Lebens-Lauff, Oder Letztes Ehren-Gedächtniß weyland Friedrich Eckarths

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Textdaten
Autor: Gotthelf Traugott Eckarth
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Titel: Lebens-Lauff, Oder Letztes Ehren-Gedächtniß weyland Friedrich Eckarths
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aus: SLUB Dresden: 3.A.5513,angeb.5
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Erscheinungsdatum: 1736
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Erscheinungsort: Herwigsdorff
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Quelle: SLUB Dresden, Commons
Kurzbeschreibung:
Friedrich Eckarths Lebenslauf und Werksverzeichnis
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Lebens-Lauff,
Oder
Letztes Ehren-Gedächtniß
weyland
Friedrich Eckarths,
gewesenen Gärtners zu Herwigsdorff,
Welcher den 30. April 1736.
Auf seinen Erlöser, JEsum Christum, sanfft und seelig eingeschlaffen,
Und den 3 May darauf
mit gewöhnl. Ceremonien beerdiget wurde,
Auf guter Freunde Begehren,
und aus Kindlicher Pflicht und Schuldigkeit,
zum Andencken ausgefertiget
von
Gotthülff Traugott Eckarthen,
hinterbliebenen ältesten Sohne.

Gedruckt 1736.
An den Leser.

ICh weiß gar wohl, daß mir dieser Bogen bey manchen wird übel aufgenommen werden, aber ich dencke, daß es billig und recht sey, daß man seiner Eltern Gedächtniß zu erhalten sucht, zumahl, weil mich einige gute Freunde gebeten und ersucht, meines seeligen Vaters Personalien einzuhändigen; also hab ich mich resolviret, dieselbige drucken zu lassen, und ich hoffe, daß der geehrteste Leser dieses nicht übel nehmen wird, daß ich meinem Vater seligen die letzte Ehre und Schuldigkeit anthue, und seinen Lebens-Lauff öffentlich drucken lasse. Denn es fordert ja die Pflicht, daß man seiner Eltern mit Ehren gedencket, von denen man nechst GOtt das Leben empfangen, und die vor unsere Auferziehung viel Müh und Sorge haben müssen, auch denen Kindern mit guten Exempeln vorgehen. Was meinen seel. Vater anbetrifft, so führete er sich fromm, und soviel als möglich Christlich auf, und wird jeden, die ihn gekennt, seine stille und verträgliche Aufführung wohl bewust seyn. In seiner 11 wöchentlichen Kranckheit hat er viel auszustehen gehabt, er hielte aber dieses immer vor eine Gnade von GOtt, daß er ihn auf das Krancken-Bette gelegt hätte; seine Andacht dabey, ist nicht leicht zu beschreiben. Ich, als sein Sohn, werde Zeit meines Lebens dieses nicht vergessen, und ist mein Wunsch dabey, daß mir der liebe GOtt auch, wenn Zeit und Stunde kommt, ein dergleichen sanfftes u. seeliges Ende aus Gnaden verleihen wolle. Schlüßlichen befehle ich den geehrtesten Leser in GOttes Schutz und treue Vorsorge, und werde mich allezeit nennen, meines geehrtesten und werthgeschätzten Lesers

Herwigsdorff, den
16 August 1736.
Dienstwilligster
Gotthülff Traugott Eckarth.
Lebens-Lauff
Friedrich Eckarths.

