Legende von den drei Lebendigen und den drei Toten

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Textdaten
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Autor: Rainer Maria Rilke
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Titel: Legende von den drei Lebendigen und den drei Toten
Untertitel:
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 23
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1918
Verlag: Insel-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
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LEGENDE VON DEN DREI LEBENDIGEN UND DEN DREI TOTEN


Drei Herren hatten mit Falken gebeizt
und freuten sich auf das Gelag.
Da nahm sie der Greis in Beschlag
und führte. Die Reiter hielten gespreizt

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vor dem dreifachen Sarkophag,


der ihnen dreifach entgegenstank,
in den Mund, in die Nase, ins Sehn;
und sie wußten es gleich: da lagen lang
drei Tote mitten im Untergang

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und ließen sich gräßlich gehn.


Und sie hatten nur noch ihr Jagergehör
reinlich hinter dem Sturmbandlör;
doch da zischte der Alte sein:
— Sie gingen nicht durch das Nadelöhr

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und gehen niemals — hinein.


Nun blieb ihnen noch ihr klares Getast,
das stark war vom Jagen und heiß;
doch das hatte ein Frost von hinten gefaßt
und trieb ihm Eis in den Schweiß.