In Vaters Garten

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Autor: Friedrich Emil Rittershaus
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Titel: In Vaters Garten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 517
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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In Vaters Garten.

Zuweilen führt ein Traum mich in der Nacht
In Räume, wo die Kindheit ich verbracht,
Auf der Erinn’rung Flügeln fliegt hinaus
Das Herz zum Garten an des Vaters Haus. –

Da sind die Beete, eingezäunt mit Buchs –
Ein Stachelbeerbusch an der Ecke wuchs,
Und wohl gehalten in den Beeten stand
Bescheid’nen Tisch ein nützlich Allerhand.

Nur in der Mitte kleiner Beete vier,
Die waren recht des Gartens Schmuck und Zier.
Vier Centisolien hatten dort das Reich –
Nichts sah ich blühen jenen Rosen gleich!

Zwölf weiße Lilien winkten dort im Grün –
Und mit dem Herbst mir stark das letzte Blüh’n.
Schneeglöckchen rief der erste Sonnenkuß
Und bunte Astern machten den Beschluß. –

Des Bürgers Küchengarten, schlicht und klein –
Er schloß für mich doch einen Himmel ein,
Von frühster Kindheit war mir ja bekannt,
Was dort in Knospen und in Blüthen stand!

Der Vogel, dessen Nest im Strauche hing,
Er flog nicht auf, wenn ich vorüber ging,
Und ruhig trank auf Kelch und Blüthenblatt
Die Biene sich an Thau und Honig satt – –

O süßer Traum – und du bist mich noch da,
Die ich als Gast so oft im Garten sah,
Du Nachbarkind! – wenn hold der Mai geblaut,
Dann spielten gern wir Bräutigam und Braut.

Der Buchsbaum hat die Myrthe uns ersetzt;
Die Weißdornknospe war von uns geschätzt
Als Brautkranzblüthe. Seltsam nur: ich wüßt’
Nicht, daß ich dich ein einzig Mal geküßt!

Bleich warst du, krank, gezeichnet von dem Tod
Schon in der Jugend gold’nem Morgenroth,
Und doch so lebensfroh an Herz und Sinn –
Du warst mir aller Blumen Königin!

Und wenn ich in den alten Märchen las
Von Elfen, die bei Nacht getanzt im Gras,
Von Engeln, fliegend durch des Himmels Licht –
Ach, Elf und Engel trug dein Angesicht! –

Nur noch im Traume kehrt zu mir zurück
In stiller Nacht der Kindheit sel’ges Glück,
Und wach’ ich auf, dann möcht’ ich wieder geh’n
Dahin, wo ich dich einst als Kind geseh’n. –

Umsonst! Die Spule saust, der Hammer pocht,
Wo mir dein weißes Händlein Kränze flocht,
Und nur im Traume grüßt mich, blasse Maid,
Aus deinen Augen noch die Kinderzeit. –

Emil Rittershaus.