ER ist gebohren allhier in Herwigsdorff, An. 1687. den 30. August. Sein Vater war Michael Eckarth, ein Gärtner und Leinweber in der Scheibe, ein frommer, häußlicher und aufrichtiger Mann, und sonderlich ein sehr grosser Liebhaber des Singens schöner Lieder, und der Vocal-Music, dahero er auch 5. Gesang-Bücher voll schöner Gesänge mit Melodien und Noten mit eigener Hand geschrieben hinterlassen hat, von welchen ich zwey annoch besitze. Die Mutter, Frau Rosina, Martin Israels, Bauersmanns und Gerichts Eltestens Tochter. Sein Groß-Vater vom Vater war Zacharias Eckarth, ein Bauer und Gerichts-Elteste allhier, welcher A. 1712. den 15. May starb, alt 83. Jahr 6. Monat und 19. Tage. Allhier ist merckwürdig, daß dessen drey Brüder auch über 80. Jahr alt worden, als nehml. Michael Eckarth starb 1703. den 15. Jun. alt 84 Jahr und 13. Wochen. Christoph Eckarth starb 1730 den 9. Jun. alt 83 Jahr, weniger etliche Wochen. Elias Eckarth starb 1730. den 16. Jun. alt 86. Jahr 4. Monat 27. Tage. Von diesen seinen Eltern wurde mein lieber Vater den 1. Sept. zum Bade der heilgen Tauffe befördert, und wurden ihm zu Tauff-Zeugen gebeten: 1) Herr M. Johann George Weise, wohlverdienter Seelen-Sorger allhier. 2) Christoph Roscher, ein Gärtner, Koch und Schlächter allhier. 3) Michael Trescher, Bauer in der Scheibe. 4) Frau Sabina Isralin, in der Scheibe, welche in einem Alter von 84. Jahren, so lange als GOtt will, noch lebet. 5) Fr. Maria Augstin, von Wittgendorff. Sein Vater lernte ihn in der Jugend lesen und schreiben. Weil aber der Schulmeister, Hr. Martin Weber, (welcher in einem hohen Alter noch lebet,) eine schöne Hand schrieb, so muste er ein viertel Jahr wegen des Schreibens zu ihm in die Schule gehen; und das sind seine gantze öffentliche Studia. Denn darauf mußte er bey seinem Vater die Kühe hütten, dreschen und andere Arbeit verrichten. Es fand sich aber von Jugend auf bey ihm eine so grosse Zuneigung zu Historischen und Theologischen Büchern und Schrifften, daß er sich selber darüber verwunderte, und wäre er wegen eines Buches, das er nicht gehabt, durch ein Feuer gelauffen. Die Kühe wurden niemahls ausgetrieben, ohne daß er mit einem Buche hinter drein spatzierte, und verwunderten sich vielmahl vorübergehende Gelehrte, wenn er bey den Kühen stund, und einen Historicum in folio in der Hand hatte. Und zwar muste er sich nur mit Bogen behelffen, weil seine Bibliothec erbärmlich klein aussahe, und wenn er sie bißweilen mit einem Tractätgen vermehrte, so war die Freude so groß, als wenn er einen köstlichen Demant zu einem Schatze geleget hätte. Denn, ein Theologisches und Historisches Buch zu lesen, war seine gröste Lust auf der Welt, und durch Antrieb dieser Lust hat er viel hundert derselben gelesen, und immer, als er was besser zum Verstande kommen, Collectanea draus gemacht. Und also pur aus den Büchern, ohne alle weitere Anweisung, hat ihn der liebe GOtt gelehret, was er wuste und verstund. Ich will dahero seine edirte 13. Schrifften beysetzen, welche auch noch bey mir um einen civilen Preiß zu haben sind.

1) Ist er Autor zu dem Abend-Liedgen von drey Versen: Vergieb mir, Vater! meine Sünden etc. welches im Zittauischen Gesang-Buche edit. 1727. pag. 349. stehet.

2) Anno 1717. ließ er in Pirna drucken: Den lasterhaftigen Geitzigen, oder historischen Geitz-Spiegel, beheitende aus hundert Exempel vom Geitz, in 8. fünfftehalb Bogen starck.

3) Anno 1720. ließ er bey Absterben seiner Ehe-Wirthin, Frau Susanna, gebohrner Böhmerin, ein Lied, als ihr Vale, drucken: Ade, o Welt! etc. welches öffentlich in der Kirche allhier zu Herwigsdorff, an ihrem Begräbniß-Tage, von dem Chore abgesungen wurde; dem hieng er an ein Paßions-Lied: Hilff, liebster JEsu, daß ich dencke etc. auf einen Viertel Bogen.

