Helsingfors und Sweaborg

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Helsingfors und Sweaborg
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 402–403
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Zwei finnische Seefestungen
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Die Gartenlaube (1854) b 402.jpg

Helsingfors und Festung Sweaborg.
1. Helsingfors. — 2. Südlicher Hafen für Kriegsschiffe. — 3. Insel Luckholm mit Batterien und Kasernen. — 4. Oestlicher Hafen für Kauffartheischiffe. — 5. Spital für Seeleute. — 6. Handels-Kai. — 7. Tolo-Bay. — 8. Insel Tolo. — 9. Esplanade. — 10. Griechisch-katholischer Gottesacker. — 11. Observatorium. — 12. Seebad. — 13. Festung Sweaborg auf Granitfelsen, durch hölzerne Brücken mit einander verbunden. Kasernen und Batterien von 1200 Kanonen. — 14. Kasernen. — 15. Kanal für Kriegsschiffe. — 16. Kanal für kleine Fahrzeuge. — 17. Felsen, aus dem Wasser hervorragend. Unter dem Meeresspiegel befinden sich deren in bedeutender Anzahl.

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Helsingfors und Sweaborg.

Diese beiden Festungen Finnlands – das nordische Gibraltar genannt, liegen sehr imposant in granitner Romantik, etwa 32 Meilen von Kronstadt und würden der Schlüssel zu dem Landwege nach Petersburg sein. Zuerst müßte Sweaborg genommen werden, welches den nach Helsingfors führenden Kanal schützt. Sweaborg besteht im weitesten Sinne aus sechs granitnen Inseln, die im Umfange einer deutschen Meile vor Helsingfors liegen und von denen drei durch Brücken verbunden sind. Letztere bilden die eigentliche Festung, die drei andern Vorwerke. Die starken Festungswerke sind theils aus dem natürlichen Granit zurecht gehauen und gesprengt, theils durch Kunst ergänzt und aufgethürmt, so daß die sechs bis zehn Fuß dicken Mauern, stellenweise 48 Fuß hoch, aus denen 800 Kanonen und 20,000 Mann hervorarbeiten können, sich ziemlich sicher fühlen mögen. Der Weg für große Schiffe nach Sweaborg ist wegen der hier umhergestreuten kantigen kleinen Scheeren-Inseln ungemein gefährlich, zumal da die Lage einiger auf den meisten Karten nicht genau angegeben ist. Wir fügen eine kleine Karte bei, die für die genaueste und richtigste gehalten wird. Es war einst der Schlüssel zu Schweden und es that stets seine Pflicht, Rußland auszuschließen, bis im Kriege 1808–9 der Kommandant durch Aussicht auf russisches Gold die granitne Festung weich machte, so daß die Russen gemüthlich hineinmarschiren und den Schweden den Frieden dictiren konnten. Die Russen bekamen so Finnland, der Kommandant aber gar nichts, was zwar sehr Unrecht, aber ihm ganz Recht war. Er hatte für seine Arbeit nicht mehr verdient.

Ob „Karlchen“ es mit Gold oder mit Kanonenmetall versucht, wissen wir nicht. Viel Vertrauen scheinen die Russen auch nicht zu haben, obgleich Sweaborg für schlechterdings uneinnehmbar gilt (ausgenommen mit dem weichen, dehnbarsten Metalle). Die Finnen mußten voriges Frühjahr von Sweaborg bis Kronstadt einen Weg durch’s Eis hacken, auf welchem die unter den Batterien liegenden Schiffe sich nach Kronstadt flüchteten. Bekäme „Karlchen“ Sweaborg mit Waffengewalt, könnte er sich rühmen, schon die zweite uneinnehmbare Festung ohne Gold erobert zu haben. Bekanntlich nahm er sich vor einigen Jahren das uneinnehmbare St. Jean d’Acre. Da aber 12,000 Franzosen nach Finnland unterwegs sind, wird er sich wohl nicht leicht allein mit Ruhm bedecken können.

Helsingfors ist eine der imposantesten neurussischen Städte, obgleich sie blos 16,000 Einwohner zählt, auch eine der lebendigsten und gebildetsten durch Fabrikation von Segeltuch, Leinewand (aus dem feinsten Flachse) u. s. w. und Handel mit Holz und Getreide, durch eine bedeutende Universität, eine große Bibliothek und manche gelehrte Gesellschaften, eben so als Residenz des Gouverneurs von Finnland und des Senats. Das Holz von Helsingfors gilt als das beste für Schiffsbau. Die Stadt breitet sich um den großen tiefen Hafen sehr weit aus und gewährt mit den sich dahinter trotzig erhebenden granitnen Höhen- und Gebirgszügen einen gar respektvollen Anblick. Die Straßen haben einen modernen, freundlichen und architektonisch oft schönen Charakter.

Sweaborg ward von dem berühmten Grafen Ehrensward gebaut. Die der natürlichen Fortification hinzugefügte Kunst wird von Festungsverständigen als eins der genialsten Meisterwerke bezeichnet.

Die Finnen gelten als sehr russen-, aber auch als sehr englandfeindlich, da die Flotte neuerdings ihren großen Reichthum von Holz, Schiffen u. s. w. verbrannt hat, so daß die jetzt auf dem Kriegstheater beinahe allmächtigen Franzosen mit ihren 12,000 Mann auch im baltischen Meere und besonders in Finnland durchaus das große, entscheidende Wort führen würden. Von Helsingfors würde der Feind auf dem Wege nach Petersburg nur noch auf zwei Städte von einiger Bedeutung stoßen: Frederikshamm und Wiborg. Borgo und Lowisa sind klein, obgleich letzteres durch die Seefestung Svartholm nach dem Meer hin groß und stark genug sein soll. Von Wiborg bis Petersburg ist die ganze Gegend öde, schlammig und trostlos, so daß sie der jetzigen geheimen Stimmung in den höchsten Regionen Englands entsprechen mag.