Leipziger Sommergartenleben zu Großvaters Zeiten

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Textdaten
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Autor: Sttz
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Titel: Leipziger Sommergartenleben zu Großvaters Zeiten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 537, 547
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[537]
Die Gartenlaube (1890) b 537.jpg

Leipziger Sommergartenleben zu Großvaters Zeiten.
Zeichnung von A. Langhammer.

[547] Leipziger Sommergartenleben zu Großvaters Zeiten. (Zu dem Bilde S. 537.) Leipzig vor siebzig Jahren mit etwa liltllili Einwohnern und das heutige Leipzig mit einer Bevölkerung von mehr als dreimalhundert tausend Menschen – welche Gegensätze! Und doch war das damalige Leipzig nicht minder berühmt als das heutige. Seine Lage und seine geschichtliche Bedeutung, sein Handel und seine Universität, seine seinge bildeten, aber thatkräftigen Bürger und seine schönen Frauen halten ihm einen Ruf verliehen, der weit über Deutschlands Grenzen hinausging. Als eine besondere Zierde dieses alten Leipzigs aber hatten die vielen schönen Gärten, die ihm mit Recht den Namen einer Gartenstadt cintrugen und auf welche die reichen Handelsherren mit hoher Befriedigung blickten. Einer derselben, der Bosesche tspäicr Reimerschen Garten die jetzige Künigsstraße ist daraus erwachsen – begeisterte sogar einen Dichter zu den Versen;

„Mein Liebchen ist wie Bosens Garten,
Ein auserles’nes Blumenfeld,
Das hier und da viel tausend Arten
Vollkommner Schönheit in sich hält,
Ein Auszug vieler Seltenheiten,
Ein Meisterstück von Artigkeiten–“

Das Kriegsjahr 1813 halte nur vorübergehend die Pracht dieser Gärten schädigen können. Reichenbachs später Gerhards“ Garten, Lölirs o’päler Keils) Garten, Breiters Wintergarten etc. gewännen wieder europäische Berühmiheit. Manche dieser Privatgärten waren im Laufe der Zeit in öffentliche Gärten umgewandelt worden, in deren Wirthschaften sich die Leipziger nach Herzenslust vergnügten.

Wie es in einem solchen Garten vor etwa siebzig Jahren aussah, das zeigt uns deutlich unser Bild. Schattige Lauben, in denen kleine Gesellschaften, ungestört von den übrigen, traulich beieinander sitzen konnten, waren in Menge vorhanden, so im „Großen Kucheugarten“, den einst Goethe besniigen hatte, aus der „Funkenburg“, wo srnher das Fischerstechen abgehalten wurdc und aus deren vorderer Wiese sich 1823 -der berühmte Seiltänzer Kolter zuerst sehen ließ.

Dort trank man auch die berühmte Gose. Sonst begnügte man sich mit Weißbier und dunkelm einfachen Bier, dem sogenannten „Raster“; aber Ende der zwanziger Jahre wurden bereits die ersten Lagerbiere, namentlich Lützschcuaer, verschenkt, und bald nachher gab es sogar „Bahcrisches Bier“, das aus Nürnberg eingesührt wurde. Kinder und Frauen liebten das einfache Bier mit „Musik“, d. h. mit geriebenem Brot und Zucker. Der Handwerkerstand erlustigte sich im „Posthöruchen“ und in der „Allen Burg“, die gewöhnlich die „Blaue Mütze“ genannt wurde, weil der Wirth stets eine blaue Mütze trug und eine solche auch am Eingänge seines Anwesens aufhing, zum Zeichen, daß an dem betreffenden Tage Konzert stattfinde.

Nicht selten verkehrten auch Studenten dort und dann gab es öfters eine regelrechte Prügelei. In Schieguitzcus lspäter Kupfers) Kasseegarten, sowie in Rndolphs Garten verkehrte gewählteres Publikum. Hier ließen auch öfters Präger Musikanten ihre heiteren Weisen erklingen. Vor iichmere Konzerte fanden im „Küchengarten“ und Donnerstags im „Hotel de Prusse“ statt.

Das Rosenthal, das früher vom feineren Publikum weniger besucht wurde, kam auch mehr und mehr in Ausnahme. Gleich am Eingänge, wo sich jetzt das Restanrant Bonoraud befindet, war eine Bilde, in der man im Sommer schon früh um 4 Uhr Thee. Kanee. Chokolade, Gefrorenes ic.

bekommen konnte. Die Wirthin der „Eisbude“ hieß im Volksmunde die „Kalte Madam“, bei ihr versammelte sich die seine Welt. Im Frühjahre 1824 erhielt sie einen Nebenbuhler in dein Schweizerbäcker Kintschn, dem der Rath erlaubte, eine zweite Eisbude, das „Schweizerhültchen“ während des Sommers einzurichten. Ein Jahrzehnt später begann man das Rosenthal allmählich zu dem schönen Parke umzugestalten, der heute der Slolz aller Leipziger ist. – Die großen Leipziger Gärten haben der Neuzeit zum Opfer fallen müssen. Prachtvolle Spazierwege zieren aber jetzt die Stadt, und außer dem Rosenthale hat man die schönen Laubwälder von Leipzigs Umgegend in reizende Parkanlagen verwandelt, dem gegenwärtigen Geschlecht zu Nutz und Frommen. Mag immerhin das Alte stürzen, wenn Besseres an seine Stelle tritt! Sttz.