Kurze Belehrung über die Cometen

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Autor: unbekannt
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Titel: Kurze Belehrung über die Cometen
Untertitel: veranlaßt durch den Cometen des Jahres 1811
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Entstehungsdatum: 1811
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Verlag: Buchbinder Hüttenrauch
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Erscheinungsort: Hohenstein im Schönburgischen
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[1]
Kurze Belehrung


über die


Cometen


veranlaßt


durch den Cometen des Jahres


1811.




Zu finden beim Buchbinder Hüttenrauch in
Hohenstein im Schönburgischen.

[2]
Die Cometen


haben von jeher Veranlassung zum Aberglauben gegeben, und unter derjenigen Classe von Leuten, welche, wegen ihrer Erziehung und ihres mangelhaften Unterrichts, von diesen großen Weltkörpern keinen hinreichenden Begriff haben konnten, stets große Furcht erregt. Bisweilen haben auch große Naturbegebenheiten, oder auch wohl politische Ereignisse, welche letztere zufällig nahe oder fern auf sie erfolgten, und gewiß auch ohne ihre Erscheinung erfolgt seyn würden, diese Furcht genährt und fortgepflanzt.

Das ist nun der Fall auch bei dem diesjährigen Cometen. Man sieht ihn als eine übernatürliche und Unglück verkündigende Erscheinung an, und setzt von allen Seiten die Gemüther der Schwachen in bange Furcht und Schrecken. Der Verfasser dieser kleinen Schrift, der die Volksurtheile darüber genau kennt, nahm daher Veranlassung, etwas Nützliches über deren Erscheinung zu sagen, und diejenigen, welchen es an Gelegenheit fehlte, sich von dieser Naturerscheinung Kenntnisse zu verschaffen, kurz und deutlich davon zu belehren.

Die Cometen gehören, nach den neuern Beobachtungen der Sternkundigen, wie alle andere Sterne, zu dem großen Heer der Weltkörper, durch welche der Schöpfer seine Weisheit und Allmacht offenbaren wollte. Man ist daher durch vieljährige Bemerkungen überzeugt worden, daß sie, wie die andern Planeten, und wie unsere Erde, feste und dunkle Körper sind, die ihr Licht erst von der Sonne bekommen. Die Fixsterne, die wir alle Tage sehen können, haben ihr eigenes Licht, wie die Sonne, und können daher selbst Sonnen genannt [3] werden. Eine ganz andere Beschaffenheit hat es mit den Planeten und Cometen. Diese müssen, wie unsere Erde, erst von der Sonne erleuchtet werden, daher sie auch einen von Gott bestimmten sehr richtigen Lauf um die Sonne beobachten, was aber bei den Fixsternen der Fall nicht ist, woher sie auch ihren Namen, Fixsterne, oder feststehende Sterne bekommen haben.

Auch die Cometen drehen sich also um die Sonne, aber, wie es scheint, weit unregelmäßiger, als die Planeten, jedoch stets in einer solchen Entfernung, daß sie ihr nie zu nahe kommen. Die Sonne ist 19 Millionen Meilen weit von der Erde entfernt, hingegen beträgt die Entfernung[WS 1] der jetzt bekannten Cometen von der Erde 8 bis 12 Millionen Meilen, so daß der Raum zwischen der Sonne und den Cometen noch immer 7 bis 11 Millionen Meilen ausmacht.

Sobald ein solcher Stern unserer Erde sichtbar wird, was freilich sehr selten geschieht, so sind die Sternkundigen auch im Stande, seinen Gang am Himmel und die Dauer seiner Sichtbarkeit zu bestimmen; ja man ist schon soweit gekommen, daß man genau bestimmen kann, innerhalb wie vieler Jahre derselbe Comet wieder erscheinen werde. Von jeher hat man diesen Sternen viel Aufmerksamkeit geschenkt, und von ihrem Aussehen und Gange selbst Zeichnungen aufgenommen, daher man von manchem derselben genau hat bestimmen können, daß er zu der und jener Zeit schon gesehen worden sey. So weiß man z. B. sehr genau, daß der im Jahr 1759 erschienene Comet seine Bahn innerhalb 75 Jahren vollenden, und also 1834 wieder erscheinen werde, und daß der gegenwärtige schon im [4] 15. Jahrhunderte bemerkt worden ist. Das ist auch um so glaubwürdiger, da seine Ankunft 1759, lange Zeit vorher, mit vieler Richtigkeit angekündigt worden war.

