der zurückgegangenen Herrschaft wieder zu dauernder Blüthe zu bringen, während daheim in dem alten Stammsitze, der Grafschaft Wernigerode, noch dessen Vater, der regierende Graf Henrich, mit weiser und wohlthätiger Hand die Regierung leitete. Die schwere westphälische Zeit war auch hier am Harz nicht ohne große nachhaltende Nothstände vorüber gezogen und hatte Land und Leute bitter geschädigt. Da galt es Sitte und Gesetz zu neuem Ansehn zu bringen, der Religion den alten Einfluß wieder zu verschaffen und die zum Theil erschöpften und ausgetrockneten materiellen Hilfsquellen der Grafschaft auf’s Neue zum Leben zurückzurufen und ergiebig zu machen. Das Alles gelang dem 1854 verstorbenen Großvater unsres Grafen Otto in rastlosem Eifer und unentwegter Pflichterfüllung wie eiserner Strenge gegen sich selbst in bester und überraschender Weise zu dauerndem Segen des glücklichen Ländchens.

Nur allzufrüh, in seinem 4. Jahre, verlor Graf Otto seinen Vater. Aber unter dem Einfluß solcher rühmlichen Vorbilder und unter der Leitung seiner trefflichen Mutter, einer Tochter aus dem Erlauchten Hause Erbach-Fürstenau im Odenwalde, wuchs er auf, früh schon angeleitet und daran gewöhnt, sich zu seinem hohen Berufe, der Regent der mit vielen Hoheitsrechten noch versehenen Grafschaft Wernigerode und Leiter und [314] Herr der Verwaltung der übrigen ausgedehnten Besitzungen zu werden, gründlich vorzubereiten. Nachdem Graf Otto auf dem Gymnasium zu Duisburg in der preußischen Rheinprovinz das Zeugniß der Reife erlangt hatte, besuchte er die Universitäten Göttingen und Heidelberg. Bezeichnend aus seiner Studienzeit in Göttingen ist eine Anecdote, die an dieser Stelle wiedergegeben zu werden verdient. Im Kreise heitrer Studienfreunde zog er eines Tages zur Erholung in die schöne Umgegend der Musenstadt hinaus. Da, in einem Dörfchen, steht vor einem unscheinbaren Häuschen eine außergewöhnliche Anzahl Leute, die seine Aufmerksamkeit erregt. Rasch springt er aus den Reihen seiner lustig weiterziehenden Genossen und ist bald mitten im Häuflein, wo er erfährt, es gelte den Verkauf des ärmlichen Grundstücks und mit demselben der einzigen Habe einer in Schulden gerathenen Wittwe. Der Executor bietet eben mit ungewöhnlichem Interesse den Pfandgegenstand aus, aber Keiner meldet sich zu höherm, als dem abgegebenen Gebot. Da schallt aus der gespannten Menge noch einmal eine Stimme, und eine Summe wird geboten, die alle übrigen schweigen und aufsehen macht. „Niemand besser?“ wird nun zu dreien Malen vom Beamten gefragt, und als sich Keiner findet, gehört das Häuschen dem jungen Grafen und alsbald auch der glücklichen Wittwe wieder, die kaum den Namen des hohen Gebers erfährt. – Sorgen und schaffen für Andre war ja stets eine Zierde der Glieder des Grafenhauses und ist’s bis heute geblieben.

