Kleider-Revolution in Frankreich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Kleider-Revolution in Frankreich
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 464
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[464] Kleider-Revolution in Frankreich. Das neue Kaiserreich hat Leute und Kleider so verändert, daß letztere ganz andere Wesen aus ersteren zu machen scheinen. Die charakteristische Einfachheit weiblicher Moden ist ganz verschwunden. Ich sah (erzählt der Engländer Bayle St. John, der das neuste Paris sehr pikant geschildert hat) unlängst eine Dame, die in dem Rufe des feinsten, tonangebenden Geschmacks stand, in einer Soirée erscheinen, bunt aufgedonnert, als wäre sie die Königin irgend eines wilden Inselvolkes. Ihr Kleid war hellroth, ihre Armbänder und Halsketten bestanden aus Korallen, größer als Haselnüsse: über dem Haar nickten ungeheuere Federn, ebenfalls mit Korallen tapeziert. Dazu war sie selbst ziemlich häßlich und von allen Seiten übertrieben lächerlich. Die Damen, welche den Hof besuchen oder nur in großen, vornehmen Gesellschaften erscheinen, sagen, der goldene, silberne, betreßte, gestickte und besetzte Glanz männlicher Uniformen, die das neue Kaiserreich oben übertüncht, nöthige sie zu dieser kunterbunten Ausstaffirung mit schreienden Farben, sonst würden sie ganz verblassen und ersticken den Männern gegenüber. – Unter den Schmucksachen aus dem Blumenreiche spielt die große, alle Farben annehmende, prächtige, geruchlose, eitele, schwammige Georgine die Hauptrolle. In Bezug auf das männliche Kostüm hat das Kaiserreich seine Wirksamkeit besonders in Verlängerung der Leibrocksschweife, Verengerung von Aermeln, Erhöhung von Absätzen an Stiefeln und Schuhen und Feindseligkeit gegen – die Haare auf den Zähnen mit Begünstigung der Schnurrbärte an den Ohren herunter (das geschorne Gesicht mit Schonung des Backenbartes ist die Erfindung des größten Heuchlers und Tyrannen, ich glaube Ludwig’s XI.) geltend zu machen gesucht. Kaiser und Kaiserin selbst befehlen zwar keine Kleider-Ordnung, aber die „höheren“ Franzosen und Französinnen sind so servil, daß sie dem Paare Alles nachmachen, was es in Compiegne, wo es sich am Meisten gehen zu lassen scheint, in dieser Beziehung erfindet. In Compiegne aber trug der Kaiser öfter das Kostüm der Bourbonen vor der ersten Revolution (nur der Puder fehlt noch), durch dessen Glanz und Pracht er sein Hofgesinde zur luxuriösesten Nachahmung anspornt.