Die äußerliche Form der Cometen ist mehr oval- als kugelrund, und ihr Ansehen bald funkelnd, doch nie, wie die Fixsterne, bald wie blasse Wölkchen, bald wie eine matt glühende Kohle. Je mehr sie sich der Sonne nähern, desto stärker wird ihr Glanz; je näher sie aber der Erde stehen, desto blässer erscheinen sie. Ihr Ansehen bekommt etwas Furchtbares durch den längern oder kürzern Schweif, den wir an ihnen bemerken, welcher sowohl vor Alters, als auch jetzt, die sonderbarsten Meinungen erregt hat.

Noch vor 50 und 60 Jahren hat es Astronomen gegeben, welche die Cometen für brennende Weltkörper gehalten haben, die ihren jüngsten Tag erlebt hätten, und nun von dem Schöpfer durch Feuer zerstört würden, und also eben das Schicksal hätten, das unserer Erde einst bevorstünde. Der Schweif derselben wurde nun ohngefähr für das angesehen, was wir bei einem Brande, den wir in der Ferne bemerken, die Feuerwolke nennen. Andere haben seinen Schweif für eine Zuchtruthe gehalten, durch welche Gott, um allgemeiner Sünden willen, allgemeine Strafen androhen, und dadurch zur Besserung reizen wolle. Allein genauere Beobachtungen haben diese Meinungen deutlich genug widerlegt.

Daß die Cometen nicht stille stehen, sondern sich bewegen, habe ich schon oben gesagt, und es liegt, durch deren stundenweis bemerkbare veränderte Stellung, am Tage. Der diesjährige Comet [5] stehet Abends bei seinem Aufgange von Nordwest nach Südost, und gegen Morgen bemerken wir ihn auf der entgegengesetzten Seite. Diese Bewegung geschiehet nun ohngefähr in der Schnelle einer abgeschossenen Flintenkugel. Durch diese außerordentliche Schnelle steigen von dem Cometen eine ungeheuere Menge Dünste und Staubtheilchen auf, welche durch den Druck der Sonnenstrahlen, und durch die Luft von der Sonne abwärts getrieben werden, und nun fortwährend jenen Schweif verursachen, der stets nur von der entgegengesetzten Seite der Sonne gesehen wird. Dieser Schweif ist an dem einen Cometen länger oder kürzer, als an dem andern, was wahrscheinlich auf die Nähe oder Ferne seines Standes bei der Sonne, oder auch wohl auf die äußere Form dieses Körpers ankommt. Um dieser willen kann dieser Schweif nicht stets von einerlei äußerlicher Form seyn. Man hat daher Cometen mit einem doppelten, mit horn- und kegelförmigen, auch wohl einem lanzenartigen Schweif bemerkt.

Die Zahl dieser großen Weltkörper beläuft sich auf mehrere tausend. Viele von ihnen können aber nicht mit bloßen Augen, sondern nur durch Ferngläser bemerkt werden. Sie sind auch nicht nur eine Erscheinung der neuern Zeit, sondern vom Anfange der Welt da gewesen, und nur theils die mangelhafte Kenntniß von den Himmelskörpern, theils die Unachtsamkeit in der Aufzeichnung ihrer Erscheinungen, haben uns frühere Kenntniß von ihnen entzogen. Indessen hat man doch schon mehrere Jahrhunderte vor Christus Geburt angefangen, eine größere Aufmerksamkeit auf die Cometen zu richten, und selbst Zeichnungen von ihnen aufzunehmen. [6] Fast 500 Jahre vor Christo haben griechische und lateinische Schriftsteller die Erscheinung von Cometen erwähnt. Weil man aber zu der Zeit noch zu wenig Kenntniß von dem unermeßlichen Gebäude des Himmels hatte, auch wohl zufällige große Begebenheiten darauf erfolgten; so mischten sich schon frühzeitig Vorurtheile und Aberglaube ein. Man sah nun die Cometen für Propheten und wichtiger und meistens gefahrvoller Vorfälle an, durch welche der Weltregent die Menschen warnen, und auf ein trauriges Schicksal vorbereiten wolle. Der Zufall hat diesen Glauben oft bestätigt.