Graf Otto trat nach rühmlich vollendeten Universitätsstudien und nachdem ihm nach inzwischen erfolgtem Tode seines Großvaters mit seiner Großjährigkeit 1858 die Regierung der Grafschaft zugefallen war, zu Berlin in das Regiment der Gardes du Corps ein. Der Wunsch, sich ausschließlicher der Verwaltung seines Ländchens und des Stammguts widmen zu können, bewog ihn wenige Jahre später, den activen Militairdienst aufzugeben und sich nach Wernigerode zurückzuziehen. Hier bezeichnen eine Reihe der wohlthätigsten Einrichtungen sowohl auf dem Gebiete der äußern Verwaltung, der Kirche und Schule, als auch in der Verwaltung der Privatbesitzungen seine kräftige und wohlthätige Handhabung der Geschäfte und sein unermüdliches Eindringen in dieselben. Durch seine Vermittlung und durch Gewährung der erforderlichen Mittel wurden vielfach die Schulen in den Städten und Dörfern der Grafschaft erweitert, die Lehrkräfte vermehrt, und als im Jahre 1867 dem Magistrat zu Wernigerode Seitens der obersten Schulbehörde aufgegeben wurde, ein neues ausreichendes und der erweiterten Schule entsprechendes Gebäude für das städtische Gymnasium – eine Stiftung aus der Reformationszeit – zu erbauen, diesem aber die aufzuwendenden Kosten zu hoch erschienen und deshalb von den Vätern der Stadt der Gedanke an ein Aufgeben der für die Grafschaft so segensreichen Anstalt Raum gewann, übernahm der Graf auf desfallsigen Antrag das Patronat und damit die Unterhaltung derselben und ließ aus seinen Mitteln ein neues Gymnasialgebäude mit einem Kostenaufwande von rund 300.000 Mk. errichten, das jetzt eine Zierde der Stadt und ein Mustergebäude nach Außen und Innen für die Provinz und drüber hinaus geworden ist. Als Patron der meisten Kirchen in der Grafschaft tritt der regierende Graf gleichfalls mit nicht geringen Beisteuern zur Erhaltung der Kirchen und Pfarren wie zur Aufbesserung der Pfarrstellen ein, wo die Einkünfte der letzteren den heutigen Zeitverhältnissen nicht mehr entsprechen. – Und wie Kirche und Schule, so erfreuen sich auch Kunst und Wissenschaft seiner förderlichsten Pflege und Unterstützung. Nachdem vor etwa 17 Jahren das alte Grafenschloß zu Ilsenburg im romanischen Stile, als dem am Nordrande des Harzes in den monumentalen Gebäuden vorherrschenden, zum, Theil neu errichtet wurde, ist dieser Wiederherstellung diejenige des Stammschlosses von Wernigerode im gothischen Stile gefolgt, und verjüngt und weit herrlicher als zuvor, schaut seitdem der alte Grafensitz von hoher Warte in’s Thal und Land hinaus und verleiht der von der Natur so bevorzugten Gegend neuen Schmuck. Mit vielem Geschmack sind auch die Innenräume dieser Schlösser ausgestattet, und den Besuchenden drängt sich unwillkürlich das Gefühl auf, daß hier ein feiner Sinn für einfache Schönheit maßgebend gewesen ist.

Weiter wurde durch des Grafen freigebige Mittel vor mehreren Jahren mit der Wiederherstellung der Kirche des zu einem evangelischen Fräuleinstift umgewandelten Klosters zu Drübeck begonnen, einer Stiftung, die als eines der ältesten Denkmäler christlicher Gesittung am nördlichen Harze im verflossenen Jahre ihr 1000jähriges Bestehen feiern konnte.

Die drei Jahrhunderte alte Stiftung der gräflichen Bibliothek von etwa 82.000 Bänden und in manchen Theilen einzig in ihrer Art, erfreut sich dauernd der eifrigen Förderung des hohen Besitzers und gewährt über die Grenzen des Vaterlandes hinaus Forschern und Gelehrten eine willkommne Unterstützung.

