Kurtz-bündige Schutz-Schrifft

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Textdaten
Autor: Friedrich Wilhelm von Schönlich
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Titel: Kurtz-bündige Schutz-Schrifft, über das bewunderns-würdige auch längsther welt-bekandte Orffyreische Perpetuum mobile ...
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Erscheinungsdatum: 1718
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Erscheinungsort: s. l.
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Quelle: SLUB Dresden und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Polemischer Traktat zur Verteidigung des unter dem Künstlernamen „Orffyreus“ auftretenden Johann Ernst Elias Bessler, der angeblich ein Perpetuum mobile gebaut hatte.
Themenseite Perpetuum Mobile
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  • Virgeln und Kommata werden in den lyrischen Textteilen beibehalten, ansonsten werden durchgehend Kommata gesetzt.


[1]

Kurtz-bündige

Schutz-Schrifft /

über das

Bewunderns-würdige

auch längsther

Welt-Bekandte /

Nun durch alle Proben redlich geblibene, und
auf dem Hoch-Fürstlichen Heßischen Schloß Weissenstein,
ohnweit CASSEL sich befindliche

ORFFYREIsche

PERPETUUM
MOBILE,

wider
dessen Beneyder unpartheyisch
entworffen,
durch
Friederich Wilhelm von Schönlich, etc.


Gedruckt im Monath Junii, 1718.

[2]

NB.

Das Kupffer-Blat blieb auß, gehörte noch hierein,
Drauf die Historie (wie folget) solte seyn:

NB. NB.

Drey Füchse einen Felß zu beissen sich einschliessen,
     Sie gruntzen wie ein Wolff, ein Geyer und ein Bär /
Und da sie lang genug gebollen und gebissen /
     Ja sich im Schlamm und Koth geweltzet hin und her,
Sind ihre Zähn’ und Gusch’ / selbst lästerlich zerrissen,
     Sie scheeren sich gleichsam mit ihrer eignen Scheer /
Und werden auf das Fell noch jämmerlich geschmissen /
     Kein Esel ietzo gern an ihrer Stelle wär.
Worauf sie müd’ und matt von hinnen hincken müssen.
     Nun die Begebenheit ist nicht von ohngefehr.

Applicatio.

Die unserm ORFFYRE viel Böses zugedachten /
     Und die mit[1] Maul und Schrifft sind lästerlich bekandt /
Ja die so unverschäm’t die losen Kupffer machten,
     Ob zög’ ORFFREI Werck mit Stricken nur jemand / etc.
Die haben Stanck für Stanck,[2] (wie wütend sie auch lachten
     Nachdem sie gleichsam nun ihr eigen Maul verbrant /
Und also sehen sie sich hoch verdient verachten;
     Ihr Bellen viehisch war, ihr Beissen Sünd u. Schand,
Witz und Gerechtigkeit die Wahrheit hervor brachten:
     ORFFREI Rad hat recht, und Ihn rühm’t gantz Teutschland.

[3]

Unpartheischer Leser!

ES ist leider eine schier von Anbegin hergebrachte strafbare Weise unter denen Sterblichen, daß diejenigen, welche entweder durch Ruhm würdige Thaten und Tugenden oder mit hoch-herrlichen Erfindungen und andern Preißwürdigen Geschicklichkeiten auß dem nichtigen Staube des Pöbel-Volcks herfür getretten und was Unsterbliches zu stifften begonnen, also gleich von denen gifftigen Zähnen des höllischen Neyds gewaltsam angetastet, zernaget und zerrissen worden. Davon die geist- und weltliche Annales und Geschicht-Bücher viel traurige Spectacula uns vor die Augen legen. Wurden nicht die heiligen Lichter der Erden nebst der allerreinesten Sonne des Lebens ihres Oberhaupts zum Scheusal gemacht? Was richtete man vor Zeiten demjenigen Künstler Petronius unter dessen Hammer das zerbrechliche Glaß gleich dem Eisen auf dem Ambos sich schmiegen muste, für Denckmale der Ehren auf? keine andere als welche denen Ubelthätern die Hand des Scharffrichters aufbauet. u. s. f.

Schlecht genug, daß die Tugend nach dem Außspruch des heidnischen Lucian von dem Glück so übel zugerichtet [4] werden muß, daß sie mit zerrissenen Lumpen einher gehet, und nicht einmahl dem Jupiter unter die Augen treten darff!

