Land und Leute/Nr. 22. Ein verstecktes Paradies

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Autor: Franz Josef Vonbun
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Titel: Ein verstecktes Paradies
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41 + 43, S. 652-655
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Reisebericht aus der Artikelserie Land und Leute, Nr. 22
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Nr. 22. Ein verstecktes Paradies.

Mit jedem Sommer werden die Touristenschwärme dichter, welche sich über die Alpen ergießen; auf jedem Steg erwartet man den grünen Hut eines Berliner Gemsenjägers, der nach jöttlichen Sennerinnen späht; von den Höhen flattert der blaue Schleier englischer Ladies, und doch giebt es noch stille Winkel, wo noch kein befrackter Kellner nach Fremden auslugt, noch nicht die Bevölkerung sich rüstet, für die schöne Landschaft Geld einzunehmen. Wir kennen manchen solchen Winkel; einer der schönsten …

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Montavonerin mit dem Mäßle.

Verlassen wir außerhalb Bludenz in Vorarlberg die Straße zum Arlberg und wenden wir uns gegen den föhrenbewachsenen Felsen, der sich zwischen Ill und Alfenz vorschiebt, so kommen wir bald in enge Schluchten, an tosenden Bergwässern vorbei, bald zu Wiesenthälern von ganz eigenthümlichem Schmelz. Prächtige Buchenwälder bilden ihren Saum, und rings tönt der Klang der Heerdeglocken herab. Es ist eine schöne, milde Gegend, die der Fuß des Wanderers zögernd durchschreitet, bald rückt jedoch der Abhang rechts und links wieder näher an den Fluß, der stellenweise den Boden mit Geröll übergossen hat und voll stürmischen Ungestümes an die Felsen schlägt. Noch einige Schritte, und wir haben Tschagguns und Schruns, den Hauptort des Montavon, vor uns. Diese Dörfer sind zu beiden Seiten der Ill in der anmuthigen Weitung des Thales hingestreut. Die fleißige Hand des Menschen ließ keine Scholle unbenützt, die Halden und Bergterrassen sind weit hinauf mit Höfen, Kornfeldern und Obstbäumen bedeckt. Wie mag es hier im Frühling duften, wenn der Blüthenschnee aus allen Kirschbäumen, die sogar zu einer Allee vereinigt sind, niederregnet; wie mögen die rothen und schwarzen Früchte locken, wenn die Julisonne brennt! Die Montavoner denken aber auch an den Winter, sie brennen viel und vortrefflichen Kirschengeist, Chrisiwasser, was an das lateinische Wort cerasus mahnt. Die Schrecken der Alpenwelt sind dieser glücklichen Gegend ziemlich fern gerückt, die Spitzen, welche majestätisch vom Rhätikon niederschauen, lassen sie nur ahnen; wer sie genießen will, möge sich in die Seitenthälchen wagen, die zum Theil schluchtartig nördlich gegen die Ill abfallen. Sehr empfehlenswerth ist der Uebergang durch das Rellsthal in

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Montavonerin mit dem Schäpele.

[654] die Schweiz, man gelangt dabei an den Lünersee, dieses Juwel der Alpen Vorarlbergs, der sechstausend Fuß über dem Meer in seinem klaren, blaugrünen Wasser die scharfen Kanten und Grate der Kalkfelsen spiegelt. Der Geognost und der Botaniker werden nebenbei durch eine reiche Ausbeute belohnt.

