Lebenslied

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Autor: Hugo von Hofmannsthal
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Titel: Lebenslied
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aus: Gedichte, S. 15–16
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1896
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Insel Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld und Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck ohne Titel in: Wiener Rundschau (Wien), 1. Jg., 15.11.1896 Internet Archive
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[15]
LEBENSLIED


Den Erben laß verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau!

5
Die Toten, die entgleiten,

Die Wipfel in dem Weitem –
Ihm sind sie wie das Schreiten
Der Tänzerinnen wert!

Er geht wie den kein Walten

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Vom Rücken her bedroht.

Er lächelt, wenn die Falten
Des Lebens flüstern: Tod!
Ihm bietet jede Stelle
Geheimnisvoll die Schwelle;

15
Es gibt sich jeder Welle

Der Heimatlose hin.

Der Schwarm von wilden Bienen
Nimmt seine Seele mit;
Das Singen von Delphinen

20
Beflügelt seinen Schritt:

Ihn tragen alle Erden
Mit mächtigen Gebärden.
Der Flüsse Dunkelwerden
Begrenzt den Hirtentag!

25
Das Salböl aus den Händen

Der toten alten Frau
Laß lächelnd ihn verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau:

[16]
Er lächelt der Gefährten. –
30
Die schwebend unbeschwerten

Abgründe und die Gärten
Des Lebens tragen ihn.