In Jesuitas

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Textdaten
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Autor: Gustav Weck
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Titel: In Jesuitas
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aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 544
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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In Jesuitas.

Sie jauchzten um ihr Meisterstück, um Deutschland, das getrennte,
Sie saßen lustig, Rock an Rock im deutschen Parlamente!
Sie sahen ihre alte Burg im Zeitensturm zerbrechen,
Doch ungetrübten Angesichts begannen sie zu sprechen:

„Ein schönes Reich, dies neue Reich! – Der Spott der Nationen,
Gewann es heute wunderbar die stolzeste der Kronen!
Sein junges Haupt verkündet Kraft, sein Lächeln eitel Wonne – :
Wie eine Sonne ging es auf – so sei es unsre Sonne!“

Ja wohl, Ihr seid die Alten noch, Ihr Söhne des Loyola,
Im schwarzen und im bunten Kleid, im Frack und in der Stola,
Und die im Vaticane sich zum Beutezuge rüstet,
Es ist die alte Schlange noch, die ’s wiederum gelüstet!

Es ist die alte Schlange noch – sie zischt die alte Weise.
Ihr Dürsten ist der Länder Raub, und Gold ist ihre Speise.
Sie hat Dämonen, schlau wie sie, zu Boten sich erlesen,
Und aller Boten trefflichste seid Ihr, wie Ihr’s gewesen!

In der Geschichte Blättern steht’s, ein traurig Blatt, geschrieben,
Wie gut Ihr Euer Amt gewußt, wie redlich Ihr’s betrieben,
Wie fleißig Ihr den Wind gesät und Euch des Sturmes freutet,
Und wie Ihr jeden frischen Trieb des Geistes ausgereutet!

Wie tückisch zum Despotenthum die Fürsten Ihr verführtet,
Und der Empörung Flammen dann im Völkerherzen schürtet,
Wie am Altar Ihr Mann und Weib um ihre Liebe brachtet,
Und Eures Herrn geweihten Leib zur Judasgabe machtet.

Ja wohl, Ihr seid dieselben noch, – Ihr züngelt und Ihr lauert,
Nur daß der Stachel Euch gebricht, wie sehr Ihr’s auch bedauert,
Nur daß hinfort kein Arbues aus flammendem Gebeine
Die junge Glorie sich webt zum künft’gen Heil’genscheine!

Nur daß kein Volk sich fürder krümmt, dem Ihr den Nacken streichelt,
Nur daß Ihr nicht der Herrscher Ohr wie weiland Euch erschmeichelt;
Das Salz der Erde nennt Ihr Euch – nur ist es dumm geworden,
Und jenem im Matthäus gleich – hinaus mit Eurem Orden!

Wenn Einer stirbt, die letzte Furcht im Angesicht, dem bleichen,
Dann mögt Ihr im Prophetenkleid zu seinem Lager schleichen,
Dann mögt Ihr an dem Schmerzenspfühl vom Anathema krächzen
Und zum Bekenntniß, das Ihr wollt, verdrehn ein fiebernd Aechzen.

Wenn Einer ungebeugten Geist’s von dieser Welt geschieden
Und lieber seinem Gotte sich befahl als Eurem Frieden,
Dann mag ihn Euer feiger Grimm noch bei den Schatten suchen,
Dann mögt Ihr seine Gruft bespein und – fluchen, fluchen, fluchen!

Die Todten und die Sterbenden, sie lassen mit sich handeln,
Doch nicht mit den Lebend’gen sollt Ihr eine Straße wandeln!
Im Frieden und im Kampfe nicht! – Kein Friede mit Euch Allen,
Und in der Tage letztem Kampf, da sollt und müßt Ihr fallen!

Wir sind das freie deutsche Volk, das Volk in Geisteswaffen,
Wir haben mit der Lüge nichts und mit dem Haß zu schaffen,
Wir werden Sanct Georgen gleich zertreten Euren Samen,
Den Samen, den die Hölle kennt! – Das helfe Gott uns, Amen!

Gustav Weck.