Was auf den ersten Blick befremdet, ist nicht der Unterschied der Gegend von den Thälern des nachbarlichen Tirol; die geologische Unterlage des Thonglimmerschiefers, Glimmerschiefers und Gneises hat hier wie dort ähnliche Formen und eine ähnliche Vegetation bedingt, wohl aber manches Eigenthümliche im Bau der Häuser. Diese stecken nämlich in einem Schuppenpanzer von braunen Schindeln, welcher jede Wand überzieht. Die Fenster sind groß und blank, die Läden meistens grün angestrichen. Diesem Baustyl begegnet man übrigens auch im Allgäu und dem benachbarten Prettigau. Betritt man das Innere des Hauses, so wird man durch die große Reinlichkeit überrascht, während in Tirol manchmal der Schmutz wie in Polen das fünfte Element zu sein scheint. Der Boden ist blank und weiß, das eindringende Licht wird durch feine Vorhänge gebrochen, im Fremdenzimmer prangen meist polirte Möbel von hartem Holze. Der Montavoner ist nüchtern und sparsam, mit großer Findigkeit weiß er Erwerbsquellen aufzuspüren. Selten kommt ein Fremder in das Montavon, um so häufiger gehen Montavoner in die Weite. Im Frühjahr ziehen sie truppweise nach Westen, insbesondere nach Frankreich, wo sie als Maurer sehr geschätzt werden und blanke Louisd’or holen. Der Montavoner ist daher bei aller Liebe zur Heimath ein Kosmopolit; nicht ohne Selbstgefälligkeit spricht er den Touristen französisch an und freut sich, wenn dieser staunt. Jene Schafsmäßigkeit, mit der sich der Tiroler von ultramontanen Leithämmeln für verschiedene Zwecke, die wahrlich nicht im Christenthum, dieser Religion der Liebe, wurzeln, ausbeuten läßt, hat er längst abgelegt, aber nicht die Achtung vor dem Priester, welcher seinem Beruf würdevoll obliegt. Diese Achtung wird nicht als selbstverständlich betrachtet, sondern muß verdient werden. Das Ordinariat hütet sich, Priester aus Tirol zu senden; es wählt Eingeborene, welche Land und Leute kennen und zu behandeln wissen.

Einen sehr guten Erwerb gewährt dem Montavoner die Viehzucht mit ihren verschiedenen Producten. Sie wird nicht auf eine so ursprünglich rohe Weise betrieben, wie in manchen Gegenden Tirols, sondern sehr verständig. Man hat die herrlichste Race des Schweizerrindes hier angesiedelt und noch veredelt; dem Oekonomen, der die Märkte besucht, muß das Herz im Leibe lachen, wenn er die prächtigen glatten Thiere beschaut oder ihnen auf den Rücken klopft. Kaufte doch erst jüngst Herr Tschavoll aus Feldkirch eine Kuh um 100 Kronenthaler! Die reinliche Milchwirthschaft liefert vorzügliche Producte; die Käse Montavons erfreuen sich weitum eines guten Rufes. Auch der Verkauf gedörrten Obstes bringt manchen schönen Gnlden in das Thal. Ja, die Montavoner verstehen es fast so gut wie die Schweizer; Vorarlberg würde sich überhaupt nach Sinn und Art der Bewohner zu einem Canton eignen; es kennt keinen Adel, und ein protziger Junker könnte hier höchstens eine Tracht Schläge, aber keine Complimente holen. Darum wollen auch die feudalen und clerikalen Tiroler nichts von den Leuten jenseits des Arl wissen, diese haben aber auch nie eine große Sehnsucht nach dem berüchtigten Glaubenseinheitspferch gezeigt.