Der wegen seiner sonderbaren Geschicklichkeiten und Meriten hochberühmte Mathematicus ORFFYREUS, jetziger Hoch-Fürstl. Hess. Commertien-Rath, hatte kaum vor 5. Jahren durch die von dem huldreichen Himmel ihm verliehene Klugheit des Verstandes, den so vest bißher verwickelten Gordischen Knoten des Perpet. Mobilis aufgelöset, und eine Machine außgefunden, welche durch eine innerliche Mechanische Macht getrieben, sich von aussen bewegen und eine andere äusserliche Gewalt mit fort treiben konte; erregte der schwartze Momus so fort eine Schaar stoltzer Neyder und Tadler, welche gleich den Geyern und Raub-Vögeln, die sich mehr auf todte Aeser als luftige Gefilde setzen, mit ihren gifftigen Stachel-Zungen und spitzigen Federn, so wohl den Herrn Inventorem selbst, als seine von so vielen Seculis her gewünschte, verborgene und rare Erfindung lästerlich angreiffen, verdächtig, und wo möglich zu Schanden machen solten.

Hierzu hat ein schnödes Trifolium ins besondere das äusserste gewaget, und wie die bekandten 3 furieusen Geschwister Alecto, Tisiphone und Megära sich erwiesen.

Ein jeder derselben hielt dieses Preiß-würdige Inventum für eine phantastische Einbildung[3] oder eitele Chimère.

Den Brunnqvell aber ihres störrigen Sinnes entdecket ihnen ein Römischer Scribent in seinen Worten: quae Sallustius in
Bell. Catil.
sibi quisque facilia facta putat, aequo animo accipit, supra veluti ficta pro falsis habetur. Worzu man selber nicht geschickt ist, es außzuführen, das hält man vor unmöglich und falsch.

Einem aber unter ihnen quem mala mens licet studiis [5] donatum, tamen ad improbos mores flectit, dessen Studia seinen bösen Kopff nicht zu ändern vermocht, als Er sahe, daß die dreyfache Kette ihrer sträflichen Einstimmung zu schwach schien zu verhindern, daß die Gnadenreiche Hulde grosser Herrn die denckwürdige Kunst eines so grossen Meisters nicht unter die Flügel nehmen möchte, tumescirte und schwall der Bauch gleich einer Kröten, wann sie qvacken will, vom Uberfluß seines grimmigen Geifers, und tastete mit Klauen und Zähnen diesen fürtrefflichen Mann ORFFYREUM überall, wo Ihm etwas verächtliches an seiner Person zu hafften schien, tollkühnlicher massen gewaltig an. Er vermeynte Ihm so heßliche Wunden zu schlagen, daß Er gleich der zerlumpichten Tugend des Lucians vor dem Jupiter, ich will sagen vor dem Antlitz seines gnädigsten Fürsten zu erscheinen sich schämen möchte.

Allein man überließ diesem Raben sein faules Fleisch und vereinbahrte sothanen Momischen Gesellen mit der Thessalischen Hexe, welche allemahl, wann sie zaubern wolte, sich zu einem Aas legte. Apulejus

Den Herrn Inventorem zwar dürstet nach Lobsprüchen so wenig als den Käyser Siegmund, welcher einem, der Ihn preisete einen Backenstreich versetzte, und sprach: cur me mordes? warum beissest du mich? Unsere Pflicht aber erfordert Ihm gleiche Worte, womit einst der Frantzösische Staats-Mann Msr. Golbert beehret ward, zuzuruffen:

     Laus tua, non tua fraus, virtus, non copia rerum,
     Scandere te fecit, hoc decus egregium!

Dein Lob / nicht dein Betrug, die Tugend sonst kein Schatz
Macht dir o schönste Zierd! im Ehren-Tempel platz etc.

Neben der Gewißheit seines Arcani soulagirten Ihn die Reden eines gewissen Ministres: Dieu ne permet [6] pas, que quelquun soit exemt de mortification. GOtt lässet niemand vom Verdruß befreyet seyn.

Schadete Ihm demnach der injurieuse Kiel mehr nicht als jenem Spanier der vergebliche Stoß, womit der Hertzog von Medina ihn in der Lufft todt stechen wolte, und haben wir Ihn selbst dißfalls mit lachendem Munde sagen hören:

     Non moror, an laudet me turpis, an improbet osor!

Was acht ich, daß ein Feind aus Haß von mir so spricht /
Daß seine Läster-Zung aus harten Neid mich richt /
     Nichts, Feinden glaubt man nicht / was sie von Feinden sprechen /
     Ein neidisch Hertz wird selbst der Neid in Stücken brechen.

Freylich ja, denn diese Pestilentzialische Motte verzehret nach der expression eines Weisen ihre eigene Seele. Invidia est tinea animae, corrodens pectus & sensum, inficiens cor hominis & quasi pestis depascens.