Zu noch engerm Anschluß an das größere Vaterland, dem die Grafen zu Stolberg stets das eigne Interesse geopfert haben, wurde vor etwa 2 Jahren die bis dahin in eigner Verwaltung bestandene Regierung der ungefähr 5 Quadratmeilen umfassenden Grafschaft Wernigerode von dem Grafen Otto an die Krone Preußen abgetreten. Nur schwer wurden von ihm damit alte, von den Vorfahren ererbte Hoheitsrechte aufgegeben, und nur die Rücksicht auf das allgemeine Beste konnte ihn bewegen, solch ein Opfer zu bringen und ein äußeres Band mit den Bewohnern des angestammten Landes zu lösen. Die Ueberzeugung blieb ihm ja, und die Folgezeit hat es bestätigt, daß, wie das Grafenhaus nicht aufhört, für ihr Wohl zu sinnen und zu sorgen, auch sie in alter Treue fortwährend fest zu demselben stehen wollen.

In der That, wo irgend wahre Noth und Elend an seine Thür pocht, da ist Graf Otto mit Rath und Hilfe zur Stelle und sucht dabei nicht bloß die augenblicklichen Bedrängnisse zu steuern, sondern durch geeignete [315] Maßnahmen, wenn irgend möglich, dauernd zu bannen. Das wissen die Bedrängten und darum wird von ihnen der Weg zum Schloß hinauf nicht leer, wenn die Anwesenheit des Grafen bekannt ist. Schweren Herzens ist Mancher schon die Höhe hinaufgestiegen, die er mit frohem Antlitz und getrostem Blick in die Zukunft verließ.

Wohlthätige und gemeinnützige Bestrebungen und Vereine in Nähe und Ferne erfahren nicht minder die gedeihliche Unterstützung des Grafen Otto, und insonderheit dürfte in Bezug auf Straßburg darauf hinzuweisen sein, daß bei der Neugründung der durch den Brand 1870 verloren gegangenen Universitäts-Bibliothek eine namhafte Anzahl von Werken aus der gräflichen Bibliothek zu Wernigerode von ihm bereitwilligst beigesteuert wurde. So tritt überall, wo persönliche oder öffentliche Wohlfahrt in Frage stehen, sein wackrer Sinn, seine stets offne Hand ein, und wenn seine reichen Mittel es ihm leichter machen, fortwährend wo Noth an ihn herantritt, zu helfen, so macht sein warmes Herz doch auch den ausgiebigsten Gebrauch davon. Mehr indeß noch, als solche bereitwillige Hilfe durch materielle Spenden, möchte hier sein persönliches Eintreten für der Mitmenschen Wohl mit ganzer Hingabe an die Sache hervorzuheben sein, weshalb aus dem reichen Stoff, der sich uns bietet, hier noch Einiges angeführt werden mag.