Im Montavon ist übrigens nur die Sprache deutsch, Körperbau und Gesichtsbildung würde die romanische Abstammung beweisen, lägen auch nicht dafür zuverlässige Urkunden vor. Fast alle Ortsnamen klingen romanisch; vielleicht erst in Mitte des vorigen Jahrhunderts gelang die Entwelschung vollständig. Mancher Rest des alten Welsch befremdet aber auch jetzt noch im Gespräch mit Montavonern. So heißt balöri (italienisch balordo) Tölpel, parlotscha (parlare) unverständig reden, allert heiter, späuslig (sposo) Bräutigam, spausa (sposa) Braut und ähnliches mehr. Ueber den Charakter des Montavoners sagt der bekannte Beda Weber: „Die Montavoner, aus urältester Zeit frei und ungeknechtet, alle feudalistische Leibeigenschaft mit echt keltischem Trotz von sich stoßend, sind der lebenskräftigste und rührigste Volksstamm Vorarlbergs, ebenso heiter und funkensprühend wie scharfsinnig und gedankenreich mit allem Heimweh der Schweizer für ihr grünes Thal, in ihren Gesichtszügen auffallende Spuren von Aehnlichkeit mit der rhätischen Bevölkerung Obrrinnthals und Engadins nachweisend, aber vom guten Geiste der rheinländischen (sollte wohl heißen: schwäbischen) lebenswarmen Volkstümlichkeit vergeistigt und verklärt.“

Die Geschichte Montavons zeigt uns kein Ereigniß von Bedeutung; die Romantik des Mittelalters mit ihren brutalen Rittern, Leibeigenen und Mönchen hatte in diesem demokratischen Völklein nie Wurzel gefaßt; 1809 zogen seine Söhne zwar mit dem Stutzen aus, doch heftet sich an ihren Ausmarsch leider eine blutige Erinnerung: der gräuliche Mord des Beamten Indermaur zu Bludenz.

In den Sitten zeigt sich manches Eigenthümliche; wir erwähnen vor Allem den prächtigen Tanzreigen, welcher, einigermaßen dem steirischen Ländler ähnlich, sich doch in einem viel rascheren Tempo bewegt und an Grazie unsere einförmigen Walzer und Polkas weit übertrifft. Die Männer haben längst ihre Volkstracht abgelegt und sich dafür bürgerlich costumirt, wie es sich für so viel gereiste Leute ziemt.

Aber die Montavonerinnen?

Wir waren bisher so unartig, dieselben kaum zu erwähnen, dafür soll jetzt um so länger davon die Rede sein. Ja, die Montavonerinnen! Da giebt es prächtige Meiggen mit der vollen Gluth des Südens im Auge und der leichten Elasticität des Bergmädchens in den Gliedern. Man trifft wirklich sehr schöne Gesichtchen, nur den Mund sollten sie nicht oft aufmachen. Sie schwätzen zwar ganz allerliebst, leider gleichen die Zähne nicht selten den spitzen Ruinen eines abgebrannten Dorfes. Man giebt als Ursache dieses häßlichen Fehlern den häufigen Genuß des heißen gekochten Obstes an. Sei dem, wie ihm wolle, wenn sonst nichts mangelt, kann man sich allenfalls beruhigen; die Montavonerinnen sind brave Hausfrauen und bringen meistens schöne Batzen zur Aussteuer, womit man allenfalls ein Gebiß in Golddraht kaufen kann.

