Hans von Carlowitz belagert die Stadt Bischofswerda

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Hans v. Carlowitz belagert die Stadt Bischofswerda
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 349–350
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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145. Hans v. Carlowitz belagert die Stadt Bischofswerda.

Am 17. April 1555 starb der Meißner Bischof Nicolaus II. v. Carlowitz. In seinem Testamente setzte derselbe seine Verwandten und Freunde zu Erben ein. Der Nachfolger Nicolaus II. aber, Bischof Johann IX. v. Haugwitz, der am 11. Juni 1555 die Huldigung der Stadt Bischofswerda persönlich entgegengenommen hatte, unterdrückte, wie erzählt wird, das Testament seines Vorgängers. Er gab vor, von einem solchen nichts zu wissen und sträubte sich daher, etwas auszuzahlen. –

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Die alte Fronveste. Reste des Dresdner Tores und der alten Stadtmauer.
Ansicht v. S.

Unter den Erben Nicolaus II. befand sich auch Hans von Carlowitz auf „Tzuschendorff“, der Stallmeister des Kurfürsten Vater August. Darum verband derselbe sich mit seinem Bruder Georg von Carlowitz und mit anderen Agnaten des Landes. Er führte gegen den Bischof Johann IX. v. Haugwitz Klage beim Kaiser, um zunächst in Güte mit Hilfe des kaiserlichen [350] Kammergerichtes das ihm vom Bischof vorenthaltene Erbe zu erlangen. Doch der Bischof blieb hartnäckig und weigerte sich ganz entschieden, das Erbteil auszuhändigen. Darum wendet Hans v. Carlowitz nunmehr Gewalt an. Er sammelt um sich seine Getreuen, fällt im Stift Wurzen ein. „Er nimmt vorm Tore dieser Stadt alles hinweg, plündert Mügeln aus, wie auch andere Dörfer, kömmt endlich nach Stolpen, und hat wenig gefehlet, daß er nicht den Bischof erhaschet hätte.“ – Der Bischof entkam durch einen kühnen Sprung aus der Burg und rettete sich mit seinen Heiligtümern nach Prag in Böhmen. Nun wandte sich Hans v. Carlowitz mit seinen Reitern nach Bischofswerda. Dieser Ort hatte bis jetzt treu zum Bischof gehalten. Er hoffte, diese Stadt leicht überrumpeln zu können. Das wäre ihm auch beinahe gelungen. Schon war Hans v. Carlowitz durch das Bautzener Tor in die Vorstadt eingedrungen, und einzelne seiner Reiter sprengten bereits durch die Gassen, da aber wurde Sturm geläutet, und die ganze Bürgerschaft, Männer und Weiber, ausgerüstet mit allerlei Waffen, eilen herbei, die bedrohte Stadt zu verteidigen und dem eindringenden Feinde zu wehren. Es kommt zu einem blutigen Handgemenge, in welchem mancher Reiter der Scharen des Hans v. Carlowitz sein Leben lassen mußte. Die tapferen Bischofswerdaer kämpfen wie die Helden. Unter den Verteidigern der Vaterstadt befindet sich auch eine mutige Magd. Ihre Waffe ist eine „Mistgabel“. Unerschrocken stürzt das kühne Mädchen auf die Reiter los, stößt einen derselben vom Pferde herunter, erfaßt ihn bei den Haaren, schleppt den Schwerverwundeten bis zu einem Kellerloche und wirft ihn ohne Erbarmen durch dasselbe in die Tiefe. – Einen solchen Empfang hatte Hans v. Carlowitz freilich nicht erwartet. Mit Schimpf und Schande und mit schweren Verlusten mußte er aus der Stadt weichen und die Flucht ergreifen. Bischofswerda hatte sich tapfer gehalten. Die Tore wurden wohl verwahret und mit doppelten Wachen besetzt. Einige Tage und Nächte hindurch legte die wackere Bürgerschaft die Waffen nicht aus der Hand. – Für die erlittene Niederlage rächt sich aber v. Carlowitz dadurch, daß er von den „Ratshof-Feldern“ sämtliche Schafe der Bürger wegtreiben ließ und als Beute an sich nahm. Ueber diese Tat des Hans v. Carlowitz wurden die Bischofswerdaer so erzürnt, daß sie beschlossen, dem Räuber nachzujagen und ihm die Beute abzunehmen, doch die Bürgermeister der Stadt waren dagegen und mahnten zur Besonnenheit; denn eher könne man alles Vieh vergessen, als etwa ein Menschenleben. Ohne Verluste auf der Seite der Bischofswerdaer würde doch ganz wahrscheinlich die Verfolgung nicht ablaufen. Dann würden Witwen und Waisen werden, und viel Wehklagen und Seufzen wären die Folge davon. Dieser wohlgemeinte Rat der Bürgermeister wurde auch befolgt, und die Bischofswerdaer sahen von einer Verfolgung des Feindes ab, dem sie alle so mutig und festentschlossen entgegengetreten waren. Sie hatten sich durch ihre Tapferkeit ein ehrendes Denkmal selbst gesetzt.