Sollten die Cometen aber wirklich Einfluß auf die Revolutionen haben, welche auf der Erde vorgehen; so könnte das nicht in politischer, sondern nur in physischer oder natürlicher Rücksicht möglich seyn. Man nimmt z. B. an, daß der Mond Ebbe und Fluth in der See verursache. Kann nicht ein Comet ähnliche Wirkungen auf der Erde hervorbringen? Kann er nicht Erdbeben, große und schädliche Nässe oder Trockenheit, übertriebene Wärme oder Kälte bewirken? Man weiß es ja, daß aus diesen natürlichen Ursachen die empfindlichsten Folgen für die Menschen entspringen. Denn eben durch Erderschütterungen, durch Nässe und Trockenheit, durch Hitze und Kälte sind nicht selten Seuchen, Mißwachs, Theurung und Hungersnoth entstanden. Auf den Cometen, welcher in den ersten Monaten des Jahres 1771 sichtbar war, erfolgte eine so anhaltende Nässe, daß das Getreide verdarb, und was noch gut war, wegen der anhaltenden Nässe gar nicht, oder feucht eingebracht werden mußte. Es erfolgte hierauf eine solche Theurung, daß sehr viele Menschen vor Hunger, oder [7] durch Seuchen starben, welche die schlechten Nahrungsmittel verursachten. Aber wer bürgt uns dafür, daß der vorhergesehene Comet diese harten Folgen prophezeit oder verursacht habe? Im Jahr 1805 herrschte in Sachsen eine ähnliche Theurung, aber es war ihr kein Comet vorhergegangen. Noch weit weniger können die Cometen Propheten oder Urheber politischer Begebenheiten seyn. Nie sind blutigere Kriege geführt, und durch sie größere politische Veränderungen herbei geführt worden, als seit 20 Jahren. Besonders folgenreich in politischer Hinsicht waren die Jahre von 1806 bis hieher. Hätte Gott solche politische Umwälzungen je durch Cometen angezeigt, so würde wahrscheinlich auch diesen Jahren mit ihren großen Folgen einer vorausgegangen seyn.

Der Zufall, sagte ich oben, habe nicht selten die Vorurtheile und den Aberglauben bei den Cometen bestätiget. Die Menschen haben einen ausgezeichneten Hang zum Wundervollen, so daß sie das Natürliche stets jenem nachsetzen, und die Natur über ihre Wundergeschichten vergessen. Denn, wenn zwei Vorfälle, ein natürlicher und ein außerordentlicher, auf einen Cometen folgen; so vergißt man jenen über diesen. Das ist von jeher der Fall gewesen, und ist es noch. Hiervon nur einige Beispiele: auf den Cometen, welcher 480 Jahre vor Christus Geburt gesehen wurde, erfolgte ein Erdbeben und ein Krieg zwischen den Griechen und den Persern, in welchem die letztern blutige Niederlagen erlitten. Was that man? Man vergaß den Zusammenhang des Erdbebens mit dem Cometen, und sah den Krieg als Folge von seiner Erscheinung an. Späterhin sah man in Griechenland einen Cometen, dem unmittelbar eine fast beispiellose Wasserfluth, nicht lange darauf aber auch ein 29jähriger Krieg folgte, und man hielt den Krieg, nicht aber die Wasserfluth, für eine Folge von ihm.

Dieser Hang zum Wundervollen ist nicht leicht zu [8] beseitigen, und wird auch bei dem diesjährigen Cometen auffallend bemerkbar. Schon treten Propheten in der Art auf, und beunruhigen die Gemüther der Schwachen dadurch, daß sie von Krieg und Blutvergießen, von Theurung und Hungersnoth, von Seuchen und Tode als Folgen desselben sprechen. Noch ist ja nicht einmal ein natürlicher Einfluß desselben erwiesen, wie viel weniger ein politischer. Nicht einmal die diesjährige Trockenheit kann als zu seinem Gefolge gehörig angesehen werden, weil sie schon bestand, ehe er erschien, und weil im Jahr 1810 eine ähnliche Trockenheit herrschte, ohne einen Cometen. Wollten wir auch die Meinung mancher Sternkundigen (die jedoch nicht erwiesen ist) annehmen, daß der Comet bei zu großer Annäherung an die Sonne so heiß, wie ein glühendes Eisen werden könne; so ist es doch nicht erwiesen, daß er mit seiner Hitze auf die Millionen Meilen weit von ihm entfernte Erde wirken könne. Auch dieser Comet ist ein natürlicher, mit der großen Sternenwelt zusammenhängender, Körper. Das ist daraus deutlich abzunehmen, daß die Sternkundigen seinen Lauf so richtig bezeichnen, seine Dauer selbst bestimmen und sein künftige Wiedererscheinung zusichern können.