In der Kleidung behielt die Montavonerin die alte Volkstracht bei; Stück für Stück in Zucht und Ehrbarkeit zu mustern, überlassen wir einem Freunde, der sich von seiner wackern Frau die einzelnen Theile der Toilette benennen und erklären lassen konnte. Der Leser möge mit dem Wort die beigefügten Abbildungen vergleichen. Das hohe, schwarze Ding, das so imposant, fast ehrfurchtgebietend auf dem Kopfe sitzt, ist das Mäßle, sonderbarer Weise auch die grüne Kappe genannt. Es gleicht einem Männerhut ohne Krempe, oder der Mütze eines griechischen Popen und deckt die ganze Fülle des Haares, nur eine einzige Locke quillt an den Schläfen darunter hervor. Das Mäßle ist übrigens nichts Originelles, sondern nur der Rest einer früher weitverbreiteten Tracht, vielleicht ursprünglich alemannisch. Scherer’s Costümbilder von Tirol zeigen die Mädchen vom Lechthal und Pfaffler noch am Beginn dieses Jahrhunderts damit geschmückt. Es ist überhaupt falsch, den sogenannten Volkstrachten ein hohes Alter und lange Dauer zuzuschreiben. Sie ändern sich von Zeit zu Zeit, freilich nicht so schnell, wie die Anzüge der Modejournale. Das sehen wir auch in Montavon. Noch vor wenigen Jahren pflegten die Frauen ihr dunkles Haar vorerst in eine weiße Haube zu fassen, auf welche dann das Mäßle so gesetzt wurde, daß die „Kappathusa“, eine eiförmige Spitzenhaube, hervorquoll, die allerliebst das Gesicht umrahmte. Um den Hals schlingt die Montavonerin ein kleines Seidentüchlein so lose, daß das rothe Collier noch hervorblitzt. Früher waren Mieder und Rock hellroth, heutzutage sind Spenser (Tschopa), Mieder und Rock von Schafwolle und dunkelbraun, die Schürze blauer Baumwollstoff. Der Tschopa ist am Halse und vorn mit einem breiten Seidenband eingefaßt, der rechte Aermel umgelitzt, damit ja die hochrothe „Blegi“ und die paar Rosettchen darauf ersichtlich seien. Das Mieder reicht bis zu den Lenden, seine Ränder sind ebenfalls mit einem breiten, seidenen Bande gesäumt und schließen das Brusttuch, einen länglichen, dreieckigen Pappendeckel, ein, der mit rothem Seidenstoffe überzogen ist und nicht selten mit allerlei Zierrath prangt, etwa einer Goldborte am oberen Rande, oder einem bunten, seidengestickten Blumenstrauße in der Mitte. Der Brisnestel, ein rothseidenes Band, steigt von einem Oehr zum andern im Zickzack über den Busenpanzer zum Hals. Die ziemlich faltenreiche Juppa ist an ihrem unteren Rande wieder von einer breiten, rothen Blegi geschmückt und auch der berüchtigte Reif fehlt bei mancher ländlichen Kokette nicht. Einige Eitelkeit verräth der hochrothe Strumpf, der sich mit manchem schönen Strickmuster um die dralle Wade schmiegt. Früher wurde er auch in Tirol getragen, jetzt sieht man ihn nur hie und da noch im Vinschgau; wie denn auch die Bauern [656] nach und nach den grellen Farben entsagen, welche früher selbst Männer mit Vorliebe wählten.

So ist das eigenthümliche Costüm der Montavonerinnen, welches sie, natürlich an Sonntagen von etwas besserem Stoffe und mit mehr Aufputz, durchschnittlich tragen, sie müßten aber keine Weiber sein, wenn nicht für außerordentliche Gelegenheiten noch irgend ein besonderes Stück im Kasten läge. Wer das vermuthet, schießt nicht fehl; am Frohnleichnamsfeste und bei Hochzeiten kann er einen uralten Schmuck sehen.

Das „Schäpele“, dessen schon das Nibelungenlied erwähnt, ist das Kleinod der Montavoner Jungfrau, die es von ihrer schwäbischen Nachbarin entlehnte. Es ist ein mit Glasgemmen geschmückter Reif, der ein Krönlein aus Filigranarbeit trägt, ein funkelndes Krönlein von Gold, Silber und farbigen Steinen, welches auf das zurückgestrichene Haar gesetzt wird. So eine schäpeltragende Montavonerin bildet sich auch Etwas ein, sie ist unstreitig eine glänzende, feiertägliche, farbenvolle Erscheinung, fast wie ein bunter Falter, der von Blume zu Blume schwebt. Vom Feuerroth des Brustlatzes und der Schürze hebt sich das Schneeweiß der bauschigen Hemdärmel und manchmal spitzengesäumten Schürze scharf ab. Um die Achsel schlingt sich ein buntes Sammtband mit einer Masche auf der Schulterhöhe, vom gleichen Stoffe ist auch das Schurzband, das vorn in einer großen Schleife auf den Schooß niederflattert. Rothblaue, breite Bänder wallen rückwärts von den Zöpfen über das kirschrothe Mieder bis auf den Saum der schwarzen Juppe hinab.

