Lied eines Gefangenen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Johann Gottfried Herder
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lied eines Gefangenen
Untertitel: Eine Spanische Romanze.
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1796, S. 59 – 61
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1796
Verlag: Michaelis
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Neustrelitz
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung: Die Chiffre D. wird Johann Gottfried Herder zugeschrieben.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[59]
Lied eines Gefangenen.

Eine Spanische Romanze.


     Wohl ist nun der schöne Maimond,
Da die Lüftchen wehn im Thal,
Da die Lerche lieblich singet,
Lieblich singt die Nachtigall.

5
     Da sich Treugeliebte wieder

Neu dem Dienst der Liebe weihn;
Und ich armer sitz’ im Kerker,
Sitze traurig und allein,

     Weiß nicht, wenn es draußen taget,

10
Weiß nicht, wenn die Nacht bricht an;

Einst noch kam ein Vöglein droben,
Und sang mir den Morgen an.

[60]

     Aber ach! ein böser Schütze
Schoß es – lohn’ ihm Gott dafür!

15
Ach, die Haare meines Hauptes

Reichen fast zur Ferse mir.

     Und die Haare meines Kinnes
Könnten wohl mein Tischtuch seyn,
Und die Nägel meiner Finger

20
Mir ein scharfes Messer seyn.


     Ist es so des Königs Wille –
Nun er ist mein hoher Herr!
Aber thuts der Kerkermeister,
Ist er ein Abscheulicher.

25
     O! daß Jemand mir mein Vöglein

Wiedergäbe! Wär’s ein Staar,
Der hier mit mir schwatzen könnte,
Oder eine Nachtigall,

[61]

     Wär’s ein Voglein, das die Damen

30
Zu bedienen willig wär’,

Zu Lenoren, meiner Lieben,
Trüg’ es Botschaft hin und her,

     Brächte mir von ihr gefüllte
Speisen, nicht mit Salm gefüllt,

35
Eine Feil und eine Pfrieme

Wäre drinnen wohl verhüllt.

     Eine Feile für die Fessel,
Eine Pfrieme für das Schloß. –
Also sang er in dem Kerker,

40
Und der König hört’ am Kerker,

Und gab den Gefangnen los.

D.