Lasset diesen Verleumder immerhin die süssen Träume seiner Phantasey gleich jener Jüdischen Nation ihren güldenen Esels-Kopff anbeten, Suidus und quasi hoc populus curaret,[4] eine Chimerische Machine im Gehirn außcalculiren, so wird Er dennoch das herrliche Geheimniß des ORFFYREIschen Perpetui Mobilis nimmer erreichen, sondern als ein ander Ixion an statt der Juno einen nichtigen Nebel und flüchtige Wolcke umarmen.

Lasset Ihn immerhin den Abgott seiner Hirn-Machine Herodotus
Lucanus
wie die Essedonier ihre mit Gold überzogene Hirn-Schale verehren, Er opffert nur mit denen alten Marseillern einem unbeweglichen Klotz und unbrauchbaren Stecken, welches sich zeitig genung äussern würde, wann Er seinen producirten Abriß im Wercke darstellen solte.

Dafern aber die drey wütende Spieß-Gesellen etwa wehnen möchten, es hätten sie die reine Jungfrau der [7] Wahrheit des ORFFYREIschen Perpetui Mobilis mit ihren unerfüllten Postulatis nach dem Stylo des Democrytus in einen tieffen Brunnen versencket, so werden sie hiermit öffentlich beurkundet, daß nicht nach ihrem Winck, sondern auf hohen Befehl (nicht vorhergangenen nur ersinnlichen Proben, das ORFFYREIsche Perpetuum Mobile recht und innigst zu untersuchen) endlich auch bey beschlossener Verwahrung, unter Hoch-Fürstl. Signet vom 12. Nov. 1717. bis mensis Jan. an. cur. und also zwey gantzer Monaht lang, sothanes Kunst-Rad unverrückt und im unaufhörlichen Umwältzen von sich selber ohne einige unmögliche von aussen herzukommen könnende Gewalt fort gearbeitet und gelauffen sey, so auf hohen Begehr länger fort wehren können. Und solcher gestalt hat des Saturnus Vater Democritus zur Zeit die versenckte Matrone wieder glücklich befreyet, und schneidet nunmehr ihren Feinden eine Poenitentz-Kappe zu, welche die gerechten Richter, Plato Minos, Aacus und Rhadamantus ihnen aufsetzen werden.

Sibilent nunc viperae! Lasset nun die Nattern ferner zischen, wenn sie können! Sie werden zu ihrem Spott den Wolff erblicken, welchen Sie bey den Ohren gehalten.

Niemand lasse sich dannenhero befrembden daß der Herr Author sich des edlen Bilds der Wahrheit wie in der That mit der legitimirten obbesagten Probe des Perpet. Mob. also auch mit Worten in gegenwärtigem Tractat, so rühmlichst angenommen, und solche von so ungewissenhafften Courtisanen nicht so heßlich wollen verunglimpffen lassen, in Ansehung des bekandten Spruches:

     Der ist ein recht heilloser Mann,
     Der sich der Ehr und Wahrheit nicht nimmt an.

Zu bösen Hunden ist kein Knüttel zu groß, und die Lauge, womit ihnen in der alten ORFYRREIschen Teutschen Reim-Art die Häupter gezwaget werden, ist nicht zu scharff: talia quisque feret, qualia quisque geret.

Trutz demnach allen fernern Calumnianten welche das so hoch-theure und so lang erwünschte Inventum dieses grossen Künstlers! (von dessen Staffel der Ehren hinfort alle Momische Zungen, wie die Fliegen und Hunde vor Zeiten auß des Hercules Tempel sollen verbannet bleiben,) verdächtig zu machen sich ferner unterstehen möchten!

Wir setzen vielmehr schließlich unserm redlichen ORFFYRE zu ewig-grünendem Angedencken folgenden Spruch:

     Exegit monumentum aere perennisHor. Od.
30. Carm.
lib. 3.

     Regalique situ Pyramidum altius
     Quod non imper edax, non Aquilo impotens
     Possit diruere aut innumerabilis
     Annorum series & fuga temporum etc.

Er hat ein Werck erdacht / ein Denckmal aufgeführt,
     Das länger auf der Welt als vestes Ertz wird dauren /
Das an die Sterne reicht, dem höher Ruhm gebührt /
     Als der Colossen Pracht und spitzer Säulen Mauren,
Die vormals Griechenland und Lybien gesehn /
     Das Wind u. Wetter trotzt / kein Regen kan zermalmen,
Kein Zeiten Zahn benagt, das nimmer kan vergehn,
     Darauf Apollo steckt des Künstlers Ehren-Palmen.

Anmerkungen

  1. WS: Druckfehler, die Letter „t“ ist um 180 Grad gedreht
  2. WS: Druckfehler „Sranck“
  3. WS: Druckfehler, die Letter „u“ ist um 180 Grad gedreht
  4. WS: Druckfehler, die Letter „u“ ist um 180 Grad gedreht