Die Braut flicht ihren „Hostig-Schäpel“ (Hochzeitskranz) aus Rosmarin, einer Pflanze, welche bei allen Festen des Landvolkes eine große Rolle spielt. Der Bauernbursch steckt gern eine Blutnelke mit einem Zweiglein Rosmarin auf den Hut, den ihm sein Mädchen gespendet; Todte bespritzt man mit einem Zweiglein Rosmarin, das man in Weihwasser getaucht, und vollends bei Hochzeiten darf diese aromatische Pflanze nie fehlen. Nach der Trauung setzt die junge Frau ihren Rosmarinzweig in die Erde, und „verpaßt“ (verwelkt) er, so ist es ein schlimmes Zeichen, aber ein gutes und glückverkündendes, wenn er von Neuem ausschlägt, frisch ergrünt und zum stattlichen „Maiastock“ heranwächst. Dann bricht sie gern alle Sonntage ein „Stifle“ davon ab, um es hinter dem „Brisnestel“ vor den Busen zu stecken.

Werfen wir noch einen Blick in das Silberthal, aus welchem der Litzbach heraushüpft – ein lustiger Montavonerbub – und steigen wir nach Schruns hinab. Die steinernen Häuser geben dem Ort fast ein städtisches Aussehen; wichtige Denkmäler alter oder neuer Kunst würde man vergebens hier suchen, so wandern wir denn nach einem tüchtigen Imbiß weiter.

Wir werden keine Langweile empfinden: überall entfaltet sich die Fülle des Lebens, jeder Schritt führt uns an einem reizenden Bild vorbei, und schauen wir aufwärts, so winken die Grate und Spitzen des Hochgebirges verlockend herab; fast möchten wir emporsteigen; da, dort prangt ein zierliches Häuschen im smaragdenen „Mahd“, Almhütten oder Mayensässen, wo die Montavoner die Hitze des Sommers meiden. Wollen wir aber heute noch nach Gallthur gelangen, so dürfen wir allerdings keine Seitensprünge machen, können aber hie und da mit einer frischen Montavonerin „parlotscha“, sie wird uns stets in gleicher Münze herausgeben. An Gelegenheit fehlt es uns gewiß nicht, denn auf der Strecke von Gallenkirch bis Gaschurn reiht sich ein Bauerngut an das andere: es ist fast eine große Gasse von fünf Viertelstunden Länge. Bei Gaschurn betrachten wir uns das Wallfahrtskirchlein Maria-Schnee. Es sieht zwar etwas zopfig aus, weil es in der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts erbaut wurde, die Montavonerinnen tragen aber hier der Mutter Gottes ihre geheimen Anliegen vor. Soldaten bauen sonst gewöhnlich nur Festungen; dieses Kirchlein wurde jedoch von einem ehrenfesten k. k. Hauptmann gestiftet, nachdem es ihm gelungen war, die reiche Tochter eines Bauern von Gaschurn heimzuführen. Noch steht das Haus unsers wackern Kriegshelden, vorn ist er hoch zu Rosse abgebildet. Das Wappen wurde natürlich auch nicht vergessen.

Nach einer Stunde erreichen wir Parthenen, das letzte Dorf Montavons auf einer weiten Ebene, zu welcher von den Bergen rechts bereits Schutthalden niederfließen. Von hier gelangt man in sanftem Anstiege über das niedere Joch Zeinis nach Patznaun, welches bereits zu Tirol gehört. Ein rüstiger Bergsteiger wage sich jedoch in das Bermontthal, es führt in das unentweihte Heiligthum der Alpen, wo wir mitten unter Gletschern am Ursprung der Ill gegenüber der höchsten Spitze Vorarlbergs, dem Piz Albuin, vom Leser vorläufig Abschied nehmen.