Im Dienste des Johanniter-Ordens, dessen Kanzler Graf Otto seit dem im Jahr 1872 erfolgten Tode seines Vetters, des Grafen Eberhard zu Stolberg-Wernigerode, ist, war er im Jahre 1866 als Abgeordneter des letztern im Feldzuge dieses Jahres bei der Mainarmee bis zum Schluß desselben in der freiwilligen Krankenpflege thätig. Die darauf folgende Einverleibung des ehemaligen Königreichs Hannover in Preußen und die Weiterführung der Verwaltung dieses Landes erforderte bei den Eigenthümlichkeiten von Land und Leuten den offnen und geheimen Umtrieben, welche die Welfenpartei durch’s ganze Land mit reichen Mitteln anstellte, besonders einsichtige und tüchtige Männer an der Spitze derselben. Nachdem die letztern in kurzer Zeit zwei Mal gewechselt hatten, berief das Vertrauen Sr. Majestät des Königs im Herbst 1867 den damals noch nicht 30jährigen Grafen Otto zum ersten Beamten der neu erworbenen Provinz. Unzählige Schwierigkeiten begegneten hier dem jungen Oberpräsidenten allüberall in dieser ersten Beamten-Laufbahn, und nur das Vertrauen, das in einzelnen Kreisen dem erlauchten Sproß des auch in Hannover begüterten Grafenhauses vorsichtig und spärlich entgegengebracht wurde, gab ihm einigen Anhalt und Stützpunkt für seine später so erfolgreiche Thätigkeit. Gar bald aber schon erfuhr und überzeugte sich der alte Beamte, der Adel wie Bürger und Landmann, daß er dem jungen Grafen mit vollem Vertrauen nahen durfte. Mancher schlichte und einfache Mann im Bürger- und Bauernrock ist’s gewesen, der strahlenden Auges aus seinem Sprechzimmer heraustrat und nicht genug die Leutseligkeit und herablassende Freundlichkeit des „jungen Herrn“, welchen man sich als „preußischen Beamten“ vorher in ganz andrer Weise vorgestellt hatte, preisen konnte. – Wo nur irgend Altes beizubehalten war, Sitte und Gewohnheit wie liebgewordene Zustände unberührt bleiben konnten, da geschah es unter Leitung des Grafen Otto, und waren Neuerungen an Stelle mangelhafter oder ferner unzulässiger Einrichtungen durchaus geboten, so wurden dieselben in solch schonender Weise eingeführt, daß sie den Betheiligten oft kaum merkbar wurden oder aber doch so gegenübertraten, daß alles Harte und Verletzende davon geschieden war. Besonders erfuhr dies auch die Hauptstadt Hannover, welcher er dazu in Bezug auf die mancherlei Erwerbsquellen, welche ihr früher aus der Anwesenheit des königlichen Hofes zugeflossen waren, durch die bedeutenden Mittel aus eignem Besitz den Verlust des letztern weniger fühlbar zu machen wußte. Die Hilfsquellen des Landes wurden mehr, als bis dahin geschehen, erschlossen und besonders das Kanalnetz im nördlichen Theil des Landes erweitert, wo die Moorcolonien in den weiten, bisher wenig ergiebigen Haidestrecken sich vorzugsweise der nachhaltigen Fürsorge und Hilfe des Grafen Otto erfreuten. Durch kräftige Regierungsbeihilfen blühte hier eine Niederlassung nach der andern auf, und alle erfreuen sich, Dank der weisen Maßnahmen, die getroffen wurden, fortwährend einer beglückenden Lebensfähigkeit. Handel und Wandel nahmen nach dem harten Schlage, der das Land getroffen, wieder einen fröhlichen Aufschwung; die Wunden vernarbten, denn überall griff die jugendlich kräftige Hand, die daheim in der Verwaltung der angestammten Grafschaft die beste Schule gehabt hatte, mit richtigem Erfassen des Erforderlichen und Wünschenswerthen wie Erreichbaren nachhaltig ein. Was Wunder drum, wenn nach sechs Jahren der opferfreudigsten, angestrengtesten Thätigkeit dem Grafen Otto, als die Verwaltung des eignen Landes dringender als zuvor die Niederlegung des Ober-Präsidiums erheischte, nicht bloß die wohlthuendste Anerkennung seines königlichen Herrn, sondern auch die Liebe und der Dank – uneingeschränkt darf es gesagt werden – der ganzen Provinz ihm folgte! Zahlreiche Adressen aus allen Theilen derselben bezeugten ihm durch tausendfache Unterschriften aus den Städten und dem platten Lande dies nicht minder als ein prachtvolles Album mit den Portraits der ersten Bürger und Beamten des Landes, welches ihm bei seinem Scheiden mit wärmster Huldigung und Anerkennung seiner Verdienste um das Wohl desselben überreicht wurde.

Oeffentlich wirkte Graf Otto nun wieder nach wie vor für die heimische Provinz Sachsen, der die Grafschaft Wernigerode angehört, als Landtagsmarschall mit der Umsicht und Tüchtigkeit in der Leitung der Geschäfte, die er in seinen früheren Stellungen als Präsident des preußischen Herrenhauses und an andern Orten stets bewiesen hatte. Im Jahr 1875 wählte ihn die in Berlin tagende außerordentliche General-Synode der evangelischen Kirche in Preußen zu ihrem Vorsitzenden, als [316] welcher er mit denselben Eigenschaften und seiner hingebenden Liebe zu der letztern viel zu einem günstigen Verlauf und Ergebniß der Verhandlungen derselben beitrug.

Lange indeß sollte seine Entfernung von einem festen öffentlichen Amte im großen Staate doch nicht währen. Seine bisherige Thätigkeit in einem solchen hatte sich zu sehr bewährt, als daß nicht immer wieder an maßgebender Stelle der Wunsch hervortreten sollte, die ausgiebige Kraft für die weitesten Kreise ferner noch zu nutzen. So berief ihn im Sommer 1876 des Kaisers Majestät als Botschafter des Deutschen Reichs nach Wien, an den Ort, wo gerade zu jener Zeit wichtige Interessen des Reichs zu wahren und zu vertreten waren. In dieser Vertrauensstellung wußte Graf Otto die Beziehungen der beiden Reiche, des österreichischen und deutschen, zu einander nur noch inniger zu gestalten, und er behielt diese Stellung inne, bis ihm im Sommer dieses Jahres eine andre, die Vertretung des Reichskanzlers Fürsten Bismarck sowohl im preußischen Staatsministerium als auch in der Reichsverwaltung, übertragen wurde.

Wenn der erlauchte Herr nun, wie oben berichtet wurde, einen wesentlichen Theil seiner Zeit und Kraft dem großen Vaterlande gewidmet hat und damit noch fortfährt, so versäumt er andrerseits doch auch nicht, den Angelegenheiten seiner engern Heimath und zumal den weiten Kreisen der ihm Untergebenen, der in seinem Dienst beschäftigten Arbeiter, seine unermüdliche Fürsorge und warme Theilnahme an ihrem Ergehen überall zu bethätigen. So ist es ein besonders lebhafter Wunsch des Grafen, daß jedem der letztern, wenn irgend möglich, ein behagliches Daheim geschaffen werde, wo er nach angestrengter Tagesarbeit Erholung für Leib und Seele empfangen kann. Auf seine Veranlassung sind und werden zu diesem Zwecke noch fortwährend Arbeiterhäuser gebaut, die von schmucken, zu Nutz und Freude dienenden Gärtchen umgeben sind. Zweckentsprechende Einrichtungen und Bedingungen machen es den Bewohnern dieser Grundstücke möglich, sie durch Fleiß und Ersparnisse nach und nach als Eigenthum zu erwerben, was gern und freudig von ihnen benutzt wird. Der Wunsch, ein eignes Heim zu besitzen, ist ja ein vorherrschender, altererbter Zug der Deutschen, und diesem wird hier in jeder Weise entgegengekommen. Für die Gesammtheit der gräflichen Arbeiter, seien sie im Forst, den Hütten- und Bergwerken oder in der Landwirthschaft und sonst beschäftigt, besteht ferner eine Arbeiter-Kranken- und Pensionskasse, die wohl ausgestattet, in Krankheitsfällen wie endlich am Feierabend des Lebens, wenn der müde und gealterte Körper ruhebedürftig ist, vor Noth und Sorge schützt. Daneben sorgt eine von Graf Otto gegründete Volksbibliothek in der Grafschaft für geistige Speise und wird je länger, je mehr und eifriger benutzt.

So schlingt sich durch Alles ein Band der Anhänglichkeit und Treue um Arbeiter und Arbeitgeber, das die verderblichen Einflüsse der neueren Volksbeglücker vergeblich zu zerstören getrachtet haben. Eine Behaglichkeit und ein gewisser Wohlstand zieht bei den Arbeitern ein, die keinen Wunsch nach anderm Schein- und Trugglück aufkommen lassen.

Möchten doch, so schließen wir hiermit unsre Zeilen, im weiten deutschen Vaterland je länger, je mehr Männer sich finden, die in gleicher Weise wie Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode ihre hohe Stellung als ein Gotteslehn ansehen, zu Nutz und Frommen ihrer Mitmenschen ihnen anvertraut. Dann wird’s allzeit gut bei uns stehen. Das walte Gott!

Schöpwinkel.