Im Hirschberger Thal

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Textdaten
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Autor: Louise Otto
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Titel: Im Hirschberger Thal
Untertitel:
aus: Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 115-116
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1840-1850
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Moritz Schäfer
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[115]
Im Hirschberger Thal.


Es ist wohl eine Freudenthrän’
Mir in das Aug getreten
Als ich die Gegend hier gesehn,
Ein wortlos stilles Beten

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Hier, wo die Berge rings herum

Sich heben wie Altäre
So feierlich, so ernst und stumm
So stark zu Gottes Ehre.

Es trägt das Haupt der Koppe Schnee,

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Hell schimmert die Kapelle

Es springen von der Berge Höh
Die muntern Wasserfälle;
Die Wiesen sind so frisch und grün,
So schön die dichten Wälder

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Und wunderbare Blumen blühn,

Hoch stehn die Saatenfelder.

Mir ist ich sei im Paradies
Wenn ich so ringsum schaue!
Und hingesunken träum ich süß

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Auf dufterfüllter Aue.

So traut, so heimlich ist’s im Thal,
Und von den Bergen droben
Klingts wie ein Gruß von Rübezahl,
Der seine Stimme erhoben.

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Doch weiter setz ich meinen Fuß,

Hin wo die Menschen wohnen
Ich biete ihnen frohen Gruß
Und sie: „Mag’s Gott Euch lohnen!“
Das klingt so traurig, schmerzensreich,

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Was blickt ihr so zur Erde?

Helf Gott! Du Weib – wie bist Du bleich,
Wie schmerzlich von Geberde?

In Deine Hütte laß mich sehn –
Da drinn am Webestuhle,

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Gestalten voller Jammer stehn

Und klappern mit der Spule.
Die Kinder schreien laut nach Brot,
Die blinde Alte singet
Ein düstres Lied vom Freunde Tod,

40
Der einst Erlösung bringet.


Es ist wohl eine Schmerzensthrän’,
Mir in das Aug getreten
Als ich die Menschen hier gesehn,
Ein wortlos stilles Beten,

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Bis einen Schrei hervor ich stieß. –

O hört ihn nicht vergebens! –
Die Schlange ist im Paradies
Und frißt vom Baum des Lebens!