So ausgemacht es übrigens ist, daß die Cometen keinen Einfluß auf politische Begebenheiten haben, so wahrscheinlich ist es doch, daß ihre Einwirkung auf die Erde nachtheilig oder nützlich werden könne. Das kann jedoch nicht voraus bestimmt, sondern muß erst in den Folgen erkannt werden.

Auffallend ist endlich bei der Erscheinung eines Cometen der moralische Einfluß desselben auf die Gemüther der Menschen. Tausende von ihnen sehen den Cometen als Zuchtruthe Gottes an, stehen mit aufgehabenen Händen in seiner Betrachtung und tragen auf ihrem Gesichte die Zeichen der Furcht vor der Zukunft, aber keiner von allen denkt an die sichtliche Besserung. Man geht den alten Weg, und bleibt, was man war.




[9]
Gespräch


zwischen einem Landmanne und einem Gelehrten
Nahmens Astrophilus


über


die Erscheinung


des


diesjährigen Kometen


von


C. L. H. Stock, Candid. d. Theol.




Landmann.

Sagen sie mir doch, mein lieber Herr, was das für ein sonderbarer Stern ist, den man jetzt alle Nächte am Himmel sieht?

Astrophilus. Das ist ein Komet, oder welches einerley ist, ein Schwanz- oder Haarstern; denn das bedeutet das Wort Komet.

Landmann. Gott! was sagen Sie? ein Komet wäre es? wie erschrecken Sie mich!

Astrophilus. Wie so, mein Lieber?

Landm. Je man hat ja immer gesagt, daß Kometen irgend ein Unglück voraus verkündigten. Wer weiß, was wieder für ein schrecklicher Krieg ausbricht. – Man hat schon lange davon gesprochen, und nun glaube ich gewiß, daß es damit seine Richtigkeit hat. Wer weiß auch, was für eine Theurung oder ansteckende Seuche wieder über [10] das Land kömmt; – denn das alles sollen ja die Kometen verkündigen. Ach das Gott erbarm!

Astroph. Nu, nu, gebe Er sich nur zufrieden, so schlimm ists noch nicht. Wenn er will, so soll er von mir über die Sache eines Bessern belehrt werden.

Landm. Ey, da werden Sie mir einen großen Gefallen thun, wenn Sie so gut seyn wollen; denn ich möchte überhaupt diesen sonderbaren Stern, der jetzt so viel Aufsehen macht, gerne etwas näher kennen lernen.

Astroph. So viel ich weiß, soll Er von mir erfahren. Erst muß ich Ihm sagen, daß es dreyerley Arten von Sternen giebt, nämlich Fixsterne, Planeten und Kometen. Diese letztern haben eben so wenig als die Planeten, wozu auch unsere Erde gehört, ihr eigenes Licht, sondern erhalten es von der Sonne.

Landm. Aber woher kommt denn der lichte Schweif, welchen man an den Kometen erblickt?

Astroph. Dieser Schweif, welcher euch Leuten besonders furchtbar vorkommt, ist allemal der Sonne entgegengesetzt und scheint nichts anders zu seyn, als eine von den Sonnenstrahlen erleuchteter Dunstkreis, der um den Kometen eben so gut verbreitet ist, wie um unsere Erde. Nun kann es seyn, daß auf den Kometen die Dünste weit höher steigen, als auf der Erde; scheint nun die Sonne hinein, so muß das auch natürlich einen sehr großen und weiten Schein verursachen, und das ist der lichte Schweif, den Er bey den Kometen sieht. Versteht Er mich?

[11] Landm. O, ja; nach Ihrer Erklärung entstünde folglich dieser Schweif aus einer ganz natürlichen Ursache, und man dürfte sich also weiter nicht vor ihm fürchten. Aber es ist doch immer sonderbar, daß nur selten ein solcher Komet erscheint; daher sollte man doch meinen, daß er etwas zu bedeuten hätte. Was meinen Sie dazu?

Astroph. Das glaube Er nicht, mein Lieber daß Kometen so etwas seltenes sind; wir können sie nur nicht alle mit bloßen Augen sehen. Liebhaber der Sternkunde, welche den Himmel fleißig durch Fernröhre betrachten, sehen dergleichen öfter, als wir, die wir den Himmel nur immer mit bloßen Augen betrachten. Er muß nur wissen, daß man schon auf 12000 Kometen mit guten Fernröhren beobachtet hat.

Landm. Ach, was Sie sagen! 12000 Kometen! – ey, das hätte ich nicht gedacht, daß es ihrer so viele gebe. Aber da dächte ich, müßte man doch öfters welche sehen. – Auch kann ich mir gar nicht erklären, wo sie hinkommen, wenn man sie nicht mehr sieht.