4) Historica Curiosa! oder historischer Curiositäten erstes halbes Dutzend; dessen Inhalt ist, (1) die den Gottesdienst turbirenden verklagten Sperlinge; (2) die bestraften Christnachts-Gauckler; (3) die wunderlich bewahrte Keuschheit; (4) Tobackschmauchen verursacht Feuers-Brunst; (5) die durchs blinde Glücke erkiesete Heyrath; (6) das seine Mutter beschwatzende Kind, gedruckt in Zittau 1731. in 8. fünfftehalb Bogen starck.

5) Historischer Nutz-Bringer und Lust-Erwecker, kam Bogen weiß heraus von 1731. biß 1735. in 8. sechs Bogen. Dessen Inhalt ist folgender: (1) Das von GOtt wunderlich bescherte Fisch-Holtz; (2) das keusche, ihre Ehre klüglich erhaltende, Bauer-Mägdlein; (3) der mit Teufeln besoldete Soldat; (4) der übelführende comödiantische Engel; (5) das bestättigte Sprichwort: Trau, schau wem! (6) der närrische Geistliche Diebe-Tröster. (7) Der häßlich bezahlte Unfläther; (8) das Johannis-Feuer; (9) die vor Teufel fälschlich gehaltene; (10) die frechen Himmels-Verächter; (11) das delicate Leckerbißlein, und der niedliche Tranck. 12) Die lächerlichen Predigten. 13) Die Schlesischen Pap-Hähne; 14) die artigen Bocks-Historien; 15) die verarmten reichen Weiber; 16) Ein jeder Kramer lobt seine Waare.

6) Historisches Tage-Buch derer 5 Jahre, 1731. 1732. 1733. 1734. 1735. in 4to, 204. Bogen.

7) Chronica, oder historische Beschreibung der Dörffer Eckersberg und Olbersdorff bey Zittau in 4to, 1732. 3. Bogen.

8) Chronica des Dörffleins Pethau, in 4to 1733. 2. Bogen.

9) Chronica des Dorffs Klein-Schönau, in 4to 1733. 1. und 1. halben Bogen.

10) Chronica des Dorffs Hartau, in 4to, 1. Bogen.

11) An. 1734. ließ er, nebst M. Scrivers und M. Hilschers Liedern, auch sein eigen Paßions-Lied, Ach liebster JEsu, wie soll ich dich preisen. etc. drucken.

12) Der tödliche Mißbrauch des Brantewein-Sauffens, in 8vo 1735. 1. Bogen.

13) Chronica, oder historische Beschreibung des Dorffs Herwigsdorff bey Zittau; worüber er, da gleich 10 Bogen heraus, seelig verstorben. Es wird dieses Werck bey nahe 24. Bogen starck werden. Von manuscriptis hat er folgende verlassen, doch sind nicht alle complet.

1) Die Donner- oder Wetter-Historie, worüber er 20. Jahr gesammlet, und im Drucke wohl bis 150. Bogen austragen würde.

2) Chronica, oder historische Beschreibung der Dörffer, Drausendorff, Henewalde, Poritsch, Dittelsdorff, Bertzdorff, Wittgendorff, Lückendorff, Oberseiffersdorff, Ratgendorff etc.

3) Chronica, oder ausführliche Beschreibung des Städtleins Hirschfelde an der Neisse.

4) Historische und Genealogische Beschreibung der berühmten Geschlechte der Herren von Hartig, Lanckisch und Nesen.

5) Das Supplemetum zu der Eckersberg- und Olbersdorffischen Chronica.

6) Lebens-Beschreibung der Evangelischen Geistlichen in Ulbersdorff, dem Herrn von Schmeiß auf Ehrenpreißberg gehörig.

7) Lebens-Beschreibung Nicolaus Schmiedts, des gelehrten Bauers.

8) Historischer Geitz-Spiegel, andrer Theil; wie auch die Continuation des ersten Theils.

9) Veit Weidners Collectanea, nebst schönen Anmerckungen.

10) Historie von grosser Theurung und Hungers-Noth.

11) Heuschrecken-Historie.

12) Historische Ergötzlichkeiten, bestehend aus zwey hundert wunderlichen Begebenheiten.

13) Historie von Blut-Regen.

14) Die geflügelten Postilionen.

15) Das Pohlnische Saltz-Bergwerck bey Cracau.

16) Beschreibung des Babylonischen Thurms.

17) Das abgöttische Wetter-Leuchten.

18) Die langen Schläffer.

19) Die abscheulichen Vater-Mörder.

20) Der Schwalben Auffenthalt im Winter.

21) Das todte Meer, wo Sodoma und Gomorra gestanden.

22) Die Hüner-brütenden Oeffen in Egypten.

23) Die bereits an Galgen Gehengten, und doch vom Tode Erlösten.

24) Historische Beschreibung von Raupen.

25) Die schnöden Vater Unser Verächter.

26) Die verwildeten Menschen.

27) Chronica, oder historische Beschreibung der Stadt Grimma in Meissen.

28) Lebens-Beschreibung vornehmer Theologen, als 1) Herrn Bonifacius Stöltzlins, 2) Joh. Arndts, 3) D. Philipp Jacob Speners, 4) D. Martin Geyers, 5) D. Johann Friedrich Mayers, 6) D. Augustus Pfeiffers.

29) Lebens-Beschreibung Herrr D. Martin Luthers, welche wohl im Drucke biß hundert Bogen ausmachen würde.

30) Historische Beschreibung der Hitze und Dürre der Jahre 1473. und 1540.

31) Die durch Frauen-List wunderlich berückten Freyer, in einer Comödie vorgestellet.

32) Comödie von einem Findlige, oder Findel-Mägdlein genannt.

33) Historisches Tage-Buch von 1712. biß 1730.

34) Eine vollständige Postille, da er auf jeden Sonntag eine Predigt aus einem vornehmen Autore genommen hat.

35) Bücher-Bibliothec, so wohl 100. Bogen beschrieben sind.

36) Historie von ungewöhnlichen kalten Wintern, Wasser-Fluthen, Erdbeben, Feuers-Brünsten, Sturm-Winden, etc. nebst noch vielen andern Schrifften, die wegen Enge des Raums nicht können angemercket werden. Wo sich nun Liebhaber finden, und GOtt Leben und Gesundheit verleyhet, könte künfftighin von diesen Schrifften ein vieles der Welt bekannt gemacht werden, weil ich sie alle besitze, und mein seel. Vater viel Müh und Arbeit darauf gewandt hat.

Seinen Lebens-Wandel anbelangende, so bestand seine gröste Lust an Bücher lesen und schreiben; indem er manches schönes Geistreiches Buch durchlesen hat, dadurch er von GOtt die Gnade erlangte, daß er den lieben Seinigen den Weg gutes und böses recht einschärffen kunte, welches mir lieber ist, als viel Gut und Geld, weil ich bey allen betrübten Zufällen getrost und unverzagt an meinen lieben Vater im Himmel, und an meinen Erlöser, JEsum CHristum halten und bauen kan, der hilfft mir auch wunderlich fort, und dabey werde ich auch verbleiben, und wenns gleich dem Teufel und allen desselben Anhängern in der bösen betrüglichen Welt verdrüßlich, so wird doch die Gerechtigkeit die Oberhand behalten. Zum Beschluß will noch seiner Heyrathen und Absterbens gedencken. Anno 1711. den 23. Nov. heyrathete er Jungfer Susanna Böhmerin, Christoph Böhmers, Erb- und Lehn-Richters zum Schlegel, Tochter, und zeugte mit ihr zwey Töchter, so gleich gestorben, und mich, Gotthülff Traugott Eckarthen, gebohren 1714. den 20. Jan. einen Häußler in der Scheibe, und mit GOTT entschlossen bin, auf den 3. October 1736 mein Hochzeit-Fest zu begehen, wozu GOtt seinen Seegen geben wolle! Anno 1722. im Jun. heyrathete er zum andernmahl Frau Anna Sabina, verwitwete Harbergin, gebohrne Seyffarthin, zeugte mit ihr 3. Söhne, davon zwey, Gottlieb und Gottlob, so lange als GOtt will, noch am Leben sind. Er starb 1736. den 30. April an der Lungensucht. Man sehe, was sich mit ihm in seiner 11. wöchentlichen Kranckheit zugetragen, in der Herwigsdorffischen Chronica.