Astroph. Das will ich Ihm sagen, mein Guter; denn es freut mich herzlich, daß er so wißbegierig ist. Die Kometen laufen eben so, wie die Planeten, die ich ihm vorhin nannte um die Sonne, nur in einer viel andern Richtung. Doch ich will Ihm dieses deutlicher machen. Stecke Er einmal seinen Stock in die Erde, dieser mag die Sonne seyn. – So! Nun geh Er einmal um den Stock herum. – So! Ziemlich auf diese Weise laufen auch die Planeten um die Sonne. Nun [12] aber geh Er noch einmahl um den Stock herum, doch so, daß Er sich erst recht weit vom Stocke entfernt, ehe Er wieder in dessen Nähe und um ihn herum kommt. – So! Sieht Er, lieber Mann, so ungefähr läuft auch der Komet um die Sonne. Entfernt er sich von derselben, so ist er uns nicht mehr sichtbar; kommt er aber wieder in ihre Nähe, so können wir ihn auch bisweilen sehen. Ich sage mit Fleiß, bisweilen; denn viele Kometen sind, wenn sie auch in die Nähe der Sonne kommen; doch noch so weit von derselben entfernt, daß wir sie mit bloßen Augen nicht sehen können. Er sieht leicht daraus, daß die Kometen auch verschiedene Laufbahnen haben müssen; denn es ist ausgemacht, daß immer einer der Sonne näher kommt und sich auch weiter von ihr entfernt, als der andere.

Landm. Ja, nun ist mir die Sache deutlich. Weiß man es denn etwa auch voraus, wenn ein Komet erscheinen wird, wie man z. B. die Sonn- und Mondfinsternisse, den Auf- und Untergang der Sonne und des Mondes vorher wissen kann?

Astroph. O ja, von sehr vielen wenigstens weiß man das; denn man hat schon von einigen 70 Kometen die Laufbahn und auch die Zeit ihres Wiedererscheinens berechnet. Z. B. im Jahr 1531 erschien ein Komet. Da nun der nämliche in den Jahren 1607, 1682, und 1758 wieder erschienen ist, so hat man daraus deutlich wahrgenommen, daß er 76 Jahre zu seinem Umlaufe um die Sonne brauche. Es ist also wahrscheinlich, daß er 1834 wieder erscheinen wird. Der größte von allen Kometen, der je gesehen worden ist, erschien zuletzt [13] 1680, und dieser soll zu seinem Laufe um die Sonne 575 Jahre nöthig haben. Ueberhaupt versichern die Sternkundigen, daß viele Kometen mehrere Jahrhunderte zu einem einzigen Umlaufe um die Sonne brauchen. Nun kann Er leicht denken, wie weit sie sich von der Sonne entfernen müssen.

Landm. Da stehen einem die Haare zu Berge, wenn man darüber nachdenkt. Wie groß muß nicht auch der Himmel seyn, woran sie sich alle so bewegen!

Astroph. Allerdings muß man darüber erstaunen. Muß Er mir nun nicht zugeben, nachdem ich Ihn auf die Menge und regelmäßige Bewegung der Kometen aufmerksam gemacht habe, daß die Erscheinung eines solchen Sternes weiter nichts unnatürliches sey und noch vielweniger etwas Böses zu bedeuten habe?

Landm. Allerdings! Wenn nur allen die Sache so deutlich erklärt würde, wie Sie es jetzt gethan haben, so würde gewiß Niemand mehr vor einem Kometen erschrecken.

Astroph. Nun ich werde mir Mühe geben, auch andere darüber zu belehren, und um recht vielen nützlich zu seyn, diese ganze Unterredung, die ich mit Ihm gehalten habe, drucken lassen. Sollte Er selbst welche antreffen, die noch in Absicht eines Kometen eine irrige Meinung hegen, so suche Er sie auch davon abzubringen, und versichere Er sie zu gleicher Zeit, daß auf die Erscheinung eines Kometen eben so oft glückliche als traurige und bisweilen gar keine merkwürdigen Begebenheiten erfolgt sind. Und gesetzt auch, es ereignete [14] sich auf die Erscheinung des jetzigen Kometen irgend eine traurige oder wohl gar schreckliche Begebenheit, so hat sie bestimmt dieser Stern nicht prophezeiet; denn sie würde gewiß auch dann erfolgt sey, wenn auch der Komet nicht erschienen wäre. Sollten überhaupt Kometen Unglücksboten seyn, so müßten uns immer welche sichtbar werden, weil ohne Aufhören frohe Begebenheiten mit traurigen abwechseln und sich besonders letztere in unsern Tagen weit häufiger ereignen, als die erstern. Aber es ist auch lächerlich und höchst abgeschmackt, einem leblosen Sterne, der von nichts eine Empfindung haben kann, eine solche Gabe der Weissagung zuzutrauen. Ist das nicht der schändlichste Aberglaube, der nur dem Christenthume zuwider seyn kann? Sollten wir von Dingen etwas Gutes oder Böses erwarten, von denen wir vernünftiger Weise weder das eine, noch das andere erwarten dürfen, wie von einem leblosen Sterne? – Oder bilden wir uns etwan ein, daß Gott selbst uns so einen Stern zuschicke, um uns eine traurige Zukunft anzudeuten und uns in Furcht und Angst zu setzen? Das ist eben so thörigt anzunehmen; denn wie stimmte das mit der Güte und Weisheit Gottes überein? – – Gott muß uns ja aus gütigen und weisen Absichten die Zukunft verbergen; denn es würde uns auf jeden Fall schädlich seyn, sie voraus zu wissen. Denn sähen wir, daß uns viele traurige Schicksale bevorstünden, so könnten wir ja nie unsers Lebens froh werden und müßten uns immer der Zukunft wegen ängstigen; sähen wir aber frohen Tagen entgegen, [15] dann würden wir beyzeiten übermüthig werden und gar leicht durch unsere Unbesonnenheit das Glück wieder verscherzen, das uns zu Theil werden sollte. In beyden Fällen aber müßte auch besonders unsere Tugend leiden, und wir würden bald sowohl sie als auch die Religion aus den Augen setzen, wenn wir die Zukunft voraus wüßten. Welchen schädlichen Einfluß müßte das nicht auf uns haben? – Und gleichwohl wollten wir annehmen, Gott zeigte uns die Zukunft, und noch überdieß eine schreckliche Zukunft durch die Erscheinung eines Kometen an? – Müßte nicht Gott selbst auf diese Art unser Verderben befördern? und wäre das weise und gütig von ihm gehandelt, von ihm der nach dem Ausspruche Christi, wie ein treuer Vater, für unsre Wohlfahrt sorgt? – Und dann wäre ja das Daseyn der Kometen ein wahres Unglück für uns. – Nein, so etwas irriges glaubt Er nicht. Kometen sind vielmehr ein eben so sprechender Beweis von der Allmacht und Weisheit Gottes und verkündigen folglich eben so die Ehre dieses erhaben Wesens, wie die übrigen Sterne. Man ersiehet das deutlich aus ihrer Größe, Mannichfaltigkeit und ihrer eben so merkwürdigen als regelmäßigen Laufbahn; und sind sie auch, welches höchst wahrscheinlich ist, mit lebendigen Geschöpfen angefüllt, wie unsere Erde, so zeugen sie auch deutlich von Gottes Güte, die auch jene Geschöpfe ins Daseyn rief und ihnen so wie uns ihre mannichfaltige Nahrung giebt.

Nun ich will wünschen, daß Er das, was ich Ihm hier gesagt habe, recht beherzigen und, wenn [16] es nöthig ist, auch andern zu ihrer Belehrung mittheilen möge.

Landm. Ja wer es nur auch so gut sagen könnte, wie Sie, lieber Herr! Nun was ich thun kann, will ich gewiß thun, um andere von den Kometen eines Bessern zu belehren. Uebrigens danke ich Ihnen recht sehr für die hübsche Unterhaltung, die Sie mit jetzt gemacht haben. Ich wünschte nur, daß Sie mir auch etwas von den andern Sternen sagten, die sie mir vorhin nannten; denn ich möchte gar zu gerne den ganzen Himmel auf einmal kennen lernen, und Sie würden mir gewiß auch das andere, was noch vom Himmel zu merken ist, recht hübsch deutlich erklären, das weiß ich.

Astroph. Nun ich danke Ihm für das gute Zutrauen, das Er in mich gesetzt hat. Das will ich sehr gerne thun; nur gedulde Er sich damit bis auf ein andermal, wenn wir beyde noch mehr Zeit haben, mit einander zu plaudern. Jetzt wünsche ich Ihm recht wohl zu leben.

Landm. Adieu, lieber Herr! nun ich verlasse mich darauf, daß Sie wieder zu mir